Hess, Hermann Maria

Hess, Hermann Maria, Ritter, berühmter Historienmaler , Sohn des Kupferstechers E. Ch. Hess, wurde zu Düsseldorf geboren, und schon früh von dem einsichtsvollen Vater, dessen aufmerksamen Blicke die großen Anlagen seines Sohnes, besonders für die Malerei, nicht entgingen, im Zeichnen unterrichtet. Die- ser Unterricht fasste auch treffliche Wurzeln, denn schon als Knabe war der Künstler so weit vorgeschritten, dass er zu einer Reise im Orient zur allgemeinen Zufriedenheit die Zeichnungen lieferte. Durch anhaltendes Studium der Malerei , und durch sorgsame Ausbildung seiner inneren Anlagen der Leitung der akademischen Lehrer in München entwachsen, begann er seine selbstständige Laufbahn als Maler mit einem Bilde, das als eines der schönsten auf der damaligen Kunstausstellung bewundert und von der Königin Caroline von Bayern gekauft wurde. Es war dies die Darstellung einer Grablegung des Erlösers, aufgefasst mit tiefem religiösem Gefühl, in richtig ergriffenem Hauptmomente. Der Künstler hat hier seine Aufgabe völlig erschöpft. Was er immer in den frommen Kreis zum Behufe seiner Darstellung aufgenommen und in eine glückliche Zusammenstellung gebracht hat, das atmet den- selben Geist mit gleicher Zartheit und Fülle, nicht von aussen leicht angeflogen, sondern von innen herausgebildet, tief und innig. Teder Charakter ist nach seiner Besonderheit, so wie in Be- ziehung auf seine Situation treffend wahr geschildert. Alles ist hier, von der Anordnung der einzelnen Teile bis zu ihrer in sich abgeschlossenen Einheit, von der Schilderung des inneren Le- bens durch den seelenvollsten Ausdruck, von den zarten Formen bis zum Faltenwurf der Gewänder und dem Einklang der Far- bung — zu einem Kunstwerke vereinigt. Aber nicht allein die- ses Gemälde, sondern jedes seiner Kunstwerke stellt der Künstler

in seiner schönsten Eigenart vor Augen. Alles ist Anmut und voll Bedeutung, ein stiller, ernster, tief-religiöser Sinn belebt jede Figur und in einfachen Gruppen sind die lieblichen Gestalten geordnet.

Seinem ersten so gelungenen Versuche folgte eine Reihe sehr lieblicher Bilder, sämmtlich Gegenstände aus der heiligen Ge- schichte, vorzüglich Muttergottesbilder, zu denen ihn sein Inne- res am meisten hinzog, und die ihm mit steter Neuheit, unwandelbar reinem Ausdrucke und hoher Andacht gelingen.

Ausgezeichnet ist eine heilige Familie, die 1817 die Ausstellung zierte, Maria sitzt, den Rücken gegen das Haus gekehrt, ein Ge- betbuch in den auf dem Schoße ruhenden Händen. Ihr zur Seite ist der kleine Jesus, auf einer Rasenbank vor einem Lämmchen, und der kleine Johannes bringt eine Schale mit Milch, welche ihm Jesus abnimmt. Joseph sieht zu einem niedern Fenster her- aus den Kindern zu, welche auch Maria sinnig betrachtet. Dieses Bild hat im Ausdruck und Composition grosse Schönheiten. Über

das Ganze ist Harmonie und Wohllaut ausgegossen; hier ist keine Manier, keine blendenden glühenden Farben, nichts Gesuchtes

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