Hess, Carl Ernst Christoph, Kupferstecher, Professor an der königlichen Akademie der bildenden Künste in München , geboren zu Darmstadt 1755, gestorben zu München 1828. Zum Handwerke eines Schwertfegers bestimmt, trat er zu Straßburg in die Lehre, und schon hatte er zwei Jahre in drückender Not hingebracht, als ihn der Medailleur und Goldschmied Hohleisen, sein Schwager, nach Mannheim kommen liess, und ihm Anweisung in seiner Kunst gab. Er machte rasche Fortschritte in seinem Fache, und fing schon an, aus natürlichem Antriebe an den Instrumenten, Gefässen, und Waffen, die er fertigte, mannichfaltige Verzierungen und andere Gegenstände einzugraviren. Der König Maximilian von Bayern erhielt zu jener Zeit als Jüngling einen Hirschfänger, auf welchen eine Jagd von Hess gravirt war.
Nun widmete er sich den zeichnenden Künsten mit aller Anstrengung und wendete sich der Kupferstecherkunst zu, musste aber anlänglich aus Vermögenslosigkeit sich durch den Stich von Wechselformularen und anderen unbedeutenden Blättern seinen täglichen Unterhalt zu verschaffen suchen. Zu gleicher Zeit machte er einige Versuche in Figuren und Landschaften und verfertigte nach und nach mehrere kleine Blätter mit der Radierneedel, welche ihn allmählig als Kupferstecher bekannt machten. Im Jahre 1777 kam er nach Düsseldorf , um an dem Galleriewerke mitzuarbeiten, und einige Platten nach Rembrandt gefielen so wohl, dass er schon 1780 zum ausserordentlichen Mitglied der dortigen Akademie ernannt wurde. Sein Ruf verbreitete sich von nun an mit grösster Schnelligkeit. Im Jahre 1782 wurde er zum pfalzbayerischen Hofkupferstecher und in dem nämlichen Jahre zum wirklichen Professor der Akademie ernannt. Im Jahre 1787 besuchte er endlich Italien, um sich in seiner Kunst zu vervollkommnen, blieb aber stets im Verkehr mit mehreren der ausgezeichnetsten Männer Deutschlands. Nach seiner Rückkunft begab sich Professor Hess zum zweitenmale nach Düsseldorf, um das von Green aufs Neue begonnene Galleriewerk mit Bartolozzi u. a. zu Ende zu bringen. Dem damaligen Geschmacke gemäss musste der Künstler in der Punktiermanier arbeiten. Die vorzüglichsten Blätter, die er zu dem Werke lieferte, und welche damals seinen Namen weiter und hauptsächlich in England bekannt machten, waren die Himmelfahrt Mariä nach Guido, der Marktschreier nach Gerh. Dow, das Portrait des Rubens mit seiner Frau, welch letzteres Blatt unstreitig zu den besten und strengsten gehört, die jemals in dieser Manier verfertigt worden sind. Auch radirte er damals noch mehrere Blätter.
Gelehrten Deutschlands. Im Jahre 1701 verheiratete er sich mit der jüngern Tochter seines vieljährigen Freundes, des Akademie- directors Krahe; musste aber das Unglück des Krieges 1792 in vollem Maße fühlen. Als wieder einige Ruhe zurückgekehrt war, unternahm er Arbeiten mit dem Grabstichel, worunter die heilige Familie nach Raphael sehr vielen Beifall erhielt. Hierauf unternahm er das berühmte letzte Gericht nach Rubens in Kupfer zu ste- chen, kam aber erst nach 35 Jahren in München vollends damit zu Stande. Die Regierungsveränderung unterbrach ihn in dieser Ar- beit; die Galerie und Akademie wurde 1806 von Düsseldorf nach München verlegt. Um diese Zeit wurde ihm der Stich des heili- gen Hieronymus übertragen, welches Gemälde damals von Würz- burg nach München versetzt worden war, und als ein Raphael galt. Später hat man sich überzeugt, dass es etwa von dem älteren
Palma herrühren könnte. Nach Beendigung dieser Platte ging
eine Reihe von Jahren mit kleinen Bröderarbeiten verloren, ob-
gleich Hess dazwischen auch einige größere Werke, z. B. eine Vladonna nach Carlo Dolce, zwei Blätter nach Honthorst u. a. fertigte. Erst in seinem 65. Jahre begann er auf Anregung des Königs Maximilian die große Platte nach van Eyck, die heiligen drei Könige vorstellend.
Kaum war nach vier Jahren das Werk vollendet, so fasste er den Vorsatz, das Bildnis Sr. Majestät des Königs Maximilian nach Stieler in Kupfer zu stechen, und dieses brachte er in seinem 72. Lebensjahre zu Stande. Das Bildnis ist in ganzer Figur, im Krönungsornate. Hier gelang es ihm ganz die edle Gestalt wieder zu geben, mit den sprechenden Zügen jener angestammten Her- zensgüte, die im Leben die fortdauernde Liebe seines Volkes ge- wann. Die Figur tritt wie lebendig hervor; alles ist in durch- greifender Harmonie. Hier beabsichtigte der Künstler mehr das Wesentliche, Charakter und Farben zu geben, als durch Glanz des Grabstichels zu imponieren, so wie er nicht minder Wahrheit in den verschiedenartigen Stoffen mit glücklichem Erfolge zu er- reichen gesucht hat.
In Füssli’s Künstlerlexikon ist unrichtig ein Peter Hess, der nicht mit ihm verwandt war, als dessen Bruder angegeben und er
selbst unter den Namen Ernst Carl, und Ernst Christoph zwei-
mal aufgeführt.
- Christus im Tempel bei den Schriftlehrern, nach G. van
Eckhout. H. 13 Z., Br. 12 Z. 6 L.
Christus im Tempel, unter den Schriftlehrern, nach Rem- brandt, gr. fol.
Die Himmelfahrt Mariä, nach Guido Reni, 1702. Ein Haupt-
blatt, H. 27 Z. 5 L., Br. 15 Z. 9 L.
Der Marktschreier (The Quack Doctor), nach Gerh. Dow. 1794, schr gr. fol. Im ersten seltenen Abdrucke vor der Schrift. Gilt auf Auctionen immer 7—8 Thl.
Rubens mit seiner Frau, nach Rubens, ein Hauptblatt. Bei Wei- gel 3 Thl.
Die heilige Familie, nach Rafael’s Bild in der Pinakothek zu München, 1804. Ein Hauptblatt, kl. fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.
Das letzte Gericht nach Rubens. H. 27 Z., Br. 19 Z. 10 L. Im ersten Drucke vor der Schrift.
St. Hieronymus schreibend, nach Palma vecchio, früher für
Raphael gehalten, gr. fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.
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