Herlin, Friedrich

Herlin, Friedrich, einer der besten Maler und Bildhauer der alt- deutschen Schule, aus einer alten nördlingischen Familie; die sich auch Hörlein oder Herlein schrieb. Er ist vermuthlich der Sohn eines Malers Hans Herlin , der um in Nördlingen arbeitete. Friedrich hat sich aber in der Schule des Jan van Eyck gebildet; Dieses beweiset seine Manier; die glänzende Farbengebung und auch die sinnreiche Weise, welche sich in seinen Compositionen offenbaret, zeigt, dass er in jener berühmten Schule seinen Geist entzündet. Wann er aus den Niederlanden zurückgekehrt, und wie lange er dort verweilt habe, weiss man nicht, es ist aber be- kannt, dass Herlin und einige Zeit darnach in Ulm gearbei- tet habe, und 1462 kam er von Rothenburg nach Nördlingen. Er

Herlin, Friedrich.

niederländischer Arbeit umzugehen im Stande war. Von dieser Zeit an scheint er in Nördlingen gearbeitet zu haben.

In der St. Georgen-Kirche zu Nördlingen sind noch mehrere Bilder von Herlin: die zwei Flügelthüren am Hochaltare von (von Michael Argelo verfertiget, sagt VWeyermann?); ein

schöner Christus am Kreuze als Epitaphium; ein Christusbild von ; die Ausstellung Christi ; die Madonna mit dem Kinde sitzend und zu den Seiten Herlin mit Frau und Kindern kniend, auf dem einen Flügel die Geburt Christi, auf dem anderen Jesus

tar in Bopfingen für 320 fl., ein Bild, das den Namen des Künst- lers und die Jahrzahl trägt. Die Bilder in der Kirche zu Nörd- lingen werden als vorzüglich bezeichnet.

In der St. Jakobskirche in Rothenburg an der Tauber sind acht Bilder im Inneren des Altares, mit der Beischrift: Dies Werk hat

gemacht Friedrich Herlein Maler 1466.

Von Herlin ist vermutlich auch das herrliche altdeutsche Ge- mälde des Hochaltares im Dome zu Meissen. Es stellt die Anbe- tung der Könige in lebensgrossen Figuren dar, auf dem rechten Flügel St. Joseph und St. Philipp, auf dem linken Bartolomäus

und Jakob. Den Grund bilden prachtvolle Ruinen altrömischer

Architektur. Die Köpfe sind ausdrucksvoll, die Gewandung rafaelisch, und die Hände und Füsse obgleich nicht von vorzügli- cher Schönheit, beurkunden einen für treue Nachahmung der Na- tur sehr besorgten Meister. Das Köpfchen des Kindes ist von un- vergleichlicher Anmuth. Die Geschichte des Bildes ist in Meissen nicht bekannt; Hirt (Bemerkungen auf einer Reise über Witten- berg und Meissen, Berlin 1835) vermutet in Herlin den Urheber dieses berühmten Altarblattes. Herlin’s Bilder in Meissen ha- ben aber etwas Rohes in den Physiognomien, was sie vielleicht erst durch die Übermalung bekamen; allein in der Anordnung wieder etwas so Grossartiges, dass sie in dieser Hinsicht sogar wieder

einen Vorzug behaupten sollen, wenn man sie mit den bekannten

Werken dieses Meisters vergleicht. In dem Bildersaal der St. Morizkapelle in Nürnberg sind zwei Bilder mit mehreren Hei- ligen von Herlin, die wohl einen schönen Farbensinn verraten,

aber keinen guten Zeichner. Wenn man nach diesen Bildern urteilen dürfte, so stünde Herlin unter Holbein dem älteren. F. Herlin nimmt auch unter den Holzschneidern seiner Zeit

einen hohen Rang ein. Seine Werke zeichnen sich vor jenen der

Wohlgemuth’schen Schule durch seine Schönheit des Styls und der Zeichnung aus. Eine hohe Gestalt ist seine Gottesmutter auf

dem Blaubeurer Altare. Sie steht über lebensgross auf dem Monde

mit dem Jesusknaben, umgeben von Johannes dem Täufer und St. Benedikt, dem Evangelisten Johannes und der heiligen Schola- stica. Die Formen sind von angemessener Fülle, der Faltenwurf ist edel und frei, und die Hände, so wie das Gesicht, sind sorg-

fältig behandelt. Diese Bildwerke sind nach gewohnter Weise

bemalt.

Herlin’s Todesjahr wird verschieden angegeben. Weyermann lässt

ihn 1510 das Zeitliche segnen, was wohl nicht richtig ist, da Beischlag

in der Nördlingischen Geschlechtshistorie I. S. 04 die Grab- schrift des Künstlers beibringt, welche lautet: Anno Dmi 1491 den 12. tag Oktober starb der Ernhaff vnd firnem Friedrich Herlin stadtmaler alhie. D. G. G. Nuch größer ist aber der Irrthum Winckelmann’s in Maler-Lexicon, herausgegeben von J. Heller; da

heisst es, dass Herlin 1541 gestorben sei.

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