Hensel, Wilhelm

Hensel, Wilhelm, Historienmaler , wurde 1704 zu Trebbin gebo-

ren und in einem Dorfe bei Fehrbellin , wo sein Vater Prediger

war, erzogen. Schon als Kind bekritzelte er Fußböden und Meu-

bel mit Kreide und Kohle, und später trug er mit selbstgemach-

tem Pinsel seine Farben aus Blumen und Beeren auf. Endlich be-

glückte ihn ein Farbenkasten, aber die ihm sonst so liebenden Eltern

wollten doch nicht zugeben, dass der Sohn ein Maler werde, ob-

gleich sie sahen, dass er schon Menschen, Thiere und was ihm

vorkam, in das Bereich seiner Darstellung gezogen. Im 106. Jahre

wurde er als Bergeleve nach Berlin gebracht, mit allen seinen rei-

chen Skizzen, aber nur nach dem Tode des Vaters durfte er aus-

schliesslich der Kunst sich widmen. Er studirte jetzt Anatomie und

Perspektive, zeichnete nach der Antike und dem lebenden Modelle,

bewahrte aber im Übrigen auf Anrathen des Direktors Frisch

seine Eigenthümlichkeit. Seine Skizzen und ein Bildnis in Öl

erregten schon 1812 auf der ersten Kunstausstellung Aufmerksam-

keit, aber im folgenden Jahre folgte er als Freiwilliger den Rei-

hen deutscher Jünglinge, welche sich zur Befreiung des Vaterlan-

des vereinigten. Hensel diente als Offizier , aber in den Messe-

stunden begleiteten ihn stets Poesie und Malerei. Einige seiner

Gedichte aus jener Zeit erschienen im Drucke. Hensel erkannte

aber bei aller Theilnahme doch nur in der Malerei den Beruf sei-

nes Lebens. Doch fühlte er damals Hemmungen des wahren Stu-

diums durch Broderwerb, da er seit dem Tode seines Vaters für

eine zahlreiche Familie zu sorgen hatte. Er malte viele Bildnisse,

auch Zeichnungen fertigte er, und für Almanache und Mährchen

radirte er auch Blätter. Hierauf führte er im neuen Schauspiel-

hause zu Berlin Wandgemälde mit Darstellungen aus den Tragi-

kern aller Zeiten aus, von denen einige ebenfalls im Umrisse her-

auskamen.

Im Jahre 1821 bot sich ihm eine glänzende Gelegenheit, sein

Talent zu zeigen. Er erhielt damals vom Könige den Auftrag,

die Carnevals-Belustigungen des Hofes in einer Bäderreihe darzu-

stellen. Der Gegenstand war die Aufführung des Festspieles Lalla

Rookh nach dem Gedichte des Th. Moore, in einem großen

Ball-Masque im königl. Schlosse zu Berlin. Die höchsten Personen

des Hofes stellten selbst die Familie des Aurengzeb und Abdallah’s

vor. Indem nun Hensel jene Bilderreihe aus dem vergänglichen

Reiche feenhafter Erscheinungen in das bleibende Gebiet der Kunst

versetzte, entstanden zwölf Zeichnungen, welche nächst der glück-

lich gedachten Anordnung noch das besondere Verdienst in der

Hensel, Wilhelm.

(Abbildung mehrerer durch Rang und Schönheit ausgezeichneter

Personen darbieten, dem Künstler kam bei dieser an sich gewiss sehr schwierigen Aufgabe die Leichtigkeit und Zartheit seiner Manier zu statten, in welcher er bereits früher geübt war, nämlich Bildnisse in Bleistiftzeichnungen auf eine höchst eifüllige Weise auszuführen. Hensel versteht es, jede individuelle Eigenthüm- lichkeit zu erfassen und den glücklichsten Moment in Wendung und Geberde abzulauschen. Einen Beweis seiner Leichtigkeit in charakteristischer Auffassung gewähren neben anderen auch diese Blätter, auf welchen ebenfalls die Bildnisse der königl. Prin- zen und Prinzessinnen erscheinen. Die Bilder, alle von grösster Portraitähnlichkeit, wurden zu Ehren der damaligen Grossfürstin, der jetzigen Kaiserin von Russland, ausgeführt, und die darin auftretenden hohen Personen sassen dem Künstler in ihrem maleri- schen Costüm. Auch mehrere Oelbilder musste er in diesen glän- zenden Trachten darstellen.

Die erwähnten Zeichnungen erschienen bei Wittich zu Berlin im Kupferstiche, von H. Moses, Berger, Mayer u. a.

Im Jahre 1823 riss sich der Künstler von glänzenden und an- genehmen Umgebungen los, um als königl. Pensionair die Kunst- schätze Roms zu schauen. Hier copirte er während seines fünf- jährigen Aufenthalts Rafael’s Transfiguration in der Grösse des Originals, selbst ein meisterhaftes Gemälde, das die Schlosskapelle in Charlottenburg schmückt. Ein großes sinnvolles Bild nach eigener Erfindung stellt Christus und die Samariterin vor, und auch meh- rere kleinere Bilder führte dieser Künstler aus. Einige erinnern uns an Italien, wie die schöne Vittoria van Albano, wie sie den Gefährtinnen ihren Entschluss, ins Kloster zu gehen, mittheilt, die Genzaneserin mit dem Tambourin, nach welchem ein Knabe reift u. s. w. Das erstere dieser Gemälde zeichnet sich, wie alle werke dieses Künstlers, durch gefällige Composition und cha- rakteristische, lebendige Auffassung aus.

Im Jahre 1828 kehrte Hensel wieder ins Vaterland zurück, und von dieser Zeit an war er in Berlin auf mannichfache Weise be- thätiget. Er wurde königl. Hofmaler, Mitglied der Akademie und Professor an derselben. Jetzt trat er auch in ein eheliches Ver- hältniss, mit einer Enkelin des Moses Mendelssohn. Im Jahre 1850 malte er auch das Bildniss des Felix Mendelssohn Bartholdy, eines jungen Componisten; Hauptärbeit bleibt aber ein Gemälde von colossaler Grösse, Christus vor Pilatus vorstellend, vom Kö- nige gekauft, und in der Berliner Garnisons-Kirche aufgestellt. Ein Meisterbild, das er 1836 zur Ausstellung brachte, stellt Mir- jam vor, eines der herrlichsten Thema der Bibel, Moses II. Cap. 15. V. 20. Der Künstler hat seine Aufgabe von der lyrischen Seite erfasst, und bei Gelegenheit der Ausstellung dieses Werkes heisst es in der Beilage zu den Berliner Nachrichten 1836 Nro. 255, dass im Norden Deutschlands die Historienmalerei überhaupt nie in ihrer dramatischen Fülle gehandhabt werde, sondern dass sich hier vorzüglich der lyrische Theil einheimisch gemacht habe.

Der Gegenstand dieses Bildes ist folgender: Mirjam wird beim Auszuge aus Aegypten und dem Uebergange durch das Meer zur Prophetin begeistert, und sie ergreift ein Instrument zur Beglei- tung der Befreiungshymne: Lobsinget dem Herrn, er ist hoch und erhaben etc. Alle Frauen folgen ihr mit Handtrommeln und Tanz- musik. Moses und Aron ragen auf einem Felsen, wie Nebelge- stalten einer tiefen Vorzeit aus dem Hintergrunde. Näher beschrie-

ben ist dieses Bild in den erwähnten Berliner Nachrichten. Auf

diesem Gemälde sind herrliche Figuren und in denselben Fülle und Reichthum. In der Carnation, im Wurf der Gewänder, in

Lichtvertheilung, in Helldunkel und Farbenglanz sucht dieses Bild

seines Gleichen.

Die Werke dieses Künstlers sind zahlreich, da er ungemeine Gewandtheit und Leichtigkeit der Erfindung besitzt. Er hat reiche Phantasie und ein ausserordentliches Talent für Komposition, Dabei erfreut auch die kraftvolle, markige Behandlung. Die Ge- genstände seiner Werke sind mannichfach, da er in jedem Gebiete als Meister erscheint. Auch treffliche Zeichnungen hat man von seiner Hand, in Stift und Sepia. Wir erwähnen nur noch diejenigen, welche er zu Tieck’s Genfena ausführte.

Gegenwärtig ist er mit einem großen Bilde beschäftigt, welches Christus in der Wüste vorstellt.

Noch müssen wir bemerken, dass dieser Künstler auch Vorsteher eines Schüler-Ateliers ist, aus welchem bereits geachtete Künstler hervorgegangen sind; zwei der vorzüglichsten, Kaselowsky und Moser, haben in öffentlicher Concurrenz die italienischen Reisesti-

pendien errungen. In seinen Schülern ist das großartige Streben des Meisters unverkennbar.

Von seinen Gedichten kann man in jener Sammlung lesen, die unter dem Titel: Bundesblüthen, erschien.

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