Henning, Adolph, Historienmaler , wurde 1800 zu Berlin geboren und, da er schon frühe Lust zur Malerei hatte, in der Schule des Professors Wach herangebildet. Er verweilte hier von seinem 15. bis zum 23. Jahre, und dann ging er nach einem dreimonatlichen Aufenthalt in Düsseldorf in Begleitung des Malers Mücke nach Italien. Gegen das Ende des Jahres 1835 kehrte Henning über Paris wieder ins Vaterland zurück, und nun ließ er sich in Berlin häuslich nieder.
Unter Wach’s Leitung malte er drei Bilder: das Kind mit dem Schutzengel, den Abschied Christi von den Marien, und Oedipus von Antigone geführt, alle für den Kunstverein in Berlin bestimmt. Das letztere schildert den Moment, wie die treue Tochter Antigone, den blinden König und Vater nach Athen führend, einen steilen Hohlweg hinabsteigt und plötzlich den Vater schützend vom Abgrund zurückhält. Das Ganze ist hoch poetisch, dem Sinne der Mythe gemäß aufgefasst und im ernsten, edlen Stil seiner Schule aufgefasst. Die Gestalten sind edel, der blinde König, den eine schwere, unverschuldete Schuld drückt, im kräftigsten höheren Mannesalter gehalten. Die Gewänder sind sehr schön, die Falten reich und maßvoll, mehr in ruhigen Massen verteilt, als klein und gebrochen. Dieses Bild ergreift durch die Hoheit des Gedankens und durch die Harmonie der Composition. In seiner Darstellung von Philemon und Baucis nach Ovid rang der Künstler 1830 um den Preis, der die Mittel zur Kunstreise nach Italien sicherte. Sibert erhielt ihn, aber auch Henning’s Bild ist trefflich in der Gruppirung, und in Verteilung und Anwendung der Farben jenem sogar überlegen. Im Henning’schen Bilde ist mehr Poesie.
Das letzte Bild vor seiner Abreise von Berlin, ebenfalls ein treffliches Gemälde, stellt eine Mutter mit zwei Kindern dar, die vor dem Altare beten. Dieses Werk besitzt der König von Preussen.
In Rom malte Henning für den Berliner Kunstverein ein nicht weniger besprochenes Bild, als seine Antigone. Dieses kräftige Gemälde stellt Achill und Thetis vor, nach dem ersten Gesang der Ilias. Das Mägdlein ging ungern von dannen, heißt es; Achill aber sitzt mit thränendem Auge am Meere, zornig die Faust ballend über seine Weichheit, ungewiss, was er in seinem thatenlustigen Schmerze beginnen soll, als die geliebte Erscheinung der Mutter den Kampf entscheidet. Die Worte: was weinst du, was betrübt die Seele? bewegen ihn, seinem Herzen Luft zu machen und seinen Unfall zu erzählen. Dieses Bild ist in gutem akademischem Stil gemalt, großartig und korrekt, voll weichen Reizes und zarten Lebens in schöner Einheit. Näher gewürdiget ist dieses Bild in den Berliner Nachrichten, 1836 Nro. 220, und in dem Bericht über die Berliner Kunstausstellung 1836 S. 15.
In Rom malte er auch das Gemälde mit den zwei Ordensgeistlichen, welche die Gräfin Drhna erwarb; und den David als Hirtenknaben, in dem Augenblicke dargestellt, wie er in Begeisterung nach der Harfe greift. Dazu kommen noch mehrere kleinere Bilder, meistens geistlichen Inhalts; die Darstellung eines italienischen Mädchens, das sich das Haar macht, und mehrere andere Genrebilder. Auch Bildnisse malt dieser Künstler, und die Bilder dieser Art zeichnen sich durch markige und kraftvolle Behandlung aus. Im Colorite sind seine Bilder ebenfalls trefflich.
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