Henne, Eberhard Siegfried, Kupferstecher, geb. zu Berlin 1750,
gest. daselbst 1823. Sein Vater, der Pfarrer zu Gunsleben , bestimmte
ihn Anfangs zur Kanzel, doch entschied bei ihm das inwohnende
Talent für den Griffel , und nur Ein Jahr hatte er in Halle Theo-
logie studiert. Im Jahre 1770 ging er mit Bewilligung seines Va-
ters nach Leipzig , um bei Oeser in der Zeichnung sich zu vervoll-
kommen und bei Bause sich im Stiche zu bilden. Doch zog
Henne bald die Nadel dem Grabstichel vor, und daher empfand
ihn Bause dem Kupferstecher Liebe. Unter der Leitung dieses
Meisters übte sich nun der Künstler drei Jahre im Radieren und
Aetzen, bis er bei Chodowiecky und Rode in Berlin freundschaft-
liche Aufnahme fand. Henne studierte nach dem Rathe dieser Meister
nun auch fleissig nach der Natur, und Gelegenheit, nach dem Mo-
dell zuzeichnen, fand er in der von Berger und Le Sueur gestifteten
Privat-Akademie. Mit rastlosem Eifer hatte er es 1790 bereits so
weit gebracht, dass er sein bestes Werk, „die Opferung der Iphi-
enia“ nach einem großen Gemälde von Vanloo erscheinen
lassen. Dieses Blatt gründete Henne’s Ruhm, da es sich durch
Richtigkeit der Zeichnung und durch vortreffliche Ausführung em-
pahl. Aus jener Zeit rühren auch mehrere radirte Blätter nach
Chodowiecky’s Zeichnungen, und er machte sich die Art jenes Mei-
sters ganz eigen, wie dieses die Blätter in Archenholz Taschen-
buch des siebenjährigen Krieges beweisen. Zwei der besten Bil-
der aus jener Zeit sind der „Abschied Ludwigs XVI.“ von seiner
Familie, nach Chodowiecky’s Zeichnung, und „Jesus in Emaus
das Brot brechend“, nach einem augenscheinlich ausdrucksvollen Gemälde von
Rode. Jetzt kamen nach der Schlacht bei Jena die Leiden des
Krieges über Preussen, und Henne musste sich durch eine Reihe
leicht radirter und ächtig colorirter Blätter, die öfter merkwür-
Henne, Erh. Siegfried.
Die Männer jener Tage darstellten, sein Brot verdienen. Allein der Erwerb war dennoch kärglich, und so sah sich 1808 der Künstler genötigt, in Braunschweig und bei seinem Neffen, dem Ober- amtmanne F. Ch. Wahnschaffe zu Westerburg, sorgenfreiere Tage zu suchen. Jetzt unternahm er am Harz künstlerische Wanderungen, und als Resultat derselben gab er eine Reihe radierter und geätzter, mit Wasserfarben colorierter Blätter in größerem und kleinerem Formate heraus. Zu den größeren gehören: Rosstrappe, Huysburg, Blankenburg, Stecklenburg, Ballenstedt, die Marmormühle. Dann gab er in kleinerem Format noch einige andere Ansichten von diesen Gegenden. Dazu kommen noch einige schlesische Ansichten, in denen Treue, Richtigkeit und Fleiss zu loben sind, wenn sie in der malerischen Wirkung auch zu wünschen übrig lassen. Indessen sind diese Erzeugnisse aus trüben Tagen, welche den Künstler nicht ermunterten. In Braunschweig stellte er den schreckbar überraschenden Bivouac Friedrich Wilhelms dar, wie sich der Held 1800 vor den Thoren der Stadt nach der Weser durchschlug. Zu jener Zeit beschäftigte ihn auch die Vervielfältigung der sonderbaren Gemälde des Höllenbreughel, so wie solche des Hieronymus Bos in der königl. Gallerie. Die Platten von diesen Werken sind im Besitze der Familie.
Nach dem Frieden von Tilsit kehrte endlich der Künstler wieder nach Berlin zurück, und sein erstes Blatt, welches er hier fertigte, war der Abschied der sterbenden Königin Louise. Jetzt wollte er auch einen Kunsthandel anfangen, allein dieser trug ihm wenig ein, denn der bescheidene zartfühlende Künstler war zum kaufmännischen Verkehr nicht geschaffen. Sein Bruder, ein Kaufmann, ging ihm jedoch redlich zur Seite, und auch durch den Zeichnungsunterricht fand er seine Verhältnisse erleichtert. Im Jahre 1817 wurde er endlich Inspektor der k. Akademie, und 1825 wurde ihm auch die ehrenvolle Teilnahme am Senate derselben übertragen. Die letzten zehn Jahre seines Lebens flossen ihm noch in Ruhe und im Glücke hin. Im Jahre 1828 entschlief er im Frieden mit Gott, mit sich selbst und mit allen guten Menschen.
Im Berliner Kunstblatt von 1828 ist ein biographischer Umriss des Prof. Hampe, und ein Nekrolog im Ilmenauer neuen Nekrologe der Deutschen VI. 2. S. 823 ff.
Das Bildnis des Sängers Concialini.
Das Bildnis Napoleon’s,
Jenes von Friedrich dem Großen, beide vorzüglich getroffen,
Friedrich Wilhelm III. von Preußen,
Die Königin Louise von Preußen.
Prinz Ludwig, der bei Saalfeld den Tod des Helden starrte.
Erzherzog Karl von Österreich,
Island als Franz Moor.,
Derselbe und Madame Bethmann in den Hausfreuden, Madame Bethmann als Phaedra, alle drei nach Catel, und im Almanach für Theater und Theaterfreunde, 1807.
Karl Wilhelm Ferdinand, Herzog von Braunschweig.
Der Graf von Schulenburg.
Die Rosstrappe, vorzüglich gelungen.
Das Hosterplattshurg?
Die Stadt und das Schloss Blankenburg.
Das Schloss zu Ballenstedt.
Die Ruine von Stecklenburg am Harz,
Die Marmormühle bei Blankenburg.
Aussicht vom Ilsenstein.
Die Danielshöhle.
Ausfluss der Bude aus dem Harz.
Der Vorplatz des Klosters Huysburg.
Das Schloss Fürstenstein in Schlesien.
Waldenburg in Schlesien.
Der Kochelfall in Schlesien.
Die Kapelle auf dem Zobtenberge.
Die Höhle daselbst und der Krieselfall.
Der Bivouac Friedrich Wilhelms von Braunschweig, mit dem Bildnis des Herzogs auf einem eigenen Blatte, in ganzer Figur.
Der Abschied des Königs und der Prinzen von der sterbenden Königin Louise.
Reitergefecht unter Ziethen bei Theim.
Die Lebensweise am Sonntage zu Anfang des 18. und 19. Jahrhunderts, in contrastirenden Parallelen, nach Madame Henry’s Gemälden.
Der Abschied Ludwigs XVI. von seiner Familie, nach Chodowiecky’s Zeichnung.
Jesus in Emaus das Brod brechend, nach einem ausdruckvollen Bilde von Rode.
Die Opferung der Iphigenia, nach Vanloo.
Das Fegfeuer.
Die Hölle.
Der Sündenfall, alle drei nach P. Breughel radirt.
Die Blätter zu Ramler’s poetischen Werken von 1800.
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