Heideck, Carl Wilhelm von

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der Griechen in solchem Maasse, dass ihm das Commando über mehrere griechische Städte und Inseln übertragen wurde, Seine unaufhörlichen Anstrengungen bei neuen Schöpfungen und Ver- besserungen aber zogen ihm die Gefahr einer harten Krankheit zu, der er 1829 nach Italien entfloh, und im folgenden Jahre kehrte er nach München zurück, mit einer reichen Sammlung von Skiz- zen, die er neben seinen vielen und angestrengten Beschäftigun- gen noch zu Stande brachte, als Beweise seiner großen Fertigkeit und Sicherheit. Diese Blätter können nur in der kürzesten Zeit zusammengebracht worden sein, und dennoch sind sie mit der größten Treue und Genauigkeit wiedergegeben, Abbildungen des Cha- rakters und der Sitten jenes, jetzt Bayern befreundeten Landes, lebendige Darstellungen, von poetischer Auffassung, vom bedeutungsvollsten und interessantesten Gesichtspunkt aus aufgenommen. Heideck zeichnet mit gleicher Vortrefflichkeit Landschaften und Figuren, daher gewähren seine Skizzen eine doppelt interessante Ansicht von der Eigenart jenes Landes. Ganz vor- trefflich ist sein Panorama aus dem Golf von Napoli di Romania. Eine Menge kleinerer Zeichnungen gewähren Ansichten höchst interessanter Küstenpunkte und lehren die Beschaffenheit des Lan- des im Einzelnen wohl kennen. Dabei zeigen sich auch Sitten und Custom der jetzigen Bewohner in ihrer vollen malerischen Schönheit. In mehreren großen, figurenreichen Compositionen hat er Scenen aus dem dortigen Kriegsleben gegeben, wie die Verthei- lung der Lebensmittel durch ihn selbst, das Lager von Athen u. s. w., hervorragende Bilder von herrlicher Anordnung und lebendiger Mannigfaltigkeit der Charaktere und Motive. Er zeichnete auch das Schatzhaus des Atreus in Mykenä, von aussen und von innen, das Löwenthor daselbst, die altdorische Tempelruine zu Corinth u. a. Die beiden letzteren Zeichnungen hat Heideck schon wäh- rend seines Aufenthaltes in Rom in zwei Ölgemälden ausgeführt, welche durch die südliche Farbengluth, durch die Klarheit der Töne und durch die natürliche Beleuchtung einen bezaubernden Eindruck machen. Ein drittes Ölgemälde zeigt eine Aussicht auf Aegina gegen das Meer und Salamis, im Vorgrunde eine Gruppe von Frauen und Mädchen am schattigen Brunnen unter klarem Himmel, mit tiefblauer Ferne bei heller Sonnenbeleuchtung. Hei- deck’s Bilder mit Erinnerungen aus Griechenland werden zahlreich werden, denn im Dezember 1832 kam er wieder in diesem Lande an, damals als Generalmajor und Mitglied der Regentschaft. Ge- genwärtig hält er sich als General wieder im Vaterlande auf, fort- während mit der Kunst beschäftigt.

In allen Gemälden dieses Künstlers bemerkt man eine richtige Zeichnung der Thiere und Figuren, womit er seine Landschaften und sonstiigen Gemälde sehr passend belebt; jede Gruppe ist gefäll- ig und mit Verstand angeordnet, an schicklicher Stelle angebracht und in Ausdruck und Bewegung ihrer Situation charakteristisch entsprechend. In seinen Landschaften begegnen und unterstützen sich wechselseitig die Luft- und Linienperspektive zur täuschenden Wirkung, besonders nehmen sich die Hintergründe bei ihrer Ein- fachheit nicht selten ernst, großartig und bedeutungsvoll aus. Vor allem gehört Heideck zu jenen wenigen Künstlern, die, Feinde eines überhäuften Details, mit Wenigem Vieles zu leisten beabsichtigen. Der Schwierigkeit einer deutlichen Auseinander- setzung weiss er, ohne auf gesuchte Effekte loszugehen, durch ein natürliches Helldunkel zu begegnen, in welchem Schatten und Licht in wohlberechneter Stufenfolge wechseln, während alle Ge- genstände, selbst in den tiefsten Schatten, von dem allgemeinen

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Tageslichte umflossen sind. Dieser letzteren Behandlungsweise verdanken Heideck’s Gemälde ihre dauerhafte Klarheit, die er durch die Leichtigkeit und Durchsichtigkeit seines Farbenauftrags noch bedeutend zu erhöhen weiß. Nicht minder kommt ihm hier- bei auch die seltene Geschicklichkeit zu statten, das gegenseitige Verhältniss der Farben, die Stärke der Töne und den Grad ihrer Abstufung aus ihren Gegensätzen sehr verständig zu berechnen. Mit diesen Eigenschaften verbinden seine Gemälde noch eine warme, durchaus harmonische Färbung, einen geschmackvollen Vortrag und eine fleißige, geistreiche Ausführung. Die Privatkabinette des höchstseligen Königs Maximilian von Bayern und der Königin Wittwe, die herzoglich Leuchtenbergische Sammlung und die k. Gallerie zu München bewahren Gemälde von ihm. Ausser diesen erfreut sich auch mancher Liebhaber des In- und Auslandes eines schönen Bildes von der Hand dieses Künstlers. Welche schöne Anlagen auch für das höhere historische Fach diesem Künstler an- geboren sind, hat derselbe durch mehrere gelungene Erfindungen bewiesen, die er in Concurrenz mit einigen der geachtetsten Künst- ler Bayerns zu den Transparenten der bei Gelegenheit der Jubel- feier am 16. Februar 1824 stattgehabten grossen Beleuchtung in München entworfen hat. Diese Transparent-Gemälde wurden durch Steindruck bekannt gemacht. Auch hat er sich in der Freskomalerei mit dem gelungensten Erfolge versucht. Das Viergespann am Wagen des Helios in der k. Glyptothek ist von ihm bis zur Ueber- raschung von Leben und Wahrheit ausgeführt. Nachrichten über diesen Künstler finden sich im Kunstblatt von 1825, wo Domherr Speth sich über ihn verbreitete; auch im Con- versations-Lexicon u. s. w. Wir bemerken nur noch, dass Hei- deck auch radirte Blätter geliefert habe; von seiner Kunst in Be- handlung der lithographischen Linie zeugt ein Blatt des 28. Heftes des Münchner Galeriewerkes. Werke seiner geistreichen Nadel sind:

  1. Der Postillon mit dem Pferde am Zügel, dabei ein kleiner Hund, im Grunde Landschaft mit einem Turme. H. 4 Z., Br. 5 Z., 10 L.
  2. Das stehende Pferd neben einem Baumstamme, 1825. H. 7 Z., 7 L., Br. 6 Z. 5 L.
  3. Der schlafende Hund an einer grossen Pflanze, 1825. H. 3 Z., 10 L., Br. 6 Z. 5 L.
  4. Der Esel mit vier Körben links an der Mauer, 1831. H. 5 Z., 2 L., Br. 7 Z. 1 L.
  5. Zwei Esel, einer stehend, der andere liegend, im Grunde rechts ein Haus mit Mauer, 1832. H. 5 Z. 7 L., Br. 7 Z. 0 L.
  6. Ein Esel mit Körben neben einer Mauer stehend, rechts im Mittelgrunde der Treiber auf den Bauche, im Grunde Gebäude,
  1. H. 5 Z. 7 L., Br. 7 Z. 6 L. Heideck, A. — Heiddeck. — Heidecker, Wilhelm, Maler aus Paderborn, ein Zögling der Düsseldorfer Schule, wo er um 1835 unter Schadow’s Leitung stand. Dieser Künstler malt Bildnisse. Im Jahre 1830 fertigte er für den rheinländischen und westphälischen Kunstverein eine Co- pie nach Bendemann’s berühmtem Bild des Jeremias auf den Trü- mern von Jerusalem. Einmal fand man einen Künstler Heidhecker geschrieben, wohl der Unsrige. Heidegg, Sebastian — Heiddeck, Sebastian, Goldschmied und Formschneider von Zürich, der sich in Wien grossen Beifall erwarb. Man kennt von ihm einen Jeton mit seinem Portraite und der Jahrzahl 15506, doch

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