Heemskerk, Martin van. 37,
heiratete sich mit Maria Coninghs, einem der schönsten und liebenswürdigsten Mädchen der Stadt, und feierte seine Hochzeit mit großem Glanz; leider aber war sein häusliches Glück nur von kurzer Dauer, denn seine Frau starb nach anderthalb Jahren im ersten Wochenbette; auch das Kind überlebte die Mutter nicht.
In Hinsicht auf Kunst trat jetzt der mit so herrlichen Talenten ausgerüstete Meister zurück, obgleich er überall vom Reiz der Neuheit geblendete Bewunderer traf. Eine unbegreifliche Verkehrtheit des Geistes bewog ihn, sich bald gänzlich, nicht nur von Schoreel’s Lehre und Beispiel, sondern auch von der Natur abzuwenden, um eine durchaus fremdartige Manier anzunehmen. Er suchte von nun an seiner früheren alten deutschen Schule, welche einzig die Natur als Vorbild erkannte, in Allem entgegenzuarbeiten, ohne sich desshalb doch den, mehr Ueber Idealen höherer Schönheit nachstrebenden, italienischen Meistern, welche ihm vorschwebten, nähern zu können. Seine in den verkehrtesten, übertriebensten Stellungen, den antiken Statuen nicht nachgebildeten, sondern nachcopirten Gestalten verloren mit der Wahrheit allen Charakter, allen Geist, alles Leben; trüber Schein musste die Wirklichkeit ersetzen, und sogar die ihm sonst eigene Pracht der Farben ging in dieser seiner Verworrenheit mit zu Grunde.
In der obenbenannten Sammlung befindet sich ein Gemälde aus dieser Zeit, einen Heiligen darstellend, der ein besessenes Mädchen heilt. Niemand, der es erblickt, wird von selbst auf den Gedanken kommen, dass dieselbe Hand, derselbe Geist, welche jenen eben angeführten Meisterwerken das Daseyn gab, auch dieses, ihnen in Allem so entgegengesetzte Zerrbild entstehen ließen. Das Ganze ist ohne allen Charakter, und die Anordnung desselben durch die gespreizten übertriebenen Stellungen durchaus unverständlich.
Unerachtet dieses seines auffallenden Übergangs vom Vortrefflichen zum Tadelnswerthen gewann Heemskerk täglich nicht nur Bewunderer, sondern auch Nachahmer in Menge; ja man darf wohl behaupten, dass von ihm der Anfang des bald darauf mit schnellem Schritte hereinbrechenden Untergangs aller ächten deutschen Kunst zuerst ausging. Die angehenden Künstler begannen von nun an nach seinem Beispiel nur dem äusseren Scheine, den effektmachenden Künsteleien nachzustreben, ohne sich um die wahre Gestalt und das eigentliche Wesen der Gegenstände, welche sie darstellen wollten, weiter zu bemühen.
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