Heemskerk, Martin van,
war geneigt, van Eyck’s zur Seite zu stellen, er hielt aber fest an Schoreel’s Weise, und wusste, wie dieser, Anmuth, Leben und Geist seinen Werken mitzuteilen.
Im Jahre 1532, als Martin 34 Jahre alt war, entschloss er sich endlich, eine Kunstreise nach Italien zu unternehmen; vorher aber malte er noch den Apostel Lukas, und schenkte diese Tafel der Harlemer Malergilde zum Angedenken. Dieses Bild wurde zu K. van Manders Zeit von der Öbrigkeit der Stadt als ein seltenes Kleinod hoch in Ehren gehalten und auf dem Rathhause auf- bewahrt. C. van Mander beschreibt es mit grossem Lobe. In Rom warf er sich mit glühendem Eifer auf das Studium der Antike, malte und zeichnete den ganzen Tag nach den Überbleibseln antiker Baukunst, nach Statuen und Basreliefs und nach Michel Ange- lo’s Werken, den er allen andern modernen Künstlern vorzog.
Die Neuheit der Gegenstände blendete ihn, er ergriff sie in wilder, eifriger Hast, ohne sich selbst Zeit zu lassen, sich mit ihrem eigentlichen Wesen zu befreunden, oder ihren Geist in seinem Inneren aufzufassen. Die glänzende Oberfläche dieser ihm fremd erscheinenden Kunstwelt genügte ihm, und so verlor er dar- über nach und nach die Natur fast gänzlich aus dem Gesichte, die ihm so lange befreundet gewesen war.
Seine Arbeiten in Rom , deren ihm einige aufgetragen wurden, erwarben ihm den allgemeinsten Beifall bei Künstlern und Kunst- kennern. Auch Vasari gedenkt seiner unter dem Namen Martin Tedesco, und lobt vor allem die Gemälde, die dieser grau in grau für den Einzug Karl V. in Rom malte. Wie er in Rom zweier Gemälde und anderer Kunstsachen beraubt wurde, und wie er aus Furcht vor den Dolchen Rache dürstender Italiener über die Alpen zurückeilte, ebenso den glücklichen Zufall, der ihn, in Dordrecht aus einer Mordherberge rettete, erzählt Johanna Schopenhauer, in dem Werke „Johann van Eyck und seine Nachfolger“.
Mit der Ankunft in Harlem, seinem Wohnorte von nun an, be- ginnt in Martin Heemskerk’s Leben ein neuer Abschnitt. In sei- nen früheren Arbeiten ist er in Ausdruck und Stellung der Figu- ren einfacher, ungesuchter und mehr in der Art der alt- nieder- ländischen Schule. Aus dem lebensvollen Colorit, aus der Zeichnung, der Schönheit der Draperien und der vollendeten Ausführung, aus allem, geht in dieser Zeit das hohe Talent des Meisters hervor, die Natur mit zartem, edlem Sinn aufzufassen, mit gewissenhafter Treue darzustellen, und nirgend erblicken wir eine Spur von Manier und erkünsteltem Wesen. In der königlich bayerischen (ehemals Boisserce’schen) Sammlung befinden sich Gemälde aus seiner besten Zeit: Kaiser Karl V., als Feldherr in voller Rüstung, eine jugendliche kraftvolle Heldengestalt; die Kai- serin Helena mit dem Kreuze des Heilands, ihr gegenüber der ebenfalls heilig gesprochene Kaiser Heinrich II. Das Gegenstück zu diesem Bilde zeugt die Gestalt des Evangelisten Johannes, mit dem Kelche; zur Seite steht, fürstlich geschmückt, die heilige Catharina. Zu den Füßen dieser Heiligen kniet der Stifter und die Stifterin mit ihren Söhnen und Töchtern. Ferner ein Altar- blatt mit Seitentafeln. Das Hauptgemälde stellt eine Kreuzigung dar; die eine der Seitentafeln den heiligen Stephan, die andere den heiligen Mauritius.
Heemskerk ward in Harlem bei seiner Rückkehr aus Italien von Künstlern und Kunstfreunden sehr ehrenvoll empfangen, auch übertrugen ihm seine Mitbürger die Stelle eines Kirchenraths, welcher er 22 Jahre lang bis an seinen Tod vorstand. Er ver-
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