Hayez gehört zu den ausgezeichnetsten, jetzt lebenden, italieni-
schen Malern, und schon frühe war sein Ruf begründet. Canova,
unter dessen Leitung Hayez zu Rom auch einige Zeit studierte,
sagte, er gehe, ohne zu irren, schon in früher Jugend auf der
Bahn des Titian. Seine Gemälde sind von grossem Schmelz und
Glanz der Farbe, und besonders gefällt er sich im Reichthum der
Draperie . In Nachahmung der Stoffe zeigt er ein grosses Talent, und
dabei ein genaues Studium des Costüms. Er zeichnet im grossen
Style, und kräftige Charaktere sprechend zu bezeichnen, ist ihm
fast immer gelungen, so wie Leben und Bewegung in seine Dar-
stellungen zu bringen. Manchmal verleitete ihn ein ungezügeltes
Feuer zu Fehlern, aber selbst diese tragen das Gepräge der Ori-
ginalität. Dagegen überrascht er wieder durch die Zartheit der
Form, durch die schöne Anordnung, durch die Wahrheit des
Ausdrucks, durch das Leben, das in seinen Gestalten athmet,
durch die Lieblichkeit der Töne. Er besitzt ungemeine Leichtig-
keit, Fruchtbarkeit, und überhaupt ist Hayez ein Künstler , dem
jedes Mittel zu Gebote steht. Er malt alle seine Bilder mit den
Portraiten der Belgiojoso, Borromeo, Litti, Aresi, Serbelloni,
Porro, Fagnani etc.
Seiner und seiner Leistungen wurde mehrfach auch in deut-
schen Kunstschriften erwähnt, besonders im Kunstblatte von Dr.
Schorn. Im Jahrgange 1836 Nro. 28 werden mehrere seiner neuesten
Gemälde Beschrieben und gerühmt. Hier heisst es, dass Hayez einer der
würdigsten Geschichtsmaler nicht nur Mailands, sondern gewiss auch
ganz Italiens sei, und ein würdiger Nachkomme der grössten
Meister seiner Vaterstadt, von denen die Schönheit der Farbe und
die Freiheit der Behandlung auf ihn übertragen zu sein scheint.
Ferner wird bemerkt, dass Hayez im Gegensatz zu so vielen
Hayez, oder Hayes. 21
anderen Malern auch die größten Gemälde nur nach einer flüchtigen Oelskizze ausführe, und dass er Kraft, Zeit und das erste heilige Feuer der Begeisterung nicht an mühsam zusammengetragenen Studien, oder an einem bis ins Kleinste vorher ausgedachten Carton zersplittere. Er gebraucht die Natur unmittelbar zur Ausführung und überlässt sich dem freien und sicheren Spiele seines geistreichen Pinsels. Er fasst das Leben im Fluge auf, und daher gelingt ihm gerade das, was dem redlichsten Fleiße in einer ängstlichen Behandlung unter den Händen entweicht. Auch Orloff verbreitet sich in der Historie de la peinture en Italie II. 262 M, über diesen Künstler, er nennt ihn aber Hayez. Solche Unorthographien finden sich indessen auch bei den Italienern, nicht nur bei den Franzosen oder Russen, und daher möge man es auch den Deutschen verzeihen, wenn sie sich einer Verwechslung oder Verunstaltung des Namens schuldig machen, da dieses bei den Deutschen gewiss nicht häufig vorkommt. In der Anthologia di Firenze hat sich Jemand bei Gelegenheit der Namensirrtümer in Werke Orloff’s missfällig geäußert.
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