Haydon, Benjamin Robert,
denen er seinen Salomon vollendete, schwächten seine Gesund- heit in hohem Grade; Dieses Gemälde, das H. in Sprin-Gardens aufstellen liess, wurde aber gekauft, und es fand allgemeinen Bei- fall. Die Direktoren der britischen Institution sandten ihm ein Geschenk von 100 Guineen, und auch seine Feinde liessen end- lich seinem Muthe und seinem Talente Gerechtigkeit widertahren. Im Jahre 1814 ging er seiner Gesundheit und seiner Ausbildung
wegen mit Wilkie nach Paris . Die Menge interessanter Charak- tere unter den fremden Truppen und die Schätze des Louvre boten reiche Gelegenheit, seine Studien zu fördern. Er kehrte in demselben Jahre nach London zurück und begann den Einzug des Heilands in Jerusalem . Im folgenden Jahre vollendete er mehrere andere Gemälde, musste aber steter Kränklichkeit wegen London bald ganz verlassen. Erst 1810 begann er zu genesen. Zu dieser Zeit bemühte er sich, Lord Elgin’s Sammlungen zu einem Staats- gut und seinen Landsleuten zugänglich zu machen, und er hatte auch die Freude, dieselben vom Parlamente angekauft zu sehen. Im Jahre 1821 stellte er sein neues Gemälde, Christus am Ölberge, aus. Christus ist darin mit leuchtendem Körper, von welchem Strahlen ausgehen, gemalt. Haydon hascht nach dem Lobe eines großen Coloristen, und nicht minder schmeichelt ihn jenes eines trefflichen Zeichners. Ueberhaupt setzte sich sein ununterbrochener Eifer die Aufgabe, in der höchsten Gattung der Historienmalerei die Palme zu brechen. Allein bisher hatte es noch nicht das Ansehen, dass Haydon als Historienmaler bei der Nachwelt eines ausgezeichneten Namens sich erfreuen werde. Es fehlt seinen Arbeiten an Tiefe und Originalität, und wo sich Spuren eines erfinderischen Geistes zeigen, vermisst man das echte poetische Gefühl. Doch zollt man ihm das Lob eines guten Zeichners, dass er die Farben zu behandeln wisse und in der Gesamtwirkung zu überraschen verstehe. Dieses ist besonders mit den humoristischen Bildern der Fall, die er seit einigen Jahren lieferte. Diese sind frisch und heiter in der Farbe, voll Leben und geistreich behandelt. Auch als Portraitmaler erwarb er sich Ruf, da seine Bildnisse das Gepräge der Individualität tragen. Er wusste den rechten Lebensmoment zu fassen, und dann das Bild mit Geist und Kraft zu behandeln. Seine Porträts haben ganz den reichen glühenden Farbenton, der seine Gemälde auszeichnet.
Unter den rein historischen Bildern ist sein „Moses von Pharao“ eines seiner geschätztesten. Er leistete hierin mehr, als mit seinem viel besprochenen Einzug in Jerusalem, einem grossen Gemälde, das 1820 zur Ausstellung kam. Haydon arbeitete sechs Jahre daran, und nach seinen vorangegangenen Erfolgen und Studien war die Erwartung des Publikums nicht gering. Das Bild fand im Allgemeinen auch grossen Beifall, doch erhob sich auch die Kritik, besonders in den Times vom 8. April 1820. Der Beurtheiler verglich es mit Paul Veronese’s cananäischer Hochzeit. An einigen Figuren, besonders an jenen des Vorgrundes, tadelt er die Carnation wegen des durchsichtigen und mürben Anschauens. Die Schattenpartien sollen nicht durch wirkliche Schattenmassen, sondern durch dunkel colorierte Gegenstände her- vorgebracht sein, wodurch der Effekt des Ganzen bedeutend ge- stört wird. Gepriesen wird aber der grosse Styl, die Schönheit und Correctheit der Zeichnung, besonders der Extremitäten. Der Kopf des Heilands gab dagegen wieder zu den verschiedensten Urtheilen Veranlassung. Das grösste Lob ertheilte ihm der Observer, und auch in den Annals of the fine arts wird der Künstler dieses Bildes wegen gerühmt. Man hat von ihm selbst eine Be-
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