Haufmann, Maria Anna Angelika — berühmte Malerin

Haufmann, Maria Anna Angelika — berühmte Malerin, geb. zu Chur in Bündten 1741, gest. zu Rom 1807. Ihr Vater Johann Joseph, gebürtig von Schwarzenberg am Bodensee , war von dem Bischof von Chur berufen worden, um einige Malereien zu verfertigen; und hatte da die Kleopha Lutz kennen gelernt, geheiratet, und dieses einzige Kind mit ihr erzeugt. Angelika entwickelte frühe die ausgezeichnetsten Anlagen in einer wunderbaren Liebe zur Kunst,

Ohne der Eltern Absicht zeichnete sie im zartesten Alter, was sie in der Vaters Werkstatt sah, und als dieser, auf ihr schnelles Ta- lent aufmerksam, die kindischen Beschäftigungen leitete, bestätigte sie den Ruf der Natur durch unermüdeten Fleiss. Schon lange vor der ersten Entwickelung ihrer Anlagen war ihr Vater nach Marbegno

M berufen worden, wo er sich niederließ und bis in ihr elftes Jahr blieb. Als er 1752, bessere Schicksale hoffend, nach Como zog, hatte die Tochter bereits das Meiste gelernt, was er sie lehren konnte; denn im neunten Jahre malte sie jedes Portrait in Pastell ,

so wie sie um diese Zeit auch schon ihre meisten Studien nach
Gypsen und in Öl machte. Der Aufenthalt in Como beschleunigte die
Entwicklung von Angelika’s Talenten; denn außer den Anlagen
zur Malerei trat bei ihr auch Talent und Neigung zur Musik her-
vor. Ihre Stimme besonders war von so ungewöhnlicher Reinheit,
dass sie bald hernach in den Fall kam, zwischen den beiden Kün-
sten wählen zu müssen, um es nicht mit beiden zu verderben.

Im Jahre 1754 trieb das unbeständige Schicksal den Vater Kauf-
mann nach Mailand, und diese Veränderung zog die Entscheidung
in Angelika’s Leben nach sich. In den Gallerien und den vielen
Kirchen dieser grossen Stadt sah sie zum ersten Male Kunstwerke vom
ersten Range. Statt nach Kupfern kopierte sie nun nach Gemälden,
und die jugendlichen Arbeiten der liebenswürdigen Künstlerin er-
hielten Lohn und Lob. Im sechszehnten Jahre verlor aber Angelika
hier ihre Mutter, ein Verlust, der dem Vater tief in die Seele ging.
Der Aufenthalt war ihm daher in dieser Stadt so unerträglich, dass
er den Ruf nach Schwarzenberg annahm, um die Kirche dieses
Vaterortes auszumalen. Die Tochter half dem Vater bei seiner Arbeit
und malte namentlich die 12 Apostel, nach Kupferstichen von Piazetta,
in Fresco.

Anfangs des Jahres 1763 kam Angelika zum erstenmal nach Rom,
wohin sich ihr Geist unaufhörlich gesehnt hatte. Zu den glückli-
chen Ereignissen ihres Lebens gehörte Winckelmann’s Freund-
schaft, dessen Kenntnis und Geschmack ihr bei der Gesunkenheit der da-
maligen römischen Kunst sehr förderlich war. Raphael, Michel
Angelo und die Antiken machten ihre Studien aus, die kaum durch
eine Reise nach Neapel unterbrochen wurden, wohin sie von der

Königin berufen wurde, um mehrere Gemälde in der Gallerie von
Capo- di Monte zu kopiren. Erst 1764 kehrte sie wieder nach Rom
zurück. Um nichts an ihrer völligen Kunstbildung zu versäumen,
nahm sie sich vor, nachdem sie in Rom noch Architektur studiert
hatte, die italienischen Malerschulen alle an Ort und Stelle kennen
zu lernen. Nach einem Jahre wanderte sie daher von Rom zu den
Carraccis nach Bologna, und von da nach Venedig, wo sie Titian
und Tintoretto, und besonders Paul Veronese, dessen Colorit und
Composition sie am stärksten ansprachen, mit größtem Rifer stu-
dirtte. Von Venedig aus ging sie in Begleitung der Lady Veerworth
über Paris nach London ab, wo sie 1760 ankam, und einen unge-
wöhnlich hohen Ruf erlangte. Aber trotz der glänzenden Aufnahme,
welche Angelika in London fand, war doch ihr erstes Gefühl
Sehnsucht nach ihrem Vater und Sehnsucht nach Italien. Diese
Freundschaft, der Empfang an dem Hofe von St. James, die Be-
suche der Glieder der königl. Familie, und die besondere Achtung
erlauchter Personen mussten ihr sehr schmeichelhaft sein; aber
nichts hätte sie dennoch ganz in diesem Lande zu fesseln vermocht.

Die Sehnsüchte ihres Herzens, die religiöse Richtung ihres Geistes,
und, als ihr Vater 1767 selbst nach London kam, wohl die neue
Behaglichkeit ihres ganzen Wesens, begünstigten den niederträchti-
gen Plan eines Abenteurer. Unter dem Namen eines schwedischen
Grafen, Friedrich von Horn, wusste ein Betrüger Herz und Hand
der Künstlerin zu erschleichen. Sie wurde in der Stille Horns
Gattin, ohne Wissen und Vermutung ihres Vaters. Doch bald wurde
die Heirat öffentlich bekannt und im Kurzen entschieden, dass
die Künstlerin, welche die ansehnlichsten Heiratsanträge ausge-
schlagen, das Opfer der Verführung eines Elenden geworden, der
schon eine rechtmäßig angetraute Frau besass, und als ehemaliger
Kammerdiener des Grafen Horn den Namen desselben angenommen.
Der Betrüger begnügte sich endlich nach fruchtlosen Versuchen

die Frau zu erhalten, mit 300 Pfund St., um sich aus dem Criminalprozesse zu retten. Angelica fand warme Theilnahme an ihrem Schicksale, selbst bei den höchsten Ständen. Sie sah sich durch die Aufnahme in die k. Akademie geehrt, welche eben unter Reypolds in London gestiftet wurde; ihr Leben beschränkte sich aber jetzt lange Zeit bloss auf die Ausübung der Kunst, und den Genuss der Gesellschaft der ausgezeichnetsten Menschen der Hauptstadt, Erst im Jahre 1781 verband sie sich mit dem venetianischen Maler Antonio Zucchi, der zu jener Zeit in London lebte.

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