Hasenpflug, Georg Carl Adolph, berühmter Landschafts- und Architekturmaler, geb. zu Berlin 1802. Er fühlte sich von früher Jugend an aus angeborener Neigung zur Staffelei hingezogen, konnte aber nur unter hindernden Umständen in seltenen Musse- stunden sich durch allerlei kleine Versuche vorüben, bis er endlich
— 1820 eine freundliche und erfolgreiche Aufnahme bei dem rühm- lichst bekannten Gropius fand, wo er sich vorläufig ganz der De- corationsmalerei unter der Leitung jenes wackeren Meisters wid- mete. Hier waren die Fortschritte so rasch und glücklich, dass bei der gepriesenen Decoration „die Cathedrale von Rheims“ zu Schillers Jungfrau von Orleans Hasenpflug schon recht kräftig mit- wirken konnte. Zugleich wurde dieses aber auch die folgenreiche Veranlassung, den jungen Maler auf die Bahn zu führen, wofür er bestimmt vorzugsweise begabt war, nämlich die Bahn der Archi- tekturmalerei. Er studierte nun, um zur gründlichen Meisterschaft zu gelangen, eifrig Perspektive und Architektur und führte mehrere Skizzen in Öl aus, die im Besitze des Königs von Preussen
Haslöhl.
sind. Darnach malte er eine Ansicht des Domes zu Berlin, und nun sah er sich 1824 in der Kunst bereits so weit fortgeschrit- ten, dass er als selbstständiger Künstler aufzutreten wagen durfte. Er bereiste mehrere Städte, um die bedeutendsten altdeutschen Bauwerke zu studiren, hielt sich eine Zeit lang in Leipzig und Berlin auf, und führte mehrere seiner Entwürfe in Öl aus. Das
‚erste grosse Gemälde, das jetzt aus seiner Werkstatt hervorging,
ist ein altdeutscher Dom auf einer hohen Turmtrasse, im Besitz des Herrn von Quandt in Dresden. Diesem Werke folgten mehrere Ansichten vom Erfurter Dome, im Besitze des Königs von Preus- sen, des Hrn. v. Quandt u. a. Hierauf zeichnete H. mehrere innere und äussere Ansichten des Domes zu Magdeburg, deren eine der König der Regierung zu Magdeburg, eine andere die Stadt dem General von Horn und dem Dr. Koch, und noch eine das Magdeburger Oberlandesgericht seinem Präsidenten, dem Hrn. von Grollmann, verehrt hat. Auch für den Domherrn von Ampach malte er eine solche Ansicht. Dies waren die reichen Früchte der Jahre 1825 und 26. Im Jahre 1827 begab er sich nach Halberstadt, zeichnete das Innere und Äussere des dortigen Domes und vollendete dann für den Domherrn von Ampach eines seiner schönsten Kunstwerke, die Hauptansicht des Innern des
Doms. Das Jahr 1829 brachte eine Winteransicht der Stadt Mag- deburg im grösseren und kleineren Formate, und früher malte er den Bischofsstuhl, dessen in der Berliner Kunstausstellung mit Ruhm gedacht worden ist. Dieses Bild ist im Besitz des Banquier Waguer in Berlin. Hierauf folgten noch mehrere andere treffliche
Werke: Die südöstliche Ansicht des Erfurter Doms; die Ansicht
der Stadt und des Domes zu Halberstadt; die Hauptansicht des In-
neren des Doms, ein herrliches Bild, für Dr. Lucanus ausgeführt;'
die Klusfelsen, mit einer Durchsicht auf Halberstadt; der Markt- platz von Halberstadt, ein ungemein reiches und lebensvolles
Bild u. s. w.
Hasenpflug gehört zu den vorzüglichsten Architekturmalern un- serer Zeit, wenn er D. Quaglia und Schinkel auch nicht gleich- kommt. Er hält sich mit gewissenhafter Treue an das Gegebene, sucht aber öfter das in der Natur Zerstörte, Defekte, bei seinen Darstellungen wieder zu ergänzen und die Cathedrale so vor Au-
gen zu bringen, als wäre sie kaum hundert Jahre vollendet. Jahre lang beschäftigte ihn die Idee, den Kölner Dom so darzustellen, wie er vollendet im 15. Jahrhundert dagestanden, und durch Unter- stützung des kunstliebenden Domherrn von Spiegel zu Desenberg ist diese höchst schwierige Aufgabe nun zur Ausführung gekom- men. Im Jahre 1832 sammelte der Künstler in Köln die ersten
Materialien, und von 1834–36 vollendete er das Bild. Die
äussere Ansicht, gegen sieben Fuss gross, sah man 1850 auf der Kunstausstellung in Halberstadt, und das Ganze ist sowohl in ar- chitektonischer Beziehung, als in technischer Ausführung des Ge- mäldes ein Meisterwerk, auch merkwürdig durch die Staffage.
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