Hanfstängel, Franz

Hanfstängel, Franz, berühmter Lithograph, wurde 1804 zu Bayernrain im bayerischen Hochlande geboren, und bis zu seinem zwölften Jahre blieb er in der Wohnung seines Vaters, eines Land- mannes. Jetzt kam er nach München , wo er Freunde und Gönnern fand, die ihm zur Verfolgung seines Zieles hilfreiche Hand leisteten. Besonders viel hatte er dem Professor Mitterer zu ver- danken, der zu seiner artistischen Ausbildung beitrug und sein Schicksal väterlich ordnete. Mitterer beschäftigte sich mit ganzer Seele mit der Verbesserung des technischen Verfahrens jener da- mals noch in der Wiege liegenden Kunst, und an allen seinen Versuchen konnte auch Hanfstängel teilnehmen. Mittlerweile be- suchte er die Akademie der Künste, um unter Direktor Langer die Malerei zu studiren. Er lag diesen Studien fünf Jahre ob, aber später entschied er zu Gunsten der Lithographie , die ihm auch einen ehrenvollen Ruf bereitete, nicht bloß in Bayern , son- dern auch im Auslande. Im Jahre 1835 begab er sich nach Dres- den, zur Herausgabe des Galleriewerkes in lithographirten Nach- bildungen. Dieses erscheint in mehreren Lieferungen in gr. fol. Hanfstängel ist einer der ausgezeichnetsten Lithographen, der nicht nur jedem Deutschen, sondern auch den gepriesenen Fran- zosen an die Seite gesetzt werden kann. Er ist im Besitze der vorzüglichsten technischen Mittel, und diese weiß er so verständig zu gebrauchen, dass er sowohl in der künstlerischen Ausfüh- rung, als im Drucke Ausgezeichnetes leistet. Seine Drucke zeich- nen sich durch Reinheit, Klarheit und Kraft so vortheilhaft aus, dass sie neben den besten französischen und englischen Lithogra- phen nicht nur die Probe bestehen, sondern in Hinsicht auf Harmonie wohl noch den Vorzug behalten. Dass zum guten Drucke

das technische Verfahren des Lithographen die bedeutendsten Schwierigkeiten beseitigen müsse, ist wohl zu beachten, und ge- rade in diesem Theile leistet Hanfstängel Vorzügliches. Seine Blätter gehören zu den besten Erzeugnissen der Lithographie, so- wohl die historischen Stücke, als die Bildnisse, denen er vollkom-

Das Bildnis des Bischofs Mich. von Sailer nach dem Gemälde
des Grafen A. von Seinsheim, 1826.

Die Bildnisse der k. Prinzessinnen von Bayern: Maria, vermählte
Königin von Sachsen, und Sophie, vermählte Erzherzogin von
Österreich, nach Stieler’s lebensgrossen Figuren, von
frappanter Aehnlichkeit.

Otto II., König von Griechenland.

Einige Bildnisse für das Werk: Bildnisse, ausgezeichneter Gri-
chen und Philhellenen etc. Nach der Natur gezeichnet und
herausgegeben von K. Krazeisen, 1828.

Verschiedene andere Porträts ausgezeichneter und landerer Per-
sonen in München, nach der Natur lithographirt, von
grosser Aehnlichkeit und durchgängiger Klarheit. des Korns.

Die Vermählung der hl. Katharina; nach R. von Langer, 1827
für die Mitglieder des Kunstvereins in München bestimmt.

Mehrere Blätter im Galleriewerke des Herzogs von Leuchten-
berg; unter dem Titel: Auswahl der vorzüglichsten Gemälde
der herzogl. Leuchtenbergischen Gemäldegallerie, herausgege-
ben von der literarisch-artistischen Anstalt der J. G. Cotta-
Buchhandlung. Im ersten Hefte vom 1834 ist die liebliche
Madonna von Murillo, eine vollkommene Nachbildung un-
sers Künstlers. Diese herrliche Madonna, die bei sehr port-
raitartigen Zügen doch etwas unbeschreiblich Ideales hat, ist
seit dieser Zeit mehrmals lithographirt worden.

Die italienischen Pilger, welche Rom erblicken, nach einem
kleinen Bilde von Hess, 1832 für den Kunstverein in Mün-
chen lithographirt.

Die berühmte Madonna d. S. Sisto, Rafael’s Meisterstück in
der Dresdener Gallerie, in der Grösse des Müllet’schen Ku-
pferstiches für die F. Ebner’sche Kunsthandlung in Augsburg
lithographirt. Man sieht auf diesem Blatte die Vergrösserung
des Bildes nach Palmaroli’s Restauration, den oberen Theil
der Draperie.

Die büßende Magdalena, Murillo’s Bild, in welchem der fromme
Schmerz unendlich rein ausgedrückt ist, wo die ganze Seele
in dem Blicke der demütigeren Betterin schwebt. Das Blatt ist
in der Grösse des Stiches von R. Morghen, und ein ausge-
zeichnetes Werk.

Der Fischer nach Göthe, von Hansotz gemalt und von Hanfstängel
1834 in verkleinertem Maassstab für den Kunstverein litho-
graphirt.

Lionia Anton von Sachsen auf dem Sterbebette nach der Natur
gezeichnet.

Die Gebrüder Wilhelm und Jakob Grimm, nach der Natur ge-
zeichnet von Ludwig Grimm, 1835 lithographirt.

Die Himmelfahrt Mariä, nach G. Reni, folg.

Christus mit der Dornenkrone, nach demselben, grosses treff-
liches Blatt.

Die vorzüglichsten Gemälde der k. Gallerie in Dresden, nach
den Originalen auf Stein gezeichnet. Herausgegeben von F.
Hanfstängel, in Heften, gr. fol.

Diesem Werke kommen alle Vortheile zu gut, derer sich die
Lithographie durch lange Übung und vielfältige Versuche all-
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mählig bemächtiget hat. In den Nachbildungen herrscht die grösste Treue und Wahrheit, Ausgezeichnet sind: die Klavierspielerin nach Netscher, und der Wildprethändler nach G. Metzu, beide von Hanfstängel lithographirt. Nicht minder schön ist der Zins- groschen nach Titian und der hl. Sebastian nach Correggio; mei- sterhaft sind aber immer die Nachbildungen niederlandischer Ge- mälde, worin es Hanfstängel bisher am weitesten gebracht hat. Im Kunstblatt 1836 S. 426 heisst es, dass es bis jetzt keinem Litho- graphen in demselben Maasse gelungen, mit dem allgemeinen Ef- fekt, dem Zauber des Heildunkels, und der feinen Charakteristik seines Originals auch den eigenthümlichen Vortrag, das Glatte oder Markige, Leichte oder Lae*be des Pinsels vermittelst der li- thographischen Kreide kenntlich wiederzugeben, und mithin, so

weit es nur immer die Abwesenheit der Farbe gestattet, den Mei- ster in seiner völligen Eigenthümlichkeit vor uns erscheinen zu lassen. Im dritten und vierten Hefte sind G. Terburg’s Dame im Atlaskleide, die Bauernschenke nach A. Ostade, die Wildpret- hündlerin von G. Metzu und der Schreibmeister von G. Dow. Alle Blätter dieses Galleriewerkes sind nicht von Hanfstängel ge- zeichnet. Verschieden davon ist die Sammlung von Lithogra- phien nach den vorzüglichsten Gemälden der k. Gallerie zu Dres- den, gezeichnet und lithographirt von den berühmtesten Dresd- ner und Pariser Künstlern, von Wunder in Leipzig begonnen und durch Dr. Meissner unter dieser Firma fortgesetzt. Das For- mat ist weit grösser, als das von Hanfstängel.

Die Münchner Lithographie hat sich also bereits durch grosse Werke bewährt. Sie zollte der Geburtsstadt ihren Tribut durch die prachtvollen Werke über die Münchner und Schleissheimer Pinakothek; sie vervielfältigte die Leuchtenbergische, Buisserce- sche und Speth’sche Sammlung; und durch Hanfstängel wendete sic sich auch den Meisterwerken in Dresden zu.

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