Hamilton, Gavin

Hamilton, Gavin, berühmter Maler, ebenfalls ein Schotte, der zu Lanark geboren wurde. Er fühlte schon in früher Jugend Nei- gung zur Kunst, und dieser konnte er in Rom in vollem Maße nachhängen. Hier lebte er die größte Zeit seines langen Lebens und nur auf kurze Zeit besuchte er das Vaterland. Er starb auch in Rom 1707, zu jener Zeit, als die Franzosen einrückten, wie man sagt, aus Furcht wegen möglicher Beraubung. Hamilton war reich geworden, teils durch den Ertrag des Kunsthandels, teils durch den Verkauf eigener Werke.

In Göthe’s Winckelmann heißt es, dass dieser Künstler darum unser dankbares Andenken verdiene, weil er das Mangelhafte, Beschränkende der sonst gewöhnlich dargestellten, historischen, aller gorischen oder aus der christlichen Mythe geschöpften Gegenstände eingesehen und sich dafür vornehmlich an die homerischen Dicht- ungen gehalten hat. Auf ähnliche Weise urteilt auch Fiorillo (Gesch. d. M. in England V. 781). Dieser Schriftsteller nennt Ha- mil ton einen der ersten, die sich eine neue Bahn öffneten, indem er den beschränkten Kreis abgenutzter Gegenstände der christlichen Religion verließ. Dass die Malerei innerhalb der Gränzen der Religion sich nicht so beschränkt fühlte, als man damals glaubte, beweisen die Leistungen dieser Art, welche in den letzten Jahren in Deutschland zum Vorschein kamen, und diese Erzeugnisse offenbaren nicht weniger Reichthum der Ideen, als die zu jener Zeit hoch gepriesenen Darstellungen aus der Götterwelt und dem homerischen Sagenkreise. Zu Hamilton’s Zeit fing man an, der Antike das volle Augenmerk zuzuwenden, und man erfreute sich in Folge dieses Studiums einer schöneren Form, so wie einer größeren Correctheit der Zeichnung; man verstand es aber noch nicht, das Leben nach allen Seiten hin zu durchdringen und es in seiner Ruhe oder im Kampfe mit der Leidenschaft zu erfassen. Insofern hat Hamilton der Kunst keine weiteren Grenzen ge- zogen, sondern sie nur aus der einen in eine andere Sphäre ver-

setzt, ohne ihr in der Wesenheit ‚.von größerer Hülfe zuseyn; Er gehört der steinernen Epoche der Kunst an, wo man gemalte Sta- tuen ohne Leben anstaunte. Indessen hat auch Hamilton einige frühlingene Proben eines geistreichen Ausdruckes geliefert. Im Co- lorit behauptete er immer eine untergeordnete Stelle, und hierin, so wie im Technischen, kommt er dem Mengs nicht bei. In der Auordnung hingegen ertheilt ihm die Mitwelt grösseres Verdienst, als dem angebeteten Mengs, und Einige sagten, es fehle dem Gavin Hamilton überhaupt gar nichts, als eine erträgliche Färbung, um ein vollendeter Künstler zu heissen.

Wir haben von ihm eine bedeutende Anzahl von Werken, wel- che Cunego, Morghen und andere berühmte Künstler in Kupfer gestochen haben. Mehrere kamen in die Sammlung des Herzogs von Hamilton; und in jene des Lord Hopetoun. Die berühmten Bilder dieses Künstlers sind: Achilles über der Leiche des Patro- klus, und dieser, wie er allen Trost der Führer des Heeres ver- schmäht; Andromache den Tod Hektor’s beweinend; Helena und Paris. – Wir haben von ihm eine ganze Reihe von Compositionen aus Homer, die ihm nicht unverdienten Beifall erwarben, und viele Künstler schlugen denselben Weg ein.

Man hat ein berühmtes Werk, welches dieser Künstler heraus- gab, und dessen Blätter von A. Capellan, C. Tinti, J. Volpato u. a. in Kupfer gestochen wurden. Es ist dieses die Schola ita- lica picturae, sive selectae quae jam summorum e schola italica pictorum tabulae aere incisae. Romae 1773, 41 Blätter. gr. fol.

Die Fortsetzung dieses Werkes, in 40 Blättern, erschien 1806 zu Rom in Folio, unter dem Titel: Schola italica artis pictoriae, sive tabulae insigniores in romanis pinacothecis adservatae, tabulis aere incisis nunc primum editae, sumpt. P. P. Montagnani – Mirabili.

Schließlich bemerken wir noch, dass Hamilton in Rom nach Alterthümern graben durfte. Er brachte viele schöne Kunstwerke zusammen, die er vortheilhaft verkaufte.

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