Haller von Hallerstein, Carl Freiherr, Architekt von Nürn- berg, ein Mann, dessen Name sich an wichtige Entdeckungen knüpft. Von Liebe zur Kunst getrieben, ging er 1808 nach Rom, um die grossartigen Überbleibsel einer herrlichen Kunstwelt zu schauen und den Geschmack durch das Studium derselben zu bil- den; Es war dieses zu jener Zeit, als sich in Rom Baron v. Sta- ckelberg, Ritter Bröndsted, M. J. Linkh, G. H. Koes zu einer wissenschaftlichen Reise nach Griechenland vorbereiteten, und diese schloss sich auch Haller an, da er sich schon lange sehnte, Griechenland und seine Monumente zu sehen. Diese beiden For- scher verfolgten mit Enthusiasmus ihren Zweck, und ihnen war es vorbehalten, die Jahrhunderte vom Schutt bedeckten ägyptischen Statuen vom Tempel des Zeus Panhellenios und die Bildwerke des Apollotempels zu Bassä in Arkadien zu Tage zu fördern. Die erstern zieren jetzt die königl. Glyptothek in München und die letzteren kamen nach England .
Diese Reise war mit grosser Schwierigkeit verbunden, und zweien von diesen hegeisterten Kunstforschern kostete sie das Leben. Koes und Haller von Hallerstein fanden in Griechenland ihr Grab, letz- terer 1817 zu Ampelakia am Fuße des Ossa, Haller war der unverdrossenste Gefährte und mit ganzer Seele den Freunden hingegeben, zu denen sich 1810 in Athen auch der Architekt Co- ckerell und J. Foster gesellten, Haller’s und Cockerell’s Unternehmungen waren besonders in architektonischer Hinsicht von grosser Wichtigkeit, und ihren Nachforschungen verdanken wir die Aufgrabungen des Tempels in Aegina, und jenes zu Bassä bei
Haller, Johann. 525
wichtigen Anteil, und so äußerte er, dass dieser unergründliche
schönsten der alten griechischen Kunst gehören. Bayern findet sich
besonders dem König Ludwig verpflichtet, und Haller besorgte
die großartigen Aufträge desselben, 28a dr @
Haller war ein edler Mann, der bei ungewöhnlichen Kenntnissen
keine Aufopferung zu groß fand. Ihm verdankte Baron Stackelberg
auf Negroponte die Rettung aus Todesgefahr. Ritter Brönsted
spricht in der Vorrede zu seinem Werk „Voyages dans la
Grèce, accompagnés de recherches archéologiques etc.“ mit warmer
Theilnahme von diesem Künstler. Baron Stackelberg gab ein Werk
über den Apollotempel in Bassä heraus, S
Maler, Johann, Bildhauer, geb. zu Innsbruck 1792, gest. zu München
- Dieser treffliche Künstler, der leider schon in der Blüthe
der Jahre seiner rühmlichen Bahn entrissen wurde, lernte anfangs
bei seinem Vetter Joseph Wipper zu Imst die Kunst des Holzschnitts,
und kam dann, nachdem er noch bei Renn einige Jahre
gearbeitet hatte, im Jahre 1810 nach München zum Bildhauer
die Aufmerksamkeit der Professoren und selbst
schöpf. Hier bildete er sich im Zeichnen aus und in kurzer Zeit
entwickelte sich sein ungewöhnliches Talent für die Plastik. Als
Zögling in die königl. Akademie aufgenommen, lenkte er bald
die Aufmerksamkeit des Kronprinzen Ludwig, des hohen Beschützers
der Kunst, auf sich. Nach drei Jahren gewann er den Preis mit seinem
Theseus, welcher den Felsen aufhebt, um unter ihm die Sandalen
seines Vaters zu finden. Zugleich erhielt er von Sr. Majestät
dem Könige mehrere Bestellungen; unter andern wurde ihm aufgetragen,
die Figuren an dem Krönungswagen zu machen, die er zur allgemeinen
Zufriedenheit ausführte. Im Jahre 1817 erhielt er vom Kronprinzen Ludwig,
der jetzt mit Rulm den Thron seines Vaters bestieg, den Auftrag,
die colossalen Statuen in die Nischen an der vordern Seite
der Glyptothek in München zu verfertigen. Um dieselbe Zeit
führte er das Kind auf dem Delphin in Sandstein aus, welches im
hönl. Hofgarten zu Nymphenburg aufgestellt ist, dazu die bei-
den Caryatiden an der Königsloge in dem neuen königl. Hof- und
Nationaltheater, S
Im Jahre 1818 übertrug ihm König Ludwig auch die Bild-
gruppe für das Giebelfeld der prachtvollen Glyptothek in München
zu verfertigen, mit der Bestimmung, dass Haller diese Arbeit in
Zeit von fünf Jahren in Rom ausführen, und dadurch Gelegenheit
erlangen sollte, seine Ansichten durch Betrachtung der plastischen
Kunstwelt in jener Hauptstadt alter und neuer Sculptur zu reinigen,
und seine Bildung in der Nähe der ersten Bildhauer unserer
Zeit zu vollenden. S
Im März 1810 kam er in Rom an, und führte zuerst zwei co-
lossale Figuren für die Nischen der Glyptothek aus, die von den
sechs ihm früher übertragenen noch mangelten. Um dieselbe Zeit
führte er auch mehrere Büsten, sowie die kleinen Modelle für
das Giebelfeld der Glyptothek aus. Indessen nötigten ihn seine
kränklichen Umstände in die Heimath zurückzukehren, wo er 1823
die ersten im Brande des Theaters untergegangen waren; mehrere
colossale Büsten berühmter Männer, verschiedene andere Arbeiten
für öffentliche Gebäude und noch drei colossale Figuren für das
Giebelfeld fertigte. Allein der Künstler genas auch im Vaterlande
nicht, sondern starb im 33. Jahre eines Lebens, das durch die ra-
schen und schönen Erfolge weniger Jahre zu den grössten Hoff-
—__ mungen berechtiget hatte. e
In Haller’s Arbeiten ist der Geist der reinen und grossen Plastik, wie er im Alterthume waltet. Treu der Natur in Aufl‘assung des Individuellen, fleissig in der Ausführung, erhebt er sich fast in allen seinen selbstständigen Werken zu eigenthümlicher Ansicht, und weichet nirgends aus dem Schranken, welche der zu dem Schönen
9 _ durch das Bedeutsame strebenden Plastik gezogen sind. Nicht ge- ringer ist seine Fähigkeit, jedem seiner Erzeugnisse den ihm zu- kommenden Charakter zu ertheilen, und wenn der in das Gewal- tige gehende Styl seiner Büsten den für das Heroische geschaffenen Künstler beurkundet, so zeigt die Behandlung mehrerer Reliefs, z. B. auf jenem in der königl. Glyptothek, welches den Sturz der Giganten darstellt, die Figur der um ihre Kinder trauernden Gäa, dass ihm der Ausdruck des Zarten nicht weniger eigen war.
Seine bedeutendsten Werke findet man im Jahresberichte des Kunstvereins in München 1827 verzeichnet. Darunter sind:
Die Büsten des Fürsten Wrede und des Direktors Langer, erstere in Marmor, letztere in Gyps.
Die Büste Wilhelm III. von England für die Walhalla in Marmor.
Der leidende Philoctet, colossale Statue in Gyps.
Die colossalen Statuen des Hephästos, Prometheus, Dädalus und Phidias für die Nischen an der Facade der Glyptothek.
Diese Werke verfertigte er vor seiner Reise nach Italien; in Rom:
Die colossalen Bildsäulen von Perikles und Hadrian in die Nischen jener Facade.
Pallas Ergane, für das genannte Giebelfeld.
Büste S. M. des Königs Ludwig, nach Thorwaldsen, und einige andere.
Nach seiner Rückkehr aus Italien:
Das Basrelief über dem linken Theil des Bogens über dem Haupt- thore der Reitschule, den Kampf der Lapithen und Centauren vorstellend, nach dem Modell von M. Wagner. (Lazzarini führte den rechten Theil aus.)
Das Basrelief im Göttersaal der Glyptothek über dem Olimpus, den Sieg des Jupiters über die Giganten vorstellend, nach der Zeichnung von Cornelius, in Gyps.
Modelle zu den Caryatiden und den Victorien im neuen Theater,
Ein Modell zu einer colossalen Victoria für den kunstliebenden
Grafen von Schönborn.
Drei colossale Bildsäulen zu der Gruppe für das Giebelfeld der Glyptothek, den Bronzegiesser, den Bildhauer und den Modellirer vorstellend.
Colossalbüste des Grafen Görz.
Verschiedene andere Büsten in Gyps: wie die von Theophrastus Paracelsus, Capellmeister von Winter, Frauenhofer, Westenrieder, Klenze, Cornelius, Pfarrer Schmid.
Seine Modelle für die Bilder des Giebelfeldes der königl. Glyptothek, nach M. Wagner’s Composition, wurden von Schwanthaler, Bandel, Mayer und Leeb in Marmor ausgeführt, nur ist zu bemerken, dass sie zum Theil umgearbeitet wurden.
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