Haldenwang, Christian, berühmter Kupferstecher , geb. zu Durach 1779, gest. zu Rippoldsau 1831. Die erste Zeit seines Lebens teilte er mit den Schulstudien und dem Acker- und Weinbau, bis er endlich aus der Zeichenschule seines Geburtsortes in die artistische Anstalt des zu seiner Zeit berühmten Ch. Mechel in Basel überging. Er lebte fünf Jahre in diesem Institute, entblößt von den Mitteln, welche seine künstlerische Ausbildung fördern konnten; denn jene angebliche Kunstschule war nur eine Fabrik, welche durch ihre Erzeugnisse die Kassa des Unternehmers füllen musste. Seine Muster waren französische Blätter oder Mechel’sche Fabrikstücke, und das Beste, was er damals sah, waren Ansichten von England , Schottland und Irland , welche das Haus
Haldenwang, Christian.
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Middiman an Mechel schickte. Haldenwang studierte nun diese Blätter und danach auch die Woollet’schen, die ihm zu Gesicht kamen. Dass der junge Künstler den Woollet zum Muster nahm, war gerade keine Empfehlung bei Mechel, und dieser nannte da- her seinen Zögling einen Huteisenmacher, als er die starken Tail- len des Vorgrundes der Platte mit der Ansicht der St. Morizbrücke gab. Doch Haldenwang liess sich nicht irre machen, in seinen Studien fortzufahren, und endlich nahte die Erfüllung des zehn- jährigen Lehrcontraktes. In der letzten Zeit machte er auch Ver- suche in der für seine Gesundheit so nachtheiligen Aquatintamanier. Seine Bestrebungen hatten einen glücklichen Erfolg, und ei- nige wohlgerathene Arbeiten dieser Art verschafften ihm 1796 ei- nen Ruf nach Dessau, wo damals der chalkographische Verein bestand. Zu jener Zeit lebte er glücklich, und er fertigte dort viele und schöne Blätter in Aquatintamanier, in welcher er bereits eine besondere Fertigkeit erlangt hatte, die sich in der Folge noch steigerte. Nach acht Jahren berief ihn sein Landes- fürst, Karl Friedrich, als Hofkupferstecher nach Karlsruhe, wo er fortan lebte und arbeitete, sowohl mit dem Grabstichel als mit der Nadel. In den Jahren der französischen Herrschaft musste er viel für Buchhändler arbeiten. Zu jener Zeit stach er die schönen An- sichten im Rheinischen Taschenbuch und die zwei meisterhaften Blätter in Prinz Maximilian’s von Neuwied brasilianischer Reise. Die Graimberg’schen Ausichten von Heidelberg hat er nicht bloß gestochen, sondern auch ihre geschmacklosen Zeichnungen durchaus umgearbeitet. Auch zum Musée Napoleon hat er vier schöne An- sichten geliefert u. s. w.
Haldenwang’s Muster in der Stecherkunst, besonders in der letzten Zeit, war Woollet, und diesen hat er, nach dem Urtheile von Kennern, in Absicht auf Harmonie und weise Mässigung in der Behandlung übertroffen. Die kraftvolle Wirkung und die täuschen- den Künste der Mechanik jenes Künstlers scheint er absichtlich verschmäht zu haben. Als Landschaftsstecher behauptet Haldenwang einen hohen Rang. Er vereinigt Kraft mit Anmut und das freie malerische Spiel mit der zartesten Vollendung.
Hauptblätter dieses Künstlers sind:
Die vier berühmten Landschaften des Claude Lorrain, unter dem Namen der Tagszeiten bekannt, jetzt in der Gallerie zu Cassel, jetzt in der Eremitage zu St. Petersburg. Der Stecher hat hier das Hauptbestreben auf das zauberische Spiel der Lichter gerichtet, welches uns in Claude’s Werken, zumal in den Tagszeiten, so wunderbar ergreift. Auch auf die For- men hat er grosse Kunst und Sorgfalt verwendet. Im Jahre 1829 wurde dem Künstler dafür die Preismedaille zu Theil. Jedes Blatt kostet 6 Th. 10 gr.
Die Landschaften nach Claude und Ruysdael, für das Musée Napoleon gestochen. Diese beiden Blätter gehören zu den besten, die je nach jenen Meistern gefertiget wurden. Die reichen dichterischen Gegenden Lorrain’s und die einsamen Waldscenen des Niederländers hat der Künstler hier mit gleicher Liebe und Treue aufgefasst. Seine Luft, sein Baumschlag, seine Gründe haben den Ton der Natur, und dem Wasser wusste er Bewegung und Durchsichtigkeit zu geben.
Die Flucht in Aegypten, nach Elzheimer, für das florentinische Galleriewerk.
Weiber, die aus dem Bade gehen, nach Bolognese, für das- selbe Werk.
Der Seesturm, in Neuwied’s brasilianischer Reise, ein treffliches Blatt.
Jedem Landschaftsblatt, dem Diogenes, nach C. Poussin
französisch gezeichnet, „ein m. q. d. =“ £nnlc
2ia x»ausgef“uhrtes
“ Der Wasserfall nach R. dael, das letzte Blatt x}ea Wmfl$,
„‚‚welches er unvollendet ließ. Der Wasserfall
mit dem Felsen im Vordergrunde, ist meisterhaft vollendet. Nur
in einer Stelle, so wie in der Luft, fehlt noch jede letzte
Schattierung.
„1521/0 vollendeten Platte wurden ungefähr 200 Abdrücke
3 007 yund: dann: Hat sie Schnell, ein tüchtiger Schüler von Halden-
wang, vollendet.
Haldenwang hat außerdem noch verschiedene andere
Blätter gefertigt.
. ( Ansichten von Grindelwald, noch in Farben geätzte Blätter
in Linienmanier, bei Mechel ausgeführt,
Die Brücke St. Maurice, Gegenstück zum Rheinfall von
Gmeinal, in Mechel’s Offizin.
„Der Rheinfall in Graubünden, nach Heu, das letzte Blatt in
Mechel’s Anstalt.
„Die heimkehrende Heerde, nach Cl. Lommi, mit Dedewitz an
eysrn sämtlichen Churfürsten von Sachsen. Im ersten Drucke: vor der
Schrift. 9 Thl.
80 Ausncht vom Kloster Marua Stern und Canfenz Soloßmrn, nach
471 N Birrmann geätzt, Dessau 1708.
10 d Due, Ansicht der Tell’s Kapelle, nach Birrmann. Erboxdmelbst.
o1l, Das Thal Oberhasli mit dem Dorfe Meyringen (Dresden, 1798.)
<! Die Cascatellen bei Tivoli, nach Reinermann.
Ansicht des Jungfraufjords im Lauterbrunnenthal nach Wonher.
19297 L Aquatinta.
ad .0 Ansicht des Wasserfalls und der Mühle bei Ragatz in Graubünden,
„eölul4 4 item, nach Wocher, Aquatinta.
„ı Der Wasserfall der Aar im Canton Belp, nach Birrmann, Aquatinta.
„ı Des Schiffbruch, nach Vernet, geätzt.
30 f —.Der Wetterschlag nach Ilackert, ül Ia u
„ Ansicht von Dessau und Wörlitz, Aquatinta.
„ Auch diese Blätter sind in Dessau gefertigt.
‚Ansichten von Oliva, vom Muyrgthal und von Karlsruhe.
Ansicht der Münchner Gebirge, nach Molitor,
Hin Sulukler s Denkmal, nach Mechau und Jdmsky, Aquatinta, 1807,
Vor ?qt Schrift 8 Thl.
. Denkmal auf Rant, nach Genelli, Aquatinta fol.
Der Tempel des Sylyan, nach Wehle’s Zeichnung, Aquatinta.
Nach Wehle hat der Künstler sächsische Landschaften
herausgegeben, und selbe dem Fürsten von Schwarzburg
gewidmet.
1.UADQ1’ Schweizerberg an der Elbe nach Wehle.
Ansicht der Bergstraße von Tirol nach Vorarlberg.
„spiritu Ansicht der Dlueminger Gebirge, nach Molitor, und das
„9.1 Ir stück, Aquatinta.
„ Farnsburg im Canton Belp Lavsmamer.
„ Kilusenstein, die Ruine im Wald, das Schloss Starkenberg.
Der Knabe mit der Meere, auf dem Horn blasend, nach
Potter, 12.
„ Acht Ansichten aus dem Garten in Schwäbisch Gmünd.
Erste allgemeine Ansicht des Schlosses, der Stadt und des Thales
von Heidelberg.
Zweite allgemeine Ansicht des Schlosses etc.
Erste und zweite innere Ansicht des Schlosses.
Diese Blätter und noch andere sind nach den erwähnten Zeich- nungen des Ch. de Graimberg gefertiget. Mehrere Ansichten um Danzig, in Tuschmanier, nach Hinkel’s Zeichnungen, Die Blätter in der Voyage pittoresque de Basle & Bienne, nach Biermann’s Zeichnungen, Ansichten von Schlesien, nach Nothe, Aquatinta,
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