Hackert war ein rechtschaffener Mann, offen und redlich

Hackert war ein rechtschaffener Mann, offen und redlich, fremd allen Ränken. Seinen Brüdern war er Vater, Lehrer und Gönner. Seine Gemälde sind zahlreich und viele auch durch Kupferstiche bekannt, die viel gekauft und vergessen wurden. Zu seiner Zeit wurde ihm die Krone der Landschaftsmalerei zuerkannt, aber diese wurde ihm in neuerer Zeit vom Haupte genommen, da der Landschaftsmaler noch eine höhere Aufgabe erkannte, als die bloße Vedute, welche Hackert so sehr in Aufnahme brachte. Dennoch hat er unlösbare Verdienste. Er führte diese, seit Claude Lorrain verirrte, Kunst wieder auf die Natur zurück, und letztere fasste er in einzelnen Teilen meisterhaft auf. Er ahmte sie nur im abge- rissenen Stücken nach, ohne ihren Geist im Ganzen zu ergreifen. Den Pinsel führte er mit Meisterschaft, und nur eine ausseror- dentliche Leichtigkeit und Sicherheit konnte es ihm möglich ma- chen, eine sehr grosse Anzahl von Öl gemälden, die vielen Goua- chen und beinahe unzähligen Sepiazeichnungen zu liefern, die in den Sammlungen von ganz Europa zu finden sind; Er behandelte indessen nicht alle seine Werke mit gleicher Sorgfalt, doch sind die nachlässigen wirklich zu den Seltenheiten zu rechnen; Seine Projekte sind mit Menschen und Thieren staffirt, so wie sie der dargestellten Gegend eben angehören; heroische Figuren wählte er selten. Seine Bilder sind in ihren Teilen treue Copien der Natur, doch wusste er diese nicht zu einem großen geistigen Ganzen zu vereinigen; er wusste den Sinn und Charakter, der sich in gewissen Gegenden ausspricht, nicht durchgreifend zu er- fassen. Es fehlt seinem Colorite an Harmonie, und während er Berge, mittlere Entfernungen oft mit ausserordentlicher Wahrheit darstellt, so erschöpft er die Palette in den Vorgründen wieder fruchtlos. Daher kam es, dass in seinen späteren Werken das Bunte nicht immer glücklich vermieden ist. Er ist auch nicht von Härten frei, wozu ihm das Streben verleitete, die Natur recht treu darzustellen.

Ein genaues Verzeichnis von Hackert’s Bildern zu geben, wäre wohl mit grossen Schwierigkeiten verbunden. Viele sind von den Franzosen aus Italien geschleppt worden. Neapel und die könig- lichen Schlösser hatten die meisten aufzuweisen. Grossen Beifall fanden jene, welche in das Haus des dänischen Generalkonsuls Heigelin kamen. Die erwähnten Bilder, welche die Kaiserin Ca- tharina verfertigen liess, sind noch wohlbewahrt. Die Bilder, welche sich von Hackert in Berlin befanden, wurden vor der Schlacht von Gross-Berken nach Königsberg in Sicherheit ge- bracht. Das 1814 herausgegebene Verzeichnis beschreibt 61 Stüc- ke, von denen einige aber nicht von unserm Künstler sind.

Verzügliche Bilder von Hackert bewahrte das Museum des Cas- par Weiss in Berlin, wie die Ansicht des Klosters Vallombrosa, zwei Ausichten von Pisa etc.

Schliesslich müssen wir noch bemerken, dass Hackert auch ein- ige Blätter radiert habe.

Gegenden aus Frankreich, Pommern und der Insel Rügen. 36 Blätter, 1763, 64—656 oder 67. 4.

Sechs Gegenden aus Schweden, 1766. H. 5 Z. 1 L., Br. 7 Z.

Eben so viele aus der Normandie. H. 4 Z. 6 L., Br. 7 Z. 2 L.

Vier neapolitanische Ansichten, zwei von Vietri, La Cava, So- rento, Rom 1779. H. 15 Z. 6 L., Br. 12 Z. 8 L.

Nach ihm stach sein Bruder Georg, Gmelin, Dunker, Eichler, Volpato, Lorieux, F. Murel, J. Aliamet, J. L. Lacroix etc.

„Al 7Dand hät man von ihm ein Sendschreibehi an defi- R:fler 'Hamit-
d "i"am‚h Deutsch von Reischl, Dresden 41800. * ‘
Theorehsch-pral«.hsche Anlextun«* zum Lanäscßaf’szeu:huen. 2'Hefte‚
‚* *'qu. fol. Nurnberg 1803 - ' J U
Göthe hat seine Biographie geechncbet&, während er den Braven
‚Cärstens kaum kennen wollte, obgleich Letzterer ungle1ch gros-
sere Verdieuste besass , als HackerL W d

NOCI{PPIT Johann Gottlieb Landschaftsmaler und Bruder des
bcruhmten Philipp., wurde 174‚«’; geboren und, von Le Sueur zu
Berlin in der Kunst nntergichtet. Später (1766) reiste er zu sei-

‚ .fimem Bruder nach Paris, und hier führte er mehrere Zexchnungen‚

  • die Philipp zu Ivri für den Bischof von Mans gefertiget.hatte, in
    Gemiälden aus.. Auch mit Gouachegemälden fand er zu jener Zeit
    in Paris Beüall Im Jahre 1768 begaben sich beide Brüder nach

: Italien, wo _ sie eme bedentende Anzahl Studien “ machten. Auf
v.elchc Weisc er in Rom seine Zeit hingebracht, ist im Archcl

; . seines Bruders zu lesen, und auch über diıe Beschäftigung‘ in Nea-
pel. Im Jahre 1772 ging Johann mit vielen von Engländern be-
stellten: Arbeiten ' nach- London; und der allgemeine Beifall, den
diese Bilder, fanden , machte Hofi'mmg zu weitern ;ahlre:chen Auf-

‚ trägen ;: allein die; Gasunc\hmt des Künstlers war schwach und zu-
; Jetzt erlag er in Bath_dem Tode, noch nicht 20 Jahre alt. Sein

' .. grosses, Taleıgt würde:; ihn. dem Bruder an die Seite ge;etzt kaben. -

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