Hackert, Jakob Philipp. ‚Des Erbprinzen Ludwig von Hessen-Darmstadt. Dieser ältere Hackert

Hackert, Jakob Philipp. ‚Des Erbprinzen Ludwig von Hessen-Darmstadt . Dieser ältere Hackert, *st. in Berlin , 1768. Auch der Großvater unseres Künstlers war Maler unter Friedrich Wilhelm I., dessen Enkel; aber musste sich dem geistlichen Stande widmen. Allein Philipp Hackert sollte den Ruf des ersten Landschaftsmalers seiner Zeit genießen. Ihn zog kein Studium an, das nicht mit der Malerei in Verbindung stand, und schon in seinem elften Jahre kopierte er das Bildnis des General Ziethen zu Pferde in Öl; Auch Blumenstücke malte er zu jener Zeit, bis ihn zur weiteren Ausbildung der Vater 1753 nach Berlin schickte. Hier stand er unter Aufsicht seines Onkels, eines Decorationsmalers, der auch Tapeten malte; ein Kunsttreiben, das den jungen Künstler eben nicht förderte. Nach zwei Jahren drang endlich der Bildhauer Glume in ihn, sich vollerern Gegenständen der Kunst zu widmen. Jetzt machte er fleißige Studien nach Claude, Swaneveld, Moucheron, Berghem u. a.; er wendete sich aber auch an die Natur, und so brachte er drei Jahre in stille Ruhe hin. Die Früchte dieser Studien kamen ihm in siebenjährigen Kriege französische Offiziere ab, die damals als Kriegsgefangene in Berlin lebten, und mit seiner kleinen Summe verschaffte er sich die Mittel zu ferneren Studien. Er stand mit dem Direktor Le Sueur, Gleim, Ramler, Sulzer in Verbindung, und diesen Männern hatte er vieles zu verdanken.

Im Jahre 1762 trat endlich Hackert eine Reise nach Stralsund an, wo er im Hause des Baron Olthoff Aufnahme und Beschäftigung fand. Auch wurde ihm Gelegenheit zu Theil, die Insel Rügen und Stockholm zu sehen, wo er überall eifrige Studien machte; Zeichnungen und Porträts ausführte; von letzteren eine grosse Anzahl in schwarzer Kreide. Im Jahre 1765 begleitete Hackert den Neffen des Barons, den B. A. Dunker, nach Paris, doch fand es ihm hier nicht lange und er suchte daher in der Normandie eine grossartigere Natur auf. Zu jener Zeit liess durch ihn der Bischof von Mans mehrere Gegenden seines Landsitzes in Aufnahme, an denen auch Joh. Gottlieb Hackert Anteil hat. Einen andern Erwerb fand der Künstler durch kleine Gouachegemälde, welche damals in Paris Mode wurden und den Ruf des Künstlers begründeten. Die Studien dazu sammelten die beiden Brüder auf Reisen in der Normandie und Picardie. In Paris erhielt er auch den Auftrag, J. Vernet’s berühmte Bilder: La tempête und Les baigneuses (gest. v. Balechou) zu kopieren, was er zur vollkommenen Zufriedenheit bewerkstelligte; doch schnitt ein Neider den Sturm mit einem Messer durch, als die Bilder nach Aix eingepackt wurden; der Schaden wurde aber wieder glücklich ausgebessert. So verbrachten die Brüder drei Jahre in Tätigkeit und jetzt wurde der Wunsch in ihnen rege, die italienische Natur zu schauen. Sie machten in den französischen Gegenden, die sie durchzogen, noch immer sorgfältige Studien, und endlich gelangten sie über Livorno, Pisa und Florenz in Rom an. Hier setzten sie in der französischen Akademie ihre Studien fort, benutzten vorzüglich die berühmte Gallerie der Carracci im Palazzo Farnese, und im Frühjahr bereisten sie mit Sergel und Callais die Umgegend Roms. Nach ihrer Rückkehr malten sie kleine Landschaften in Gouache und auch Zeichnungen führten sie aus; Arbeiten, die alle der Lord Exeter kaufte. Dann malten sie für den Lord die Ansicht der Peterskirche und hierauf mehrere Bilder der herrlichen Gegend von Tivoli. Philipp malte hier den berühmten Wasserfall. Die Anzahl der Werke, welche die Künstler in der Romagna fertigten, ist bedeutend, sowohl Zeichnungen als Gemälde, deren sie die meisten nach der Natur ausführten.

d. Hackert, Jakob Philipp.

Im Jahre 1770 gingen die Künstler nach Neapel, wo Johann für Lady Hamilton Gouachegemälde und drei ihrer Hunde malte, Phi- lipp aber für den Ritter Hamilton den Ausbruch des Vesuv, der für das Werk: Campi flegrei schlecht gestochen wurde. Herge- stellt von einem starken Fieber gingen die Künstler nach Rom zu- rück; hier aber bekam Philipp bald darauf die bekannte große Bestelung für die russische Kaiserin Catharina II., Es sind dieses zwei Gemälde, welche die Seeschlacht bei Chesme und die drei Tage darauf erfolgte Verbrennung der türkischen Flotte darstellen. Der Fürst Orlow ließ bei dieser Gelegenheit eine Fregatte in die Luft sprengen, um dem Künstler die Wirkung eines solchen Vor- falls zu zeigen. Auf solche Weise, und nach vielen vorhergegan- genen Studien, führte Hackert das Werk zu voller Zufriedenheit aus, obgleich er nie eine Seeschlacht gesehen und gemalt hatte.

Die Gemälde gefielen der Kaiserin und dem Hofe so wohl, dass der Künstler Aufträge über Aufträge erhielt, und zuletzt belief sich die Anzahl dieser großen Seestücke auf zwölf, denen im Peterhof ein Platz eingeräumt wurde, Ausführlich beschrieben sind diese Gemälde in Hackert’s Leben, von Göthe, S. 280 ff.

Im Jahre 1773 überraschte ihn der Tod seines Bruders Johann schmerzlich, und er war jetzt lange Zeit zur Arbeit unfähig. In Neapel ermannte er sich endlich wieder. Im Jahre 1774 unternahm er Reisen in verschiedene Gegenden Italiens, und zuletzt war in einem Umkreise von beinahe 60 italienischen Meilen in der Ge- gend um Rom kein Ort, keine reizende Aussicht, die der Künstler nicht gezeichnet und für seine Studiensammlung benützt hätte.

Im Jahre 1776 besuchte er auch die Apenninen, Ravenna, Urbino und Perugia. Auf diesem Wege machte er eine Zeichnung von Cesena, dem Geburtsorte Pius VI., und verfertigte davon ein vier Fuss breites Ölgemälde zur großen Zufriedenheit des Papstes. Dieses ist der Pendant zur Aussicht auf die Peterskirche, die J. Volpato gestochen. Bald darauf entstand das Bild, welches von

der Villa Melini aus die Ansicht der Stadt Rom gewährt, von

Georg Hackert gestochen. Graf Fries kaufte das Gemälde.

Im Jahre 1777 unternahm Hackert eine Reise nach Sicilien, und zwar mit Charles Gore und Henry Knight, von denen der letztere ein genaues Tagebuch hielt, das in Göthe’s Lebensgeschichte Ha- ckert’s abgedruckt ist. Im folgenden Jahre ging die Reise mit der

Familie Gore nach Oberitalien und der Schweiz, und in Rom wie-

der angelangt, benutzte er die mitgebrachten Schätze der mannich-

fachsten Studien. Er malte dem Prinzen Aldobrandini in Frascati ein Cabinet in Gouache, und hierauf führte er für Marcantonio Borghese in der Villa Pinciana eine ganze Gallerie von Bildern aus, welche 1782 zu Stande kam. Zu gleicher Zeit malte er viele Staffe- libilder; unter andern zehn Aussichten vom Landhause des Ho- raz, welche die Königin von Neapel ihrer Schwester, der Erbher-

zogin Marie Christine in Brüssel zum Geschenke machen wollte.

Allein das Schiff ging unter und die Bilder sind daher nur noch im Kupferstich vorhanden.

Hackert’s Ruf hatte sich bereits weit verbreitet, und daher be- suchten ihn alle bedeutenden Fremden, von jedem Rang und Stand.

Mit Bestellungen ward er überhäuft, von Grafen, Fürsten und

Königen. Besonders angenehm war für den Künstler der Aufent-

halt in Neapel, wo er mit den höchsten Herrschaften in Berüh-

rung kam. Hier freuten sich auch Kaiser Joseph II. und König Gustav Adolf von Schweden seiner Kunst. Im Jahre 1786 wurde

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