Guttenberg, Heinrich,
das Zeichnen bestimmte sich aber erst mit 17 Jahren zur Kupferstecherkunst, und kam zu einem sehr mittelmäßigen Kupferstecher, Würsching mit Namen, in die Lehre. Dieser konnte dem Jüngling nichts als die technischen Handgriffe zeigen, aber er verstand es ebenso wenig ihm das wahre Gefühl fürs Schöne in die Seele zu legen, als ihn zu dem einzig sicheren Grund aller Kunstausübung, der Festigkeit im Zeichnen, zu führen. Als die festgesetzte Lehrzeit von drei Jahren verstrichen war, erhielt er nach damaliger Sitte einen Lehrbrief, den er wie ein Palladium verehrte, und nun betrachtete er sich als vollendeten Künstler. Er wollte gerade nach Paris ; die Noth zwang ihn aber schon in Frankfurt auf einige Zeit Arbeit zu suchen, bis er wieder so viel erübrigte hatte, um mit Mühe und unter den größten Entbehrungen sein Ziel zu erreichen. Sein älterer Bruder, obgleich überrascht durch seine unvermuthete Ankunft, nahm sich seiner aufs liebevollste an, und gab zur Kunst zu zeigen, und ihn besonders im Zeichnen weiter zu bringen, worin es ihm am meisten gebrach. Heinrich’s Eigendünkel aber, auf den leidigen Lehrbrief gestützt, ließ ihn oft seines Bruders Gesinnungen verkennen, und nachdem er mit Widerstreben, aber nicht ohne Gewinn, für seine Bildung unter dessen Aufsicht einiges für das bei Carl Guttenberg erwähnte naturhistorische Werk ausgeführt hatte, veranlasste ein unglücklicher Zwist eine gänzliche Trennung, so dass der ältere Bruder den oft gewarnten Jüngling nach endlich dem eigenen Sinn überließ. Der Erfolg liess sich erwarten; Heinrich arbeitete bald ohne Fleiss und ohne Gefühl; mehrere Platten wurden ihm nicht abgenommen, und so versank er schnell in tiefe, selbst verschuldete Noth. Endlich war er gezwungen, zurückzukehren, der Reueigen wohlvollene aufnahm, aber die Verbrennung des Lehrbriefes zur Bedingung machte, die auch vollzogen ward.
Mit erneutem Eifer setzte er nun seine Arbeit unter dessen Leitung fort, und als Carl auf einige Zeit nach Basel ging, nahm sich Wille seiner an. Unter der Leitung dieses Meisters arbeitete Guttenberg mehrere Jahre mit Fleiss und Liebe, und bald zeigten es seine Nadel und seine Stiche, welch ein Mann sich seiner angenommen hatte. Eine Platte nach Mad. le Sueur, eine Bacchantin, legte endlich den Grund zu seinem Künstlerruhm und Wohlstand, und von der Zeit an lebte er gesucht und beschäftigt in ärmlichster Ungebundenheit zu Paris. Im Jahre 1791 bewogen ihn die bürgerlichen Unruhen zu einer Reise nach Italien, aber nach 18 Monaten rief ihn die plötzliche Nachricht von seines Bruders gefährlichem Darniederliegen zurück. In höchster Eile heimkehrnd, wobei er seiner selbst so ganz vergass, dass er gefährlich krank ankam, fand er doch den Bruder nicht mehr am Leben. Er vertauschte nunmehr den Aufenthalt in Paris mit dem zu Fontainebleau, verließ aber nach Ludwig’s Hinrichtung 1793 Frankreich, kam nach Nürnberg, und blieb 10 Jahre daselbst. Jetzt erst bewog ihn die Lust, Frankreich wieder zu sehen, und er reiste mit drei seiner Schüler, dem jetzigen Direktor A. Reindel, dem Kupferstecher Fr. Geissler und dem Miniaturmaler Wolfsheimer 1803 zum zweitenmale nach Paris. Seine drei Schüler kehrten zum Teil vor ihm in die Heimath zurück, der Meister aber traf im Jahre 1816 in seiner Vaterstadt wieder ein, wo er nach zwei Jahren starb. Er war noch ein heiterer lebenskräftiger Greis, als er auf einem Spaziergang in der nächsten Umgebung der Stadt ausglitt, rücklings fiel, und sich am Hinterhaupte verletzte, was ihm unerwartet schnell den Tod brachte.
Gutenberg, Heinrich. 463 Lebensgefahr und Tod zuzog. Das Grab, wo A. Dürer ruhte, deckt
seine Gebeine.
Gutenberg war als Mensch einfach und schlicht, vom heiteren Humor und biederer Gesinnung; als Künstler vereinigte er Talent mit Kenntnissen, Fleiß und Geschmack, und war gleich bewandert im Historischen, wie im Landschaftsfache. Für Nürnberg begründete er durch seine Schüler eine neue Epoche, ein reges, frisches Leben unter den daselbst sich befindlichen und sich bildenden Künstlern. Gutenberg bewegte sich im Landschaftsfache ganz besonders, und mit solcher Freiheit, wie sonst nur jene Meister, welche sich ausschließ- lich demselben widmen, und dadurch eignete er sich vor vielen zum Stich der Gemälde aus der niederländischen Schule, da er Vich, Landschaften, Figuren oder Porträts mit freier Nadel und sicherm Grabstichel zu behandeln verstand. Er leistete in diesem Fache wirklich Ausgezeichnetes. Seine vorzüglichsten Arbeiten sind nach Rembrandt, Bega, Bloemaert, Zorg, Flink, van Dyck, Thom. Wyck, Rubens und Teniers. Rembrandts Portrait, Carl V. nach van Dyck, eine große Kreuzabnahme nach Rubens für das Musée Napoléon, sind darunter seine Meisterstücke; das letztere war die vorletzte Arbeit, welche er mit vollstem Künstlerfeuer vollendete. Es ist dieses die Höhe seiner Stiche.
Aber auch nach den Meistern der italienischen Schule stach Gutenberg Blätter mit vielem Geiste und mit grosser Reinheit, wovon sich seine heil. Familie nach Raphael, eine Beschneidung nach Fra Bartolomeo, eine heil. Familie nach Baroccio u. a. auszeichnen.
Unter seinen Landschaften nimmt eine grosse, nach Dietrich, den ersten Platz ein, da sie das Gemälde jenes Meisters mit vielem Geiste wiedergibt. Andere stach er nach Meyer, Wagner, Vernet, Weirother, Poelemburg u. a. — Die Blätter nach Zeichnungen, Vignetten, und Bilder zu größeren Prachtwerken oder kleineren Schriften, oder die einzelnen Stiche haben all das Gefällige, Wahre und Richtige, was seine größeren Arbeiten auszeichnet; manche davon sind in ihrer Art unvergleichlich. Am wenigsten frei fühlte er sich bei den Gemmen, die er nach Nahl stach. Die Platte eines seiner größeren Blätter, Napoleon vor der Schlacht von Wagram, am Wacht- feuer im Kreise seiner Generale eingeschlossen, ward von ihm unvollendet bei Seite gestellt, da die veränderten Zeitumstände es ihm widerriethen, damit hervorzutreten; erst nach seinem Tode ward sie von seinen Schülern bekannt gemacht.
Vergl. die Nürnbergischen Künstler, geschildert nach ihrem Le- ben und ihren Werken, II. Heft, wo sich auch sein von A. Reindel gestochenes Portrait befindet.
Büste des Miltiades, nach Anastasi; die Eauforte ist von Reindel und Geissler (Visconti’s iconographie). H. 1 Z. 6 L., Br. 1 Z. Der Belvederische Apollo, nach Le Barbier’s sen. Zeichnung. H. 8 Z. 3 L., Br. 5 Z. 0 L. Beide Blätter aus der letzten guten Zeit des Künstlers.
Eine Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, nach F. Baroccio, (Salerie du palais royal). H. 7 Z. 2 L., Br. 5 Z. 11 L.
Ausstellung Christi im Tempel, nach Fra Bartolomeo. Der Stich ist vorzüglich gut. Auf den ersten Abdrücken steht bloss der Name Bartolomeo. H. 8 Z. 5 L., Br. 4 Z. 9 L.
Das Milchmädchen, nach Bandouin. H. 8 Z. 7 L., Br. 6 Z. 1 L.
In den gewöhnlichen Abdrücken hieß es: Perreite, und darunter drei französische Verse.
Die Weiber unter dem Thorweg, nach C. Bega. H. 7 Z. 3 L.,
Gutenberg, Heinrich.
Br. 6 Z. In den früheren Abdrücken fehlt die Schrift, nur die Künstler sind angegeben.
Der Bauer und das Mädchen in einem Gemach. H. 4 Z. 4 L., Br. 0 Z. 3 L. Die Eauforte ist von Reindel. (Mus. Napolcon.)
Johannes der Täufer in der Wüste predigend, nach A. Bloem- aert. Ein vorzüglicher Stich für die Galerie du palais royal gefertiget, H. 5 Z. 10 L., Br. 7 Z. 7 L. Die ersten Abdriü-
‚ cke haben nur die Künstlernamen und das Wappen; dann die Schrift: St. Jean prechant. ‘
Die Unterhaltung im Walde, nach F. Bol. Dieses Blatt gehört zu den besten aus der ältern Zeit seiner malerischen Manier.,
Zwei Scenen aus dem Leben der heil. Genofeva, nach Borel. Beide gehören zu den früheren Arbeiten Guttenberg’s. H. 3 Z. 1ı L., Br. 2 Z. 1 L.
Eine Folge von 7 Blättern (Les trois gateaux, ]le Dejeuner, le
_ Foureau de Soye, Denise et Antonin, L’Agneau, la permirce epreuve du courage, les enfans qui veulent se gouverneur.) Sıe gehören zu den seltenen und früheren Arbeiten des Künst- lers, nach Borel. H.3 Z. 1 L., Br. 2 Z. 2 L.
Zwei idyllische Gegenstände: die Schäferin bei der Heerde; die- selbe in;J Schlafe vom Hirten überrascht. H. 3 Z, 1 L., Br. 2 Z 2. 2 L, {
Die schlafende Dame im Bette und der Ritter, Stich aus der frü- l_éem IZ‘eit des Künstlers, nach Borel. H. 3 Z. 2 L., Br. 2
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Ein sterbender Knabe in dem Schoosse der Mutter, nach Borel.
Antik; Bfrdief , nach Borel’s Zeichnung. H. 4 Z. 11 L., Br 5 .1 ° 3 .. ;
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