Gutenberg, Karl Gottlieb, Kupferstecher , geb. zu Wöhrd , einer der beiden Vorstädte von Nürnberg , 1743, gest. zu Paris 1792. Unter ungünstigen Verhältnissen geboren — sein Vater Johann Leonhard Gutenberg war Handlanger und Fruchtträger — fühlte er schon in früher Zeit den Beruf zur Kunst; Den Grund in der Zeichenkunst legte er in J. J. Preissler’s Zeichnungschule, dann kam er zu einem Schriftstecher, Namens Hauer, in die Lehre und endlich nach Basel in v. Mechel’s Kupferstecher-Schule. Nach sechsjährigem Aufenthalte daselbst, wo er im figürlichen und landschaftlichen Fache nicht unbedeutende Fortschritte machte, ging er nach Paris , wo er sich anfangs mit Stichen von minderem Umfange beschäftigte und namentlich Abbildungen von Thieren und Vögeln zu einem naturhistorischen Werke lieferte (wahrscheinlich einer Quartausgabe von Büffon, wozu de Seve die Zeichnungen fertigte), bis ihm sein sich immer mehr und mehr entwickelndes Talent die Bekanntschaft mit Wille brachte, welcher nun Gutenberg’s Lehrer wurde. Wie lange er bei Wille Unterricht genoss, ist unbekannt; dass er aber seine Zeit trefflich benutzte, bestätigen seine Werke, da er sich zu einem Künstler bildete, der sich in seinen Blättern als gründlicher Zeichner und zugleich nicht als blosser Nachahmer, sondern als Mann von Geist und Gefühl bewies, und mit Benutzung aller Hilfsmittel des Stichels und der Nadel immer seinen eigenen Weg ging. Er stach nach seinen eigenen Zeichnungen und nach andern Meistern, lieferte viele und grosse Werke, wodurch er sich allgemeine Achtung erwarb, wozu ebenfalls sein liebenswürdiger Charakter beitrug. In Paris verheiratete er sich mit einer Demoiselle Lorieux, die er zur Mithilfe bei seinen Kunstarbeiten angewiesen, und die es namentlich in der Handhabung der kalten Nadel zu einer nicht unbedeutenden Übung brachte, so dass sie mehrere Lüfte von Gutenberg’s Blättern schnitt und vollendete. Seine Hauptblätter sind in St. Non’s voyage pittoresque du royaume de Naples, dann nach Rembrandt, Fr. Mieris und van Mol, seine Kopie von Woollett’s Tod des General Wolf, Wilhelm Tell nach Füssli, und das Portrait der Kaiserin Catharina. Zier-
Guttenberg, Carl Gottlieb.
Jichkeit und Kraft, Glanz und Wahrheit, Reinheit und Glätte ist mit Freiheit und Sicherheit in der Behandlung landschaftlicher und figürlicher Gegenstände bei seinen Arbeiten so innig verbunden, dass diese nicht bloss durch gefälligen Totaleindruck den gewöhn- lichen Liebhaber und den Nichtkenner anziehen, sondern auch den Kenner in hohem Grade befriedigen, und eine Zierde aller Sammlungen bleiben werden.
Ausser seinem Bruder Heinrich, der aber gleichwohl eine von Carl’s Manier viel abweichende Weise sich eigen machte, zog er auch den Bruder seiner Frau, den Kupferstecher Lorieux, als Schü- ler heran; die beiden vorzüglichsten Künstler aber, welche seiner Anleitung ihre Bildung verdanken, sind Ignaz Sebastian Klauber aus Augsburg, nachher in Petersburg, und Theodor Falkeisen aus Basel. Die Copie des Woollett’schen Blattes nach West: General Wolf’s Tod, in der Grösse des Originals, wurde von dem letzteren noch unter Guttenberg’s Leitung angefangen. Guttenberg selbst lebte in kinderloser Ehe, geehrt von aussen. Er starb noch in den Jahren der mahnlichen Kraft an einer Verletzung des Unterleibes während der Abwesenheit seines Bruders. Seine Wittwe verheiratete sich nachher mit dem ehemaligen Schüler ihres Gatten, S. Klauber, und ging mit demselben nach Petersburg, wohin er im Jahre 1706 als Direktur der Kupferstecher-Akademie berufen worden war. Füssly (allgem. Künstlerlexicon) lässt C. Guttenberg in seine Vaterstadt zurückkehren und daselbst vor 1709 sterben, was jedoch die eigenen mündlichen Mittheilungen Heinrich Guttenberg’s über seinen Bruder, welche er seinen Schülern, den in Nürnberg so geachteten Kupferstechern Direktor Reindel und J. F. Geissler von Zeit zu Zeit machte, widerlegen. Ebenfalls Joubert in seinem Manuel de l’amateur des estampes tom. II. p. 119 sagt von Guttenberg: il s’est retiré dans sa patrie où il est mort en 1709. Sein von F. Fleischmann gestochenes Portrait befindet sich in dem Werke: die Nürnbergischen Künstler, geschildert nach ihrem Leben und ihren Werken. II Heft, woraus dieser Artikel, als der sicherste, genommen ist.
J. J. Rousseau’s Monument, nach Barbier. Es gibt Abdrücke vor der Dedikation, vor den gestochenen Künstler-Namen, und vor der Adresse. Die Inschrift: Monument érigé à Geneve à J. J. Rousseau ist überall. H. 17 Z. 3 L., Br. 17 Z. 7 L.
Der Rheinfall, nach Berdoe. H. 7 Z. 6 L., Br. 11 Z. 9 L. Die Platte ist in neuerer Zeit in die Hände der Kunsthändler Tessari zu Augsburg gekommen, welche die Unterschrift abänderten und ihre Adresse beisetzen liessen.
Leda mit dem Schwan, nach Joh. Casanova’s Zeichnung in der Thactyliotheca Stoschiana von Schlichtegroll. H. 5 Z. 6 L., Br. 7 Z. 7 L.
Die Aufhebung der Klöster in den k. k. österr. Erbländern, nach L. Defrance. H. 15 Z. 9 L., Br. 23 Z. 5 L. Es gibt viererlei Abdrucksgattungen dieses vortrefflichen Blattes. Die ersten Drucke sind bloss mit C. Guttenberg fec. bezeichnet, die zweiten führen die Namen des Malers und Stechers; die dritten sind mit aller Schrift, und die vierten haben Artaria’s Adresse.
Zwei Ansichten von St. Mesmin, nach A. T. Desfriches. H. 3 Z. L., Br. 5 Z. 4 L.
Zwei Ausichten aus der Gegend von Orleans. (1. et 2. vue des environs d’Orleans), nach Desfriches Zeichnung. H. 4 Z., Br. 5 Z. 4 L.
Guttenberg, Carl Gottlieb. — «59
Stellungen auf einer Platte. Die Figuren von J. Duplessis Bertaux radirt. — Zu A. St. Non’s Reise, nach Desprez ge- fertiget. H. 5 Z. 9 L., Br. 8 Z. 3 L. Ansicht von Carigliano, gezeichnet von Desprez (zu St. Non’s Werk). H. 7 Z. 8 L., Br. 12 Z. 6 L. Allegorie auf Necker’s Rechnungsablegung, nach J. H. E. H. 8 Z. 5 L., Br. 7 Z. 7 L. Das Sterbebett, nach C. Eisen. H. 5 Z. 2 L., Br. 5 Z. 7 L. Ausbruch des Monte nuova, Vignette, nach J. H. Fragonard. Ein schön compunirtes und meisterlich gestochenes Blatt. H. 7 Zwei Vorstellungen aus dem Heptameron der Königin Marga- retha, nach S. Freudenberger. H. 3 Z. 10 — 11 L., Br. 2 Z. 5 L. Wilhelm Tell auf dem Vierwaldstätter See, nach Füssly. H. 16 Z. 2 L., Br. 22 Z. 3 L. Die wenigen — sehr seltenen — Ab- drücke der unvollendeten Platte sind ohne alle Schrift und ohne den Effekt, welchen man in späteren Abdrücken findet. In den späteren Abdrücken wurde die Adresse: „Paris etc.“ wegge- nommen, und an deren Stelle gesetzt: zu finden bei Gebrü- der Klauber in Augsburg. Das schmollende Kind, nach J. B. Greuze, H. 8 Z. 8 L., Br. 7 Z. 7 L. In den ersten Abdrücken vor aller Schrift fehlt das Wappen; auf späteren Abdrücken liest man: „a Paris chez l’au- teur, rue St. Hyacinthe,“ und: „a Paris chez l’auteur, rue de Tournon.“ Kupfertitel zu Rabener’s Satyren, nach S. Grimm, aus Gutten- berg’s früherer Zeit. H. 4 Z. 1 L., Br. 2 Z. 6 L. Kupfertitel zu Gellert’s Schriften, nach S. Grimm, aus glei- cher Periode mit dem vorhergehenden. H. 4 Z. 2 L., Br. 2 Z. 8 L. Zwei Blätter: der Hafen von Brügge und der Hafen von Ostende, nach eigenen Zeichnungen. Das letztere ist von ausgezeichnet schöner Behandlung. H. 5 Z. 5 L., Br. 8 Z. 6 L. Zwei Ansichten von Münchenstein und Augenstein, nach eige- ner Zeichnung in Umrissen radirt; a) H. 7 Z. 4 L., Br. 10 Z. 8 L.; b) H. 7 Z. 3 L., Br. 10 Z. 7 L. Die wandernde Truppe, nach J. F. Meyer. H. 8 Z. 11 L., Br. 11 Z. Der Chemiker; nach F. Mieris. H. 8 Z. 3 L., Br. 6 Z. Dieses Blatt (in der Galerie du palais royal) gehört zu des Ste- chers vortrefflichsten Arbeiten. In einigen Abdrücken fehlt das Wappen; die seltensten aber sind die ohne die Namen der Künstler. Der flämändische Tanz, nach P. v. Mol. H. 5 Z. 9 L., Br. 7 Z. 8 L. Auf den allerersten Abdrücken fehlen die Namen der Künstler und das Wappen ist bloss geätzt, die zweiten haben die Künstlernamen, aber die übrige Schrift fehlt. Dieser meisterhafte Stich gehört für die Galerie du palais royal. Gruppe modisch gekleideter Figuren, nach J. M. Moreau. H. 9 Z. 10 L., Br. 7 Z. 11 L. J. P. Jones, nach E. J. Notte. Ein sehr schöner Stich. H. 10 Z. Br. 8 Z. 9 L. Zweite Ansicht des Jupiter Serapis Tempels bei Puzzuola, nach Paris. Dieser Stich gehört zu dem Werke St. Non’s. H. 5 Z. 4 L., Br. 8 Z. In den Aetzdrücken ist Guttenberg’s Name verkehrt. Die holländische Abendgesellschaft, nach Rembrandt. H. 5 Z. 9 L., Br. 7 Z. 7 L. In den ersten Abdrücken sind nur Maler und Stecher genannt; sehr selten sind die ohne Namen.
Dieser geistvolle Stich gehört zu des Künstlers gelungensten Arbeiten in der Galerie du Palais royal;
Die Kirche, nach E. Ritter. H. 141 Z. 9 L. Br.-15 Z. 4 L.
Der feuerspeiende Vesuv, nach H. Robert, wie die folgenden. H. 153 Z. 3 L., Br. 90 Z. Die Figürchen sind von D. Bertaux radirt, und die Schneidnadel-Arbeiten von Guttenberg’s Gattin mit ungemeiner Kunstfertigkeit beigefügt. Es gibt dreierlei Abdrücke; die ersten sind vor aller Schrift. H. 11 Z. 4 L.; die zweiten ebenfalls ohne Schrift sind größer, die dritten mit der Schrift.
Die Ausgrabungen zu Herkulanum. Die Figuren sind von Bertaux radirt; in St. Non’s Werk. H. 4 Z. 6 L., Br. 7 Z.
Vignette mit dem Füllhorn. H. 4 Z. 6 L., Br. 7 Z. 2 L.
Erste Ansicht des Jupiter Serapis Tempels bei Puzzuola. St. Non’s Werk. H. 5 Z. 4 L., Br. 7 Z. 11 L. mit der obigen zweiten Ansicht auf einer Platte.
Die Bäder des Nero und die Überreste des Merkurius Tempels am bajischen Meerbusen, zwei Vorstellungen auf einer Platte, alle nach Robert, für St. Non’s Werk bestimmt. H. 5 Z. 4 L., Br. 8 Z.
Katharina II., nach P. Graf Rotari. Schönes Blatt. H. 10 Z. 9 L., Br. 7 Z. 0 L.
Die betende Nonne, nach Rubens. H. 6 Z. 2 L., Br. 4 Z. 11 L. Auf späteren Abdrücken befindet sich die Angabe des Cabinets, in welchem das Gemälde aufbewahrt ist;
Der Rheinfall bei Schaffhausen, nach C. G. Schütz. Seltnes, – aber mittelmäßiges Blatt. H. 10 Z. 9 L., Br. 13 Z. 11 Z.
Zwei Ansichten am Thuner- und Brienzer-See, nach F. Schütz (1re und 2de vue de la Suisse. H. 15 Z. 9 L., Br. 13 Z. Von diesen zwei Hauptblättern gibt es einige seltene erste Abdrücke. Auf dem ersten Blatte links steht: peint par Schütz, rechts: gravé par Carl Guttenberg, mit der Nadel eingerissen. Die Jahreszahl und die Unterschrift fehlen noch. Auf dem zweiten Blatte steht links, ebenfalls mit sehr zarter Schrift: Ge- malt von Schütz. In der Mitte: 1770. 71. u. s. w. Rechts: Gegraben von C. Guttenberg. Alle andere Schrift fehlt.
Das gefleckte Kind, nach de Seve. H. 7 Z., Br. 5 Z. 5 L.
Die Hottentottinn, nach de Seve. H. 7 Z. 1 L., Br. 5 Z. 0 L.
Ein Papagey, eine Sumpfweihe, eine große Eule, ein Würger, in einer Landschaft, alle nach Seve. H. 7 Z. 2 L., Br. 5 Z. 7 L.
Vignette zu einem naturhistorischen Werke, nach de Seve, hier in einer architektonischen Einfassung vorstellend. H.
Die Anrufung des Liebesgottes, nach Theolon. H. 13 Z. 5 L., Br. 9 Z. 6 L.
Die Fischhändler, nach J. B. Tierce. H. 8 Z., Br. 11 Z. 12 L.
Die Engelsburg, nach J. Vernet. H. 4 Z. 0 L., Br. 7 Z. 7 L.
Schönes Blatt, für Choiscul’s Cabinet gefertiget.
L. H. van Nicolai, nach Violier. H. 5 Z. 8 L., Br. 3 Z. 7 L.
Die ersten Abdrücke dieses zierlichen Blattes haben allein nur Nicolai’s Namen in der Tafel, die übrige Schrift fehlt.
Zwei Ansichten vom Mayn. 3eme, et 4eme vue du Main, nach Weirotter. H. 7 Z. 5 L., Br. 90 Z. 6 L.
Der Tod des General Wolf, nach West. H. 7 Z. 11 L., Br. 10 Z. 11 L. In dem früheren Drucke sind die drei Worte in der Mitte: der General Wolf, in unschraffierten Buchstaben gestochen. In dem späteren Abdrucke sind die Buchstaben ausgefüllt. Treffliches Blatt.
Der öffentliche Schreiber, nach J. A.-Wille. H. 15 Z. 5 L., Br.
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