Gudin, Theodor, ein gefeierter französischer Maler, der zu An- fang unseres Jahrhunderts geboren wurde; er lebt zu Paris und hier sah man von an verschiedene Bilder in den Salons, be- sonders Maritnien, in Öl und Aquarell; lautere Werke, die mit grossem Beifall aufgenommen wurden. Es wurden ihm Medaillen zu Theil und schon 1824 das Kreuz der Ehrenlegion. Gabet ver- zeichnet im Dictionnaire des artistes 1831 mehrere Gemälde von diesem Künstler. Und auch in deutschen Blättern wurden solche be- sprochen, besonders im Kunstblatt von Dr. Schorn und in Berliner Zeitschriftent
Seine Gemälde und jene Watelet’s, Lepaittevin’s, Coignet’s u. a. repräsentiren den Charakter der französischen Landschaftsmalerei, die von der deutschen unterschieden ist. Der Deutsche liebt Fleiss
Gudin, Theodor. e
und edie Naturtreue, vom Vor- bis zum Hintergrunde, ohne zu beachten, dass der Hintergrund an Deutlichkeit verlieren und dass im Vorgrunde schon die Luftperspektive wirken muss. Die deutsche Naturtreue wird daher oft eine Untreue, denn so scharf und fein er- scheint der Grund in der Natur dem Auge nicht. Die Franzosen sind nicht im Sinne der Deutschen naturtreu; sie halten ihr Bild in der Fernsicht und #hon die Vorgründe sind im Verhältniss zu dem Verkleinerungs-Massstab unsern Blicken entrückt. Es ist aber 'un- endlich schwer in der Ferne die Natur im Kleinen charakteristisch zu geben, da sie hier nur im Umrisse treu ist. Von dieser Seite müssen Gudin’s Bilder betrachtet werden, und dann erscheinen uns dieselben als vollkommene Meisterwerke. Es ist in ihnen Alles nur in einzelnen Rissen gehalten, mit kräftigen Pinselstrichen hinge- worfen, und das Ganze dadurch in herrlicher Ferne gehalten. Ein Muster dieser Art ist jene Mondnacht am Strande, äm man 1836 auch auf der Berliner Kunstausstellung sah. Genau beschrieben ist dieses Bild in den Berliner Nachrichten 1836, Beilage Nro. 231. Da heisst es, der Mondschein auf dem Meere, das Meer selber, besonders aber der Strand sei vielleicht niemals schöner gemalt worden, und der aufmerksame Beobachter könne sich ganz und gar im Bilde verlieren, und Stundenlang damit hinbringen, die Treue der Per- spektive und der Farben darin zu bewundern, durch welche dieses Bild so ganz und gar Natur wird. Hier ist der Künstler fast lyri- scher Natur, doch häufig steht er auch auf dem Gebiete der neu- romantischen Schule der Franzosen, wo Alles auf den Effekt ab- gesehen ist, wie in dem Gemälde, welches ein Fahrzeug in Noth vorstellt, ein Bild der entsetzlichsten Gefahr, mit Sonnenunter- gang bei vollem Mondschein, was ganz und gar unmöglich ist. Das unruhige Meer steht in getheilter Beleuchtung, blau von Mondlicht und Nacht, und dazwischen schimmert das Gold der untergegangenen Sonne. Uebrigens ist Alles in Rissen und kraft- vollen Pinselstrichen, ein Gegensatz deutscher Ausführlichkeit.
Gudin ist einer derjenigen französischen Maler, welchen 'in neu- erer Zeit am meisten Claude Lorrain’s Gefühl für Harmonie der Töne inne zu wohnen scheint. Bei ihm findet man ‚ungemeine Klarheit der Lüfte und Kraft der Reflexe. Seine Staffage.ıst. sinn- reich gewählt,; aber im Detail darf man in seinen Bildern keinen deutschen Fleiss suchen, und die Bäume sind oft fast ohne alle Form. In der Gesammtwirkung aber, und im Colorite sind, seine Bilder von hinreissender Schönheit. Im Palais royal sind einige Gemälde von seiner Hand: eine Gebirgsgegend in wellenför- migen, sanften Linien; ein Sturm, mehr eine Darstellung des
‚Elementes als der einzelnen Wogen in Form und Farbe, und
eines seiner neuesten Meisterwerke ist der Hafen von Neapel, mit der hinter dem Vesuv hinuntersinkenden Sonne, ein Bild von unewöhnlicher Harmonie und Milde des Tones. Ein balsamischer Wind weht über seine Mondlandschaft bei Neapel, und die grosse Sturmscene: der Windstoss auf der Rhede von Algier, im Luxem- bourg, ist ein Meisterstück in Darstellung des empörten Elements. Noch schrecklicher, öfter ins Gras übergehend, ist sein Gemälde mit der verschlagenen Barke; In allen seinen Werken waltet aber grossartige, blühende Phantasie. Über diese Bilder S. Kunstblatt 1836 Nr. 103. ;
Wie sich in Frankreich überhaupt selbst vorzügliche Künstler mit der Lithographie beschäftigen, so ist dieses auch mit Gudin der Fall. Wir erwähnen daher schliesslich:
Tableaux de Theodore Gudin, lithog. par lui-même, von 1828
in Lieferungen, fol. auf weißes und chinesisches Papier, Recueil de paysages et marines par Villeneuve et Gudin, 1829 die erste Sammlung.
Théodore Gudin, Historienmaler zu Paris, wo er 1822 zuerst mit einem Gemälde öffentlich hervortrat. Er malt Darstellungen aus der Modernen Geschichte, solche aus der napoleonischen Kriegsperiode.
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