Guarini, Camillo

Guarini, Camillo, ein Theatinermönch und Architekt von Modena , der als solcher zu seiner Zeit ausserordentlichen Ruhm genoss, doch beurtheilt die Nachwelt seine Bauwerke strenger, indem er die Ausschweifungen Borromini’s auf die Spitze trieb. Don Camillo besass wissenschaftliche Bildung, und in der Mathematik war er besonders erfahren. Er schrieb eine Placita philosophia, den Euclides auctus und eine coelestis mathematica, und 1737 gab er zu Turin seine Architettura civile in zwei Foliobänden ans Licht. Allein dieses Werk ist durchaus nicht als Muster des guten Geschmackes zu empfehlen. Guarini entfernte sich von dem edlen Style der Baukunst. Er gefiel sich in seiner Bizarrerie, und gegen die Einfachheit in den Linien hat er sich noch mehr verschworen, als Borromini, der einem noch entarteteren Geschmacke huldigte, als Bernini. Guarini arte in der Verzierung in den höchsten Luxus aus, und seine ionischen Säulen gleichen mit Blumen und Juwelen geputzten Damen, wahrscheinlich um damit Vitruvius’ Vernachlässigung der Toilette vor Augen zu stellen, indem dieser Schriftsteller sagt, dass das ionische Ebenmass vom Frauenzimmer entnommen sei. Eine andere Sonderbarkeit offenbart sich in den Kuppeln Camillo’s. Sie drohen und setzen in Schrecken, als müssten sie aus dem Gleichgewichte treten. Sie sind nach allen Richtungenhin mit halbovalen, zuweilen wie Fischschuppen übereinander gesetzten Fensteröffnungen durchbrochen. Übertriebung war bei ihm Originalität, und erstere steigert sich in seinen Bauten öfter zum Wahnsinn.

Guarini baute zu Turin die sonderbare Kuppel des hl. Grab- tuches, die bizarre Facade des Palastes Carignan; in der ausschweifendsten Manier aber ist die Kirche des hl. Lorenz erbaut. In seiner Architettura civile ist der Plan dieses Baues zu finden. Es ist dieses ein Muster des Ungeschmackes jener Zeit, aber bei

allen Fehlern hat das Ganze doch den Charakter des Grossen; wie dieses bei dem Massenhaften jener Periode öfter der Fall ist. — Von Guarini’s ausschweifender Manier zeugt auch die Kirche S. Filippo de Neri, deren Kuppel 1715 zusammenstürzte. Der Plan ist in dem erwähnten architektonischen Werke Juvara baute die Kirche wieder auf. Ein anderes Werk von Guarini ist die Cathedrale zu Fossano, eine der grössten neueren Kirchen. Er baute zu Turin auch die Porta del Po und den Palast des Prinzen Philibert von Savoyen. In Modena errichtete er die Kirche des hl. Vincenz, und zu Verona jene der Nonnen von Ara coeli. Nach seinen Zeichnungen wurde auch zu Paris eine Theatinerkirche gebaut, die jedoch nicht mehr existirt, in Prag die Kirche der Mariä von Oetting und in Lissabon jene der Maria della Providencia. Die meisten seiner Werke sind in der Architettura civile abge- bildet.

Padre Guarino Guarini war Architekt des Herzogs von Savoyen und starb 1683 im 50. Jahre.

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