Gruamons (Gruamonte), Bildhauer

Gruamons (Gruamonte), Bildhauer, ein Meister von unbekannter Herkunft, arbeitete zu Pistoja, und gibt sich selbst das Epitheton: magister bonus. Dieses hat Vasari entweder flüchtig gelesen oder mit einer andern Inschrift verwechselt, wo der Meister sich auch wirklich Bonus nennt. Den Vasari könnte auch ein Berichtgeber irregeleitet haben. Doch dieser Schriftsteller verbreitete, froh einen namhaften Künstler gefunden zu haben, dessen Tätigkeit über halb Italien , was zu den vielfältigen Zeichen des Leichtsinns gehört, mit welchem Vasari seine abgerissenen, oft an sich selbst ganz ungegründeten Nachrichten aus dem höheren Mittelalter benutzt und dichterisch ausgebildet hat.

Der Meister Gruamons nennt sich zuerst auf einem Architrav der Kirche St. Andreas zu Pistoja, derselben, welche Vasari anführt: Hier sagt die Inschrift: Gruamons mag. bon. et Adeodatus frater ejus. Eine zweite Inschrift findet sich am Architrav der Seitenthüre von S. Johannes, außerhalb des alten Ringes der Stadt. Inzwischen vermischte Vasari diese Inschrift mit einer anderen der selben Stadt, an der Aussenseite der Tribüne von S. Maria Nuova, wo in dem Gesims eines auf leidlich gearbeiteten Köpfen ruhenden Kranzes:

A.d. 1206 TPR Parisii Pagni et Simonis, magister bonus fe. steht. Derselbe Meister nennt sich an der Kirche S. Salvatore daselbst noch einmal, mit dem dort ausgeschriebenen Jahre 1270. Hier ist aus der Wortstellung nicht zu bezweifeln, dass der Meister Bonus geheißen habe. Dieser Buono ist indess um ein Jahrhundert neuer als jener Vasari’s, oder als jener Gruamons der früheren Inschriften. Denn aus verschiedenen Umständen erhellt, dass dieser Künstler nicht später als im 11. oder 12. Jahrhundert gemeisselt haben konnte. Rumohr hält die angegebenen Jahreszahlen 1106 und 1162, welche den Inschriften beigefügt sind, für später nachgetragen und verfälscht. Das Kunstverdienst der Arbeiten Gruamons besteht vornehmlich in einem löblichen Sinn der Anordnung nach den Forderungen halb erhabener Arbeiten. Die Gegenstände

Nagler’s Künstler-Lex. V, Bd. 26

Im Architrav von S. Andrea sind links die hl. drei Könige zu Pferde; rechts dieselben in der Handlung der Anbetung des Kindes; in der Mitte Christus, der die Apostel von den Netzen abruft: An der Seitenthüre des hl. Johannes Ev. ist das Abendmahl, dessen Anordnung zu den älteren Beispielen einer feststehenden Form der Darstellung dieses Gegenstandes gehört. Vgl. F. v. Rumohr’s ital. Forschungen I. 256.

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