GROS, Pierre le

GROS, Pierre le, Bildhauer, geb. zu Paris 1656, gest. zu Rom 1719. Sein Vater, Bildhauer und Professor an der Akademie zu Paris, war sein erster Meister, und als 20jähriger Jüngling errang er den großen Preis der Sculptur, mit dem Basrelief , welches Noah vorstellt, wie er mit seiner Familie in die Arche einzieht. Nun kam er als k. Pensionär nach Rom , wo er bald seinen Ruf gründete.

Zu jener Zeit wollten die Jesuiten den Hauptaltar der Kirche des heil. Ignaz zieren, und zu diesem Zwecke eröffneten sie einen Concurs. Le Gros hatte den Muth, in die Schranken zu treten, doch fürchtete er, man möchte ihn seiner Jugend wegen nicht zu- lassen, wesswegen er glaubte, dass seine Modelle von Genoa kämen. Doch Le Gros Entwurf zog bei der Ausstellung alle Augen auf sich, und dem angeblichen Genueser wurde einstimmig der Preis zu Theil. Das Werk stellt den Triumph der Religion über die Ketzerei da. Jetzt wurde ihm die Anfertigung eines Basreliefs übertragen, das unter dem Namen der Verklärung des heiligen Ludwig von Gonzaga berühmte Werk im Collegio Romano, gestochen von Frezza. Hierauf führte er die Statue des heil. Sta- nislaus Kostka auf dem Sterbebette aus, hatte aber dabei den selts- amen Einfall, das Gewand von schwarzem, das Bett von farbigem und den Kopf nebst Händen und Füßen von weissem Marmor zu fertigen; allein trotz dieser Bizarrerie zählte man doch diese Stau- te zu den berühmtesten Werken der Plastik jener Zeit in Rom.

Eine gleiche Stelle wies man auch seinen Aposteln Thomas und Bartolomäus an, für die Laterankirche ausgeführt; die größte Achtung erwarb ihm aber die bewunderte Statue des heiligen Dominicus in der St. Peterskirche. Nach Vollendung dieses Werkes ging Gros nach Paris und hier verzierte er das Hôtel Cro- zat; auch für Montmorency führte er einige Sculpturen aus. Ob er zu jener Zeit auch die unter dem Namen des Silence be- kannte Bildsäule im Garten der Tuilerien ausgeführt habe, ist un- bekannt; bald nach seiner Ankunft in Frankreich wurde ihm aber eine bedeutende Anzahl von Werken für die Gärten zu Versailles aufgetragen. Diese Sculpturen gefielen nicht; doch sind sie nicht so gar unbedeutend, wie Thomassin’s Stiche derselben. In Frank- reich konnte Le Gros durchaus keinen solchen Beifall finden, wie er ihn zu erregen glaubte, und auch die Akademie war nicht zu bewegen, ihm die Thore zu öffnen. Gros und Puget waren keine französischen Akademiker. Nach zwei Jahren kehrte er endlich aus Verdruss wieder nach Rom zurück, wo er bis an seinen Tod verblieb.

Unter den Arbeiten, welche er jetzt noch ausführte, erwähnt man: das Basrelief mit Tobias, welcher dem Gabelus zehn Talente leiht, in Monte del Pietà; die Statue des Cardinals Casanata in der Minerva; das Grabmal desselben Cardinals in S. Giovanni in Laterano; jenes des Cardinals Aldobrandini in S. Pietro in Vincoli; das Mausoleum Pius IV. in St. Maria Maggiore und die Gruppe des heil. Ignaz mit zwei Engeln, neun Fuss hoch, für die Jesus- kirche in Silber ausgeführt. Zu Turin zählt man seine Marmor- statue der heil. Theresia in der Carmeliterkirche unter die schön- sten Werke. Ueberhaupt ist Le Gros in Italien mehr bekannt als in Frankreich. Er erinnerte sich auch nur mit Unwillen an sein Vaterland.

Pierre Le Gros ist einer der vorzüglichsten Bildhauer seiner Zeit, und nur in jener muss man den Standpunkt zu seiner Würde suchen. Der Geschmack in der Kunst war damals nicht der Beste; man gefiel sich in Uebertreibung, und an die Stelle des charakteristischen, genau bezeichnenden, Ausdruckes trat Süßlichkeit, übermässige Geberdung etc., um Seelenstimmung oder Leidenschaft zu bezeichnen. Die wahre Schönheit der Antike erkannte man nicht, und auch Le Gros erfasste sie nicht. Sein Silence in Paris, eine Nachahmung der Antike, hat keineswegs die Strenge und Ge- nauigkeit, die edle Einfachheit, welche in den Antiken herrscht. In der Arbeit zeigt sich aber grosse Zierlichkeit. Le Gros hatte bei seinen Arbeiten für Versailles zwar die Antike im Sinne, es sind diese aber nur geistlose Produkte, die nichts mit den Wer- ken der Alten gemein haben. Cicognara sagt daher in seiner Storia della Scultura, dass man sie eher französische Paraphrasen grie- chischer Statuen als treue Nachahmungen nennen kann. Das ganze Verdienst besteht in der technischen Behandlung, in welche man seit Bernini Alles legte. Um Wahrheit und Einfachheit der Natur kümmerte man sich nicht. Jene Zeit forderte es aber nicht; man glaubte im Gegentheil auf der Spitze der Kunst zu stehen. Indes- sen sind einige seiner Werke höher zu achten, als jene des Ber- nini, wie z. B. die Statue der heil. Theresia in Turin, in welcher der Ausdruck von Läiche und Frömmigkeit sehr gelungen ist. Auch die Stellung ist edel, und schön die Gewandung.

— Die Statue des heil. Dominicus in der Peterskirche in Rom hat Dori gestochen.

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