Grimm, Ludwig Emil

Grimm, Ludwig Emil, Maler und Kupferstecher von Hanau , kam um das Jahr 1808 noch sehr jung nach München , und hatte das Glück im Kreise der schätzbaren Familie des Professors und Ku- pferstechers Karl Hess aufgenommen zu werden, unter dessen Lei- tung Grimm bald die erfreulichsten Fortschritte machte. Er wählte gleich anfangs die Radier-Nadel, versuchte sich aber auch mit dem Grabstichel ; allein die an freieren Schwung bereits gewöhnte Hand wollte sich der geregelteren Taille des Grabstichels nicht recht fü- gen, und so kehrte er ausschliesslich zur Radier-Nadel zurück. Doch verband er, wo es Kraft und Harmonie erforderten, mit der ersten die kalte Nadel.

Insekten , Figuren und Köpfe, am meisten und liebsten, Bildnisse

von ausgezeichneten Formen und Charakteren, worin Leben, Wahr-

heit und Natur, mit kräftiger Modellierung der charakteristischen

Teile sehr treffend wieder gegeben sind. Seine Behandlung der

Nadel ist frei, die Gegenstände sind bald leicht und hell, bald

kräftig und in dunkleren Schatten klar gehalten, aber durchge-

hends rein, zierlich und zuweilen bis zur Vollendung ausgeführt.

In diesem Geiste hat Grimm in verschiedenen Jahren von 1811 —

1817 zu München, wo er fünf Jahre die Akademie besuchte, um

in den Wintermonaten durch das Studium nach dem Nackten sich

die nötigen Kenntnisse des menschlichen Körpers zu verschaffen,

theils auch zu Cassel und Rom eine Menge Blätter radirt, welche

hauptsächlich einzeln im Besitze der Kunstliebhaber sind. Nur

36 Blätter davon erschienen zu Cassel im J. 1825 in einem Hefte

vereinigt. Grimm gehört zu den besten jetzt lebenden Künstlern

seines Reiches.

Er machte auch gleichzeitige Versuche in der Ölgemälde-

malerei, worin er zuerst in seinem eigenen Bildnis sein Talent für

die Behandlung der Ölfarben erprobt hatte. Inzwischen unter-

brach der Krieg die Laufbahn des Künstlers, wiewohl nur auf

kurze Zeit. Er stellte sich im Jahre 1813, auf den Ruf seines

Churfürsten als Offizier in die Reihen väterländischer Krieger ge-

gen Frankreich, kehrte jedoch mit dem Frieden im folgenden Jahre

nach Cassel zurück. Im Jahre 1816 kam er nach München, be-

suchte von da aus im Frühjahre Italien, und beschäftigte sich dann

vom Herbste desselben Jahres bis zum Anfange des Jahres 1818 in

München mit Malen und Radieren, worauf er sich in seiner Hei-

macht niederließ. Von jetzt an trieb er die Malerei ernstlicher,

und mit welchem glücklichen Erfolge seine Bemühungen hierin

belohnt wurden, zeigt seine Madonna, in einer Landschaft auf

einem Rasen sitzend, rückwärts St. Joseph und zur Seite St. Georg

und St. Augustin in Mönchstracht. Das Bild besitzt ausgezeichnete

Schönheiten; die Zeichnung ist korrekt, Charakter und Ausdruck

der Figuren bezeichnend, die Carnation voll Wahrheit und Na-

tur, Behandlung und Auftrag der Farben meisterhaft, ungemein

zart, mit nötiger Bestimmtheit in der Modellierung des Kunden

und von erfreulicher Klarheit der Töne, mit warmem Gefühle für

Harmonie ausgeführt. Andere Bilder von der Hand dieses Künst-

lers, meist religiöse Gegenstände, sind in den Privatgallerien des

Churfürsten von Hessen-Cassel und im Besitze der Churfürstin.

Die Letztere besitzt ein größeres Gemälde mit der hl. Elisabeth,

wie sie die hl. Sterbsakramente empfängt. Auch zu Aschen und

Frankfurt sind Bilder von Grimm. Seit 1832 bekleidet er die

Stelle eines Professors an der Malerakademie in Cassel.

Die Radierungen dieses Künstlers bestehen etwa aus 100 Blättern.

Die Bildnisse von Luther und Melanchthon, nach Cranach, für

Mattheus‘ Predigten, herausgegeben von Arnim. Berlin.

Das eigene Bildnis des Künstlers.

Das Bildnis der Frau von Savigny,

Jenes des Herrn von Savigny.

Bildnis der Bettina von Arnim,

Das des Jakob Grimm.

Jenes des General Wilk. von Dörnberg.

Portrait des Maximilian Imhof, kl. fol.,

Dam. Artaria, nach P. Kraft, kl. fol.

Das Bildnis eines Mädchens.

Jenes eines Kindes.

Ein Kopf nach Holbein, Dr. Marheineke, nach Krüger. Büste eines jungen Mannes mit Baret, Eine Bäuerin mit zwei Kindern. Bauer und Bäuerin von Schliersee, 2 Bl. Ein Mann im Profil mit gefalteten Händen. Bärtiger Mann in einem Pelzrocke. Brustbild eines römischen Kriegers, nach R. Langer. Zwei Brustbilder bärtiger Männer; der eine legt die Hand auf das Kinn, Gruppe von Hirten, nach Langer. Drei weibliche allegorische Gestalten, Kinderspiel in Churhessen, Eine alte Zigeunerin, wahrsagend, Zigeunerkinder. Sechs Blätter Mohren. Zwölf Blätter mit Löwen. Ein Camel, Ansicht einer Landkirche, Amor, nach Correggio. St. Catharina, nach einer Statue am Dome zu Regensburg. Jussiter auf dem Adler ruhend, nach R. Langer. Die Blätter dieses Künstlers sind noch nicht alle dem Publikum bekannt.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_FYTrAAAAMAAJ