Greuze, Johann Baptist

Greuze, Johann Baptist, berühmter französischer Maler, geb. zu Tonneins , gest. zu Paris 1805. Sein erster Meister in der Malerei war Landon zu Lyon , und dann ging er nach Paris , um an der Akademie seine Studien fortzusetzen. Erst spät, als er schon der Akademie angehörte, fand er Gelegenheit Italien und Rom zu sehen, und nach seiner Rückkehr liess er sich in Paris nieder. Hier gründete er seinen Ruf durch verschiedene Gemälde mit Darstellungen aus dem gesellschaftlichen und häuslichen Leben, welche die Franzosen Tableaux de genre nannten, eine Benennung, die jetzt auch in Deutschland gewöhnlich ist, die aber zuerst bei Greuze und seinen Nachahmern angewendet worden zu sein scheint.

Greuze, Johann Baptist.

Das erste Bild, das ihm grossen Beifall erwarb, stellt einen Hausvater dar, wie er seinen Kindern die Bibel erklärt, gestochen von Martenaise. Schon schön ist sein sterbender Hausvater in der kaiserlichen Eremitage zu St. Petersburg , bekannt unter dem Na- men: la petite fille; noch grösseren Ruhm aber machte ihm die Darstellung, la pleureuse genannt. Es ist dieses ein junges Mäd- chen, das einen Vogel beweint, von Diderot mit Geist und Witz beschrieben. Im französischen Museum ist jenes Bild, welches unter dem Namen der Malediction paternelle bekannt wurde, ge- stochen von R. Gaillard und im Umriss im sechsten Band von Kre- veils Musée. Dieses Bild trägt mit Unrecht den Namen; denn es ist nicht des Vaters Fluch, sondern nur die gewaltige Entrüstung desselben über den undankbaren Sohn. Der Künstler nannte es bei der Ausstellung von 1765 auch wirklich: Fils ingrat, und als Pendant dazu gab er den Fils puni, 4 Sch. hoch, 5 Sch. breit. Ein anderes Gemälde heisst man: la fiancée oder Vaccordee de vil- lage, ebenfalls im Musée royal, und von Flipart gestochen. Die- ses Bild stellte der Künstler 1761 zuerst aus und er nannte es da- mals: un mariage et l’instant où le père de l’accordée déliré la dot à son gendre. Andere Bilder von Ruf sind: Paveugle trompe; la bonne mère; le père dénaturé; Ste. Marie égyptienne; la petite fille au chien, nach Einigen das Meisterstück des Künstlers; le retour au chasseur; l’enfant au capucin; la dame de charité; le gâteau des rois; la fille honteuse; la bonne éducation; la paix du menage; la cruche cassée; la benediction paternelle etc. Man hat von Greuze nur ein einziges, nicht ganz fehlungenes, historisches Bild: Severus und sein Sohn Caracalla; alle übrigen sind Genre- stücke und Porträts. Fast alle seine Werke wurden gestochen, von Flipart, Massard, Vater und Sohn, etc. Heut zu Tage sind diese Gemälde in verschiedenen Galerien zerstreut.

Greuze hinterliess zahlreiche Werke, die den Produkten seines Zeitgenossen Boucher gerade entgegenstehen. Er verletzte nie die guten Sitten, und stets treuer Beobachter des National- Eigenthüm- lichen ist er auch immer geistreich, ein höchst schätzbarer Künst- ler seiner Zeit. Er verstand es, korrekt zu zeichnen und kräftig zu coloriren, überschritt aber öfter die strenge Grenze der Natur und wurde manierirt, in Zeichnung, wie im Färbung. Er hatte nur eine reizende Manier. Seine Formen sind gewählt, und den Köpfen wusste er Anmuth und treffenden Ausdruck zu verleihen, der ganzen Composition Grazie und Zierlichkeit, bei aller Ein- fachheit. Doch wiederholt er sich oft in den Physiognomien, da er gewöhnlich seine schöne, sentimentale Frau zum Muster nahm. Solcher Gestalten bedurfte er, da es bei ihm fast immer auf das Rührende abgesehen war. Greuze hatte unleugbare Verdienste, er fand aber nie einstimmig das gebührende Lob. Mit der herrschen- den Schule hat er nichts gemein.

Er war ein guter, edler Mann, der alle Schleichwege vermied. Gegen die Damen war er ausserordentlich galant, und geistreich, wie er war, wusste er ihnen stets mit Anmuth viel Schönes zu sa- gen. Er fühlte seine eigene Überlegenheit, aber seine Eigenliebe steigerte sich auch öfter bis zur Narrheit, was Abneigung und Ver- zicht auf die sonst ihm gebührende Achtung erzeugte. Er war einer der fruchtbarsten Künstler, und es fehlte ihm auch nicht an reichlichem Erwerb. Doch hatte ihn die Revolution und häusliches Unglück seines bedeutenden Vermögens beraubt, und als Greis musste er sich dürftig durch seine Arbeit fristen. Seinen zwei Töchtern hinterliess er nur das Andenken an seinen Ruhm. Seine Gemälde werden noch immer sehr hoch gehalten, die

Nagler’s Künstler- Lex, V, Bds. 24

Gesellschaftstücke, wie die Porträts. In der 1835 stattgehabten Auktion von Lafitte’s Gemälden ging ein Kopf für 6700 Fr. weg.

Das Portrait dieses Künstlers, in Medaillon, hat Flipart gestochen, und auch er selbst soll einige Blätter geätzt haben. Eines seiner Werke hat den Titel: Divers habillements suivant le costume de l’Italie, dessinés par Greuze, grav. par J. B. Moitte, Paris 1768, 24 Bl. in fol.

Die Angabe des Geburtsortes dieses Künstlers weicht ab. In einigen Schriften ist es Tournus, nach Gabet Tonneins. Auch das Geburtsjahr schwankt zwischen 1720 und 1727 und das Sterbjahr zwischen 1805, 1806 und 1807.

Seine Gattin, Anna Gabriele Babuty, und eine seiner Töchter waren ebenfalls in der Malerei erfahren.

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