Gravelle, Michel Ph. Levesque

Gravelle, Michel Ph. Levesque, de, Parlamentsrath zu Paris , auch Zeichner und Kupferstecher , der sich durch ein Werk be- kannt machte, welches antike Edelsteine in geätzten Umrissen ent- hält, unter dem Titel: Recueil de pierres gravées antiques. 1732—37, 2 tom. 4, mit 101 und 105 Blättern. Man hat auch noch andere Blätter von diesem Dilettanten. Basan legt ihm zwei Nymphen nach Boucher bei. Wir glauben nicht, dass Louis de Gravelle von unserm Künstler verschieden sei. Von einem solchen Künstler, ebenfalls Parlamentsrath, werden im Cabinet Paig- non Dijonval sieben kleine Blätter mit mythologischen Darstellun- gen erwähnt, die wahrscheinlich zu obigem Werke gehören; fer- ner ein Opfer an Priap.

Die Zeichnungen in dem erwähnten Recueil sind leicht und geistvoll, aber die Umrisse üchtig, wesswegen sie keine richtige und wahre Idee geben.

W Gravelot, Hubert Franz, Zeichner und Kupferätzer zu Paris, der Bruder des berühmten Geographen Danville, und er selbst heisst eigentlich Hubert Franz Danville. Er wurde 1600 zu Paris geboren, und erst im 30. Jahre fing er an, bei Restout im Zeich- nen und Malen sich fleißig zu üben; denn früher liess ihn eine ausschweifende Lebensweise zu keiner Ruhe gelangen. In der Folge ging Gravelot nach England , wo er sich durch seine Zeich- nungen mit Ornamenten für Bijouterie- und Goldschmieds- Arbeiten und durch seine Blätter für Buchhändler Beifall erwarb. Inzwischen konnte er auch Figuren zeichnen, und er bewirkte in Eng- land eine Vereinigung mehrerer Künstler, die sich nach akademi- scher Weise mit der Darstellung des menschlichen Körpers be- schäftigten. Bei dem 1745 erfolgten Ausbruch des Krieges kehrte er endlich nach Frankreich zurück; aber Gravelot erwarb sich auch in Paris grossen Beifall, sowohl wegen seiner Kenntnisse, als wegen seiner Kunst. — Er lieferte eine beträchtliche Anzahl von Zeich- nungen, in denen Fruchtbarkeit des Geistes und genaue Durch- führung des Gegenstandes nach allen Theilen sich offenbaren. Im Costüme, in der architektonischen Darstellungsweise und der Li- nearperspektive hatte er ungewöhnliche Kenntniss, und Geschmack in allen Dingen, nur muss man nicht vergessen, dass der Ge- schmack seiner Zeit gerade nicht der reinste war. Um sich einen Begriff von seinem Talente zu machen, muss man die Composi- tionen betrachten, welche er für die durch Luneau de Boisger- main besorgte Ausgabe von Racine, für Marmontel’s Erzählungen, für die Ausgaben des Corneille, Boccaccio und Ariosto, Kir Pan-

  • coucke’s Prachtausgabe des Voltaire lieferte. Letzterer liess ihm

Gravenstein — Gray, T. W. 343

freie Wahl des Gegenstandes. Nach seinen Zeichnungen sind auch die Kupfer in Conti’s Secchia rapita und zu dessen Jerusalem.

Man hat von ihm auch eine Sammlung von 00 kleinen alle- gorischen Figuren mit den Numern der Lotterie der Militärschule, Jedes Blatt mit einem Madrigal begleitet. Gravelot ist auch der Betreiber des Textes und der Figuren in der Iconologie par figures ou traité des allegories, emblemes etc., von Lattré herausgegeben. Dieses Werk kam zu Gravelot’s Lebenszeit nicht ganz zu Stande, und Cochin führte es weiter. Es ist dieses dieselbe Sammlung von Kupfern, welche unter dem Titel: Almanac iconologique von 1773 an erschien. Von ihm sind auch die meisten Cartouche von d’An- ville’s Charten.

Gravelot starb 1773. Er lebte in späterer Zeit eben so einge- zogen, als früher ausschweifend. Seine Lieblingsbeschäftigung war die Lektüre. Seine Zeichnungen haben die besten Künstler seiner Zeit in Kupfer gebracht.

In einigen bibliographischen Werken heißt dieser Künstler H. F. Bourguignon dit Gravelot, und so könnte man glauben, sein rechter Name sei Bourguignon, was aber nach der Biographie universelle nicht richtig zu sein scheint.

Gravenstein, dessen Füssly nach dem Cataloge von Nothnagel er- wähnt, ist wohl der oben erwähnte Graffenstein.

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