Graff, Anton, Portraitmaler, geb. zu Winterthur 1750, gest. zu Dresden . Zu dem Gewerbe seines Vaters, eines Zinngießers, bestimmt; konnte er nur mit Mühe die Erlaubnis erhalten, die damals gerade eröffnete Zeichnungsschule von U. Schellenberg zu besuchen; Hier bestimmte er sich für das Portraitfach. Nach Ver- lauf seiner drei Lehrjahre kam er (1750) nach Augsburg , wo er sich jedoch von der Malerzunft bald gezwungen sah, seiner Be- schäftigung zu entsagen, aber durch J. Haid’s Vorsorge wurde er vom Hofmaler Schneider aus Ansbach als Gehülfe angenommen. Wäh- rend seines anderthalbjährigen Aufenthaltes in Ansbach wirkte er ein ganzes Jahr hindurch das Portrait des Königs von Preußen , und er machte alle Tage eines fertig. Seine müssigen Stunden be- nützte er zum Studium der im Schlosse daselbst befindlichen Ge- mälde von Rigaud und Kupetzky. Letzteren wählte er besonders im Colorit zum Vorbilde, um die Harmonie der Farben zu studieren; von Rigaud lernte er die ihm nachher eigenthümlich gewordene schöne Behandlung der leichten Gewandung. Auf Veranlassung J. Haid’s ging er 1750 wieder nach Augsburg, wo er um wenig Geld schon werthvolle Köpfe malte. Das erste Portrait, das er malte, war jenes des J. Fr. Bause aus Halle, der auf kurze Zeit
„Nachdem er als junger Mann gekommen war, um bei einem Kupferstecher den Grabstichel führen zu lernen. Dieses Bild war der Anfang der lebenslänglichen Freundschaft mit diesem nachher berühmten Künstler , der so viel nach Graff gestochen, dass man sagen kann, sie haben wechselseitig, der eine mit seinem Pinsel, der andere mit seinem Grabstichel, ihren gemeinschaftlichen Ruhm befördert. Von dieser Zeit an wurde Graff immer mehr bekannt. Zu seiner weiteren Ausbildung trug auch seine Kundschaft (wie es die alten Maler hießen) mit dem Tiermaler J. E. Ridinger und eine Reise bei, die er nach München machte, wo er in Schleissheim das erste Mal eine Gemälde-Galerie erblickte, und Gelegenheit hatte, das Größte in seinem Fache mit dem, was er leistete, zu vergleichen. Auch in Regensburg malte er viele Porträts, meistens auf Pergament, aber auch in Öl, besonders in den Gesandtschaftshäusern. Endlich wurde er auf Veranlassung Hagedorns als sächsischer Hofmaler angestellt und als Mitglied der Akademie aufgenommen, mit 400 Thaler Gehalt, der später auf 700 Thaler erhöht wurde, da er 1788 den Ruf nach Berlin mit 1400 Thaler jährlicher Besoldung ablehnte. In Dresden malte er mehrere Gelehrte und Kaufleute; das meiste für den Buchhändler Reich zu dessen Sammlung von Porträten deutscher Gelehrten. Für Reich malte er Gellert, Weisse, Mendelssohn, Spalding, Ramler und Sulzer, dessen älteste Tochter er zur Frau erhielt. Seiner häufigen Arbeiten in Dresden ungeachtet unternahm er noch kleine Reisen, auf welchen er in Karlsruhe und Töplitz die meisten von den so beliebten und geschmackvollen kleinen Köpfen auf Pergament mit Silberstift zeichnete, die sich nach einem vorgefundenen Verzeichnis von 1783 bis 1800 über 300 beliefen, und von denen er sich jeden mit drei Dukaten bezahlten ließ. Für seine Öl-Gemälde forderte er 30 bis 50 Thaler. Seine liebsten Ausflüge aber gingen nach der Schweiz. Graff malte und zeichnete indessen nicht bloss Köpfe; er malte mit Erfolg auch mehrere große Familienstücke und in letzterer Zeit versuchte er sich mit Glück in der Landschaftsmalerei. Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen aber war das Kopieren berühmter Meisterstücke auf der churfürstlichen Galerie, weil er sagte, dass man die wahre Behandlung und Farbenschönheit eines Gemäldes nur durch den Pinsel entdecken könne, und dass bloßes Beschauen für den Maler nicht hinreiche. Mehrere der berühmtesten Gemälde der Galerie kopierte er für den russischen Hof. Wenn er mit den Personen, die er malen sollte, einige Zeit vorher Umgang pflegen konnte, so war ihm das sehr lieb; da lauschte er unvermerkt auf ihre beste Miene, beobachtete ihre eigenthümliche Haltung und studierte die natürlichsten und passendsten Farbtöne des Gesichts, um alles dieses nachher im Bilde anzubringen. So gelangte er durch scharfes Beobachten, durch unausgesetztes Studium und weise Benützung seines Talents, zu dem Grade der Vollkommenheit, auf welchem ihn das unpartheiische Deutschland bewunderte; er trat in die Fußstapfen Van Dyk’s. Schon durch die eigenen, der individuellen Natur abgeborgenen Stellungen gab er seinen Porträts einen vorzüglichen Werth, und durch seinen tiefen Blick in das Innere, wusste er das Edle eines Charakters herauszubeleben und mit der Aehnlichkeit zu verbinden; alles in kräftiger Darstellung, fester Zeichnung, ohne Ziererei und künstlerische Manier, mit leblichem frischem Colorit, verständiger Harmonie, kühnem Pinsel und dauerhaften Farben. Die geschicktesten Kupferstecher Deutschlands, Müller, Bause, Lips u. a. haben nach Graff gestochen. Er hatte ein grosses Buch, worin er von Anfang an alle seine Arbeiten mit dem Namen der abgebildeten
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ten Personen und den Preisen aufzeichnete. In demselben finden sich von 1750 bis 60 in Augsburg, Regensburg u. a. 207 ge- malte Porträts; 13 Originalgemälde, von 1766–73 in Dresden und an anderen Orten gemalt; 415 Copien; zusammen 1655 gemalte Bilder, dazu kommen noch 322 Zeichnungen mit Silberstift und einige Landschaften a la prima in Öl. In der Schweiz finden sich ebenfalls viele seiner Gemälde; seine Vaterstadt allein besitzt über 60 Stücke. Er erzeugte in seiner glücklichen Ehe zwei Söhne, von denen einer 1801 als Referendar beim Stadtgericht in Dresden starb, der andere aber als verdienter Maler daselbst lebte. Eine Tochter war mit dem für die Kunst zu früh verstorbenen Maler Kaatz verheiratet. In seiner letzten Lebenszeit wurde er noch zum Mitglied der k. k. Akademie zu Wien und der k. Akademie der Künste zu München ernannt.
Man hat von Graff auch drei jetzt seltene radirte Blätter: Sein eigenes Bildnis (sehr selten mit Croquis im Unterrande), jenes des Professors Sulzer und des Kaufmanns Basse (eben falls sehr selten mit Einfällen),
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