Grade aus, auf welchem sie als materielle Beschäftigung, als Bearbeitung des Kupfers mit dem Grabstichel, unser Erstaunen erregt. Er ist Meister der Strichmanier, wenn wir die Meisterschaft auf die materielle Arbeit beschränken. Die Freiheit seiner Schrafthre, die Glätte und Reinheit seiner Striche, die Gewandtheit in den Lagen derselben, wie er dies im Porträt seines Lehrers Theodor Coornhärt und in seinem eigenen Bildnis zeigt, wird ein Muster für alle bleiben, die sich in der Kunst des Stiches üben wollen. Ebenso meisterhaft zeigte er sich in der zarten Arbeit, wo die feinsten Striche vor dem Auge zu leichten durchsichtigen Schatten in einander verschmelzen, wie wir an seiner Venus mit Amor, und am Fahnenträger bewundern müssen. Auch er war einer von denen, welche, wie Bernhard Picart, die Welt durch Nachahmung einer fremden Manier zu täuschen suchten. Durch 6 Blätter: die Verkündigung Mariä, in rafaelischer Manier, die Heimsuchung, die Beschneidung Christi, im Geschmacke Dürer’s, die Anbetung der Weisen, in der Manier des Lukas von Leyden, die Anbetung der Hirten, im Geschmacke des Bassano , eine heilige Familie, worin er den Friedrich Barocci nachahmte, Blätter, welche seine Meisterstücke genannt werden, — trat Goltzius in Wettstreit mit den anerkannt besten Meistern. In der Beschneidung hat er Dürer und in der Anbetung der Könige Lukas von Leyden, wenigstens erreicht, wo nicht übertroffen. So siegreich er aus dem Wettstreit hervorging, wo es auf Erreichung einer künstlerischen Fertigkeit ankam, so nachtheilig muss der Vergleich zwischen seinen und den Werken solcher Meister ausfallen, wo das Geistige das Alleinherrschende ist, und die Technik und Darstellung ganz von jenem bestimmt und bedingt wird. So zeigt das Blatt in dieser Folge, auf welchem er die Verkündigung darstellte, wie er nicht bloss Rafael missverstanden, nein, wie er keine Ahnung von jenes Künstlers Geist gehabt hat. Wie fest auch vor ihm das Heiligthum der Kunst verschlossen blieb, da er es immer außer sich und immer auf fremder Spur suchte, wie dies aus seiner Nachahmung des Lucas von Leyden, (die Leidensgeschichte Jesu in einer Folge von 12 Blättern) und einer hyper-michelangelo’schen Zeichnung zu ersehen ist, so war doch in ihm ein Drang zum Edlen und Grossen, der nur nicht als erwärmendes, reifendes, sondern als zerstörendes Feuer an seinem Leben zehrte. Den Rückweg zum verlorenen Paradies suchten viele vergebens, und mit Rafael und seinen nächsten Nachfolgern war das hochbeglückte Geschlecht ausgestorben. Doch ist es Goltzius, welcher die Arbeit mit dem Burin zu solcher Vollkommenheit brachte, dass die Kupferstecherei nun eine eigenthümliche Kunst wurde und von der Malerei sich losriß. Da aber die Kupferstecherkunst auf dem Standpunkt, wohin sie Goltzius getrieben, so grosse, fast ausschliessliche Übung erforderte, bedienten sich die Alten zur Vervielfältigung ihrer Skizzen nur noch der Radiernebel, und gewöhnten sich an flüchtige Entwürfe. Von nun an zerfällt die Kupferstecherkunst in zwei Abteilungen: in eigentliche Stecherkunst und Radierung. Vgl. I. G. von Quandt's Entwurf zu einer Geschichte der Kupferstecherkunst. S. 68 ff.
Nachrichten über das Leben dieses Künstlers gibt uns C. van Mander, und diese verdienen wohl das grösste Vertrauen, da sie von Goltzius Zeitgenossen kommen. Sandrart und Descamps haben ebenfalls biographische Notizen über diesen großen Künstler gegeben. Das Urteil des Levesque über die Leistungen des H. Goltzius gibt auch Bartsch in P. gr. III. 7 f. Dieser Schriftsteller beschreibt auch die Blätter dieses Künstlers in einer Anzahl und Genauigkeit, wie nirgends zu finden. In der Zeichnung folgte Goltzius
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