Gozzoli, Benozzo

Gozzoli, Benozzo, berühmter Maler von Florenz , geb. (nach Vasari) 1400, gest. zu Pisa nach 1485. Dieser höchst merkwürdige Künstler war der Schüler des frommen Angelico da Fiesole, aber er suchte die Anmuth dieses Meisters mit Masaccio’s Grossartigkeit zu paaren, wodurch er sich einen sehr zierlichen und veredelten Styl bildete. Er hatte eine reiche und blühende Phantasie, und eben so heiter ist seine Farbenpracht. Hierin kommt er dem An- gelico gleich, aber in der zarten Innigkeit, im Seelenvollen steht er mit diesem Meister nicht auf gleicher Stufe. Während Ange- lici’s Gestalten den Himmel schauen oder die Wonne der Seligkeit

Gozzoli. — Benozzo.

empfinden, wallen, jene Benozzo’s auf der Erde, doch in aller

Läugnmiirdigkeit. Gozzoli zog alles Geschaffene in seinen Kreis,

und Alles dieses athmet Natur, jedes Wesen nach seiner Indivi-

dualität. In seinen Bildern spiegelt sich gewöhnlich seine Zeit.

Es treten uns Porträts von Lebenden entgegen, in denselben Ge-

wändern, mit jeder Kleinlichkeit damaligen Gebrauches. Oft ge-

fiel er sich in seltsamen, heiteren Einfällen und in ungemeiner

Pracht der Gewandung, an welcher dann das Gold verschwendet

ist. Im Landschaftlichen besitzt er für seine Zeit ausserordentliche

Stärke, und die Hintergründe sind wahrhaft bewunderungswürdig.

Doch ist er hierin nicht mit den Brüdern van Eyck und mit Hem-

ling zu vergleichen. Diese Meister sind in der Luftperspektive

schon vortrefflich; dem Benozzo, so wie allen Italienern jener

Zeit, gebricht es hierin noch bedeutend.

Die früheren Werke dieses Künstlers sind zu Monte falco in

der Kirche S. Fortunato. Hier sieht man an der rechten Wand

eine das Kind anbetende Madonna mit dem Engel zur Seite, der

die Handtrummel schlägt, und auf der Base steht: Benozzii ...

Florentia ... CCCCL. Hinter dem Altare ist eine vollständige Al-

tartafel von seiner Hand, die hl. Jungfrau vorstellend, wie sie dem

hl. Thomas den Gürtel reicht. An den Pfeilern sind sechs Hei-

lige und die Altarstaffel enthält sechs Bilder aus dem Leben der

Maria. Auch in einer Seitenkapelle in S. Francesco zu Monte falco malte

dieser Künstler, nach der Aufschrift: Opus Benozzii de Florenzia

1446, zu urtheilen. In allen diesen Gemälden zeigt sich die An-

hänglichkeit an die Darstellungsweise des Meisters und auch noch

in der Chorkapelle derselben Kirche verräth sich ein leiser Nach-

klang der Gemüthsstimmung Angelico’s, obgleich Benozzo hier

schon anfängt, sich jener schülerhaften Befangenheit zu entschla-

gen und in eigenthümlicher Kraft hervorzutreten. Diese Gemälde

sind im Ganzen, mit Ausnahme des gotischen Gewölbes, wohl er-

halten. Sie enthalten an den Wänden in zwölf Abtheilungen die

Lebensgeschichte des hl. Franz.

Im Dome zu S. Gimignano sieht man von seiner Hand gemalt

den Tod des hl. Sebastian, ein mittelmäßiges Bild mit dem Na-

men des Künstlers und der Jahrzahl 1465. Im Chore dieser Kirche

ist eine Altartafel. Ein weiteres Feld, und mehr Aufforderung sein

Bestes zu leisten, fand Benozzo früher in der Augustinerkirche

desselben Ortes. Hier malte er 1464 zunächst an einer Seitenwand

des Hochaltares den hl. Sebastian, und in der Chorkapelle die

Brustbilder der Apostel über dem Altare; im Kreuzgewölbe die

vier Evangelisten und an den Wänden 16 Lebensereignisse des

hl. Augustin, mit belebten und ausdrucksvollen Köpfen.

Berühmt sind Gozzoli’s Bilder in der Kapelle des Palastes

Riccardi zu Florenz. Hier malte er den Zug der hl. drei Könige

mit einem zahllosen Gefolge von Bildnisfiguren, ein wahres Prunk-

gemälde. Die Verzierungen der Helme, Waffen, Pferdezäume u.

w. sind mit Gips aufgesetzt, und so wie vieles in den Gewän-

dern vergoldet, ...

Benozzo’s letztes und umfassendstes Werk sind die Malereien

im Campo santo zu Pisa, ein ungemeines Werk von 23 reichen

und grossen Compositionen, die Guzzoli, wie man öfter irrig

liest und sagen hört, in zwei Jahren allein vollendet haben soll.

Der letzte Künstler, welcher vor Benozzo im Campo santo malte,

heisst Pietro di Puccio, der daselbst erweislich bis 1302 arbeitete.

Zu jener Zeit trat für Pisa eine traurige Epoche ein. Die Kriege

gegen Genua und Florenz verarmten und demüthigten die Stadt,

und sie hatte kein Geld mehr, um den leeren Raum bemalen zu lassen. Dieser blieb also bis 1 leer, und Benozzo ward berufen, ihn auszufüllen. In dem bezeichneten Jahre wurden dem Künstler die ersten sieben Bilder verdingt, und die Weinlese des Noah war das erste, welches ihm mit 66 fl. und 2 tersi larghi bezahlt wurde. Jetzt fuhr er ohne Unterlass bis 1485 im Malen fort und daher brachte er 16 Jahre mit dem Werke zu, nicht zwei. Somit übertreibt auch Vasari, wenn er sagt, dass eine Legion von Ma- lern in einer so kurzen Zeit nicht mehr gefördert haben würden. Allein Vasari nimmt an, dass Benozzo schon 1478 gestorben sei, und nach diesem Schriftsteller findet man häufig dieses Jahr als das Todesjahr des Künstlers bezeichnet. Die Veranlassung zu die- ser Meinung gab die Inschrift im Campo santo, die 14178, noch bei Lebzeiten des Künstlers gesetzt wurde. Sie lautet: Hic tumu- lus est Benozzi Florentini, qui proxime has depinxit historias. Hunc sibi Pisanorum donavit humanitas. A. S. MCCLXXVIII. Zu dieser Zeit haben die Pisaner dem Künstler eine Grabstätte ge- schenkt, aber dieser ist erst später gestorben, und wahrscheinlich im Campo santo begraben worden; doch weiß man nicht wann. Im Jahre 1485 den 11. Mai wurden ihm die letzten Raten ausbe- zahlt, und zwar für die Geschichte Davids und den Besuch der Königin von Saba. Die Belege sind in den Notizie inedite delle Sagrestia pistojese de belli arredi del campo santo pisano etc. Fi- renze 1810 abgedruckt, s. auch Förster’s Beiträge etc. S. 131. Einen Begriff von der Herrlichkeit und dem Reichtum der Compositionen des Campo santo kann man sich durch Lasinio’s Stiche machen, doch nicht von dem inneren Leben, welches in Be- nozzo’s Malereien klar hervortritt. Es herrscht in ihnen die größte Wahrheit und Mannigfaltigkeit in den Gesichtern, die reinste Be- zeichnung der Seelenzustände. Er wusste Ernst und Scherz, Ho- hes und Tiefes zu erfassen, und oft reizte ihn die Freiheit und Heiterkeit zum Mutwillen; das Bild der Trunkenheit Noah’s ist sprichwörtlich geworden. Nach einer Figur desselben bezeichnet man eine Person, welche Schamhaftigkeit heuchelt, mit Vergog- nosa di Pisa, deshalb so genannt, weil zur Rechten der bis an die Schamtheile entblösste Noah von einer seiner Töchter durch die vor das Gesicht gehaltenen Finger der Hand angesehen wird. Lasinio hat sich durch sein Werk (Pitture a fresco del campo santo, 1822, gr. fol.) doch großes Verdienst erworben; denn diese Gemälde werden mit der Zeit ganz zu Grunde gehen. Sie sind leider nicht a fresco, sondern a secco gemalt, und daher fallen sie täglich mehr ab. Auch Rumohr (ital. Forschungen II, 257 ff.) handelt von die- sen Malereien. Sie stellen folgende Gegenstände dar: Die Trun- kenheit des Noah; mit der Vergognosa, eine liebliche Darstellung und ein Meisterstück in Bezeichnung der Gemüthsbewegungen; Noah flucht dem Cham, ganz vorzüglich wegen der Landschaft; der Thurm zu Babel, merkwürdig wegen der Anordnung der vie- len Figuren, deren einige Bildnisse sind (Cosmo padre, della patria, Lorenzo magnifico, Giuliano de Medici, Angelo Politiano) und wegen der Architektur; Abraham und Lot reisen nach Ägypten, eine schöne Landschaft; Abraham’s Sieg über seine Feinde, sehr reiche lebendige Composition; Abraham bewirthet die Engel; der- selbe, wie er die Hagar fortschickt, mit der Episode, wie Sara die Hagar auspeitscht, und letztere in der Wüste, reiche Compositionen; der Sodom’s, höchst sinnreiche Vorstellung, merkwürdig durch die Kenntniss der Verkürzung, durch Stellung und Gebärden; Abraham’s patriarchalisches Leben und Isaak’s Opfer; die Freiung und Hochzeit der Rebecca, höchst reiche und schöne

Composition; die Geburt Jakob’s und Esau’s; der Verkauf der Erst- geburt; der Segen Jakobs, merkwürdige Compositionen, besonders auch wegen der Architektur; die Vermählung Jakob’s, ein
zartgefühltes Bild; Jakob und Esau begegnen sich, quater Porträts
in der vorderen Gruppe; die Kindheit des Moses und dessen Wunder, reiche Composition; der Zug durch das rothe Meer; Moses
erhält die Gesetztafeln; die Ruthe des Aaron, die eherne Schlange
und das goldene Kalb; die Geschichte des Joseph, in mehreren
lieblichen Darstellungen, besonders merkwürdig die Erkennungs-
Scene; der Fall von Jericho und David’s Streit mit Goliath. Die
von Benozzo gemalte Verkündigung wird von einigen irrtümlich
dem Taddeo zugeschrieben.

Von Benozzo Gozzoli werden in Italien auch noch kleinere
Bilder gezeigt. Eine interessante Sammlung von Werken dieses
Meisters hat die Akademie der schönen Künste zu Perugia.

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