Goujon, Jean, der geschickteste französische Bildhauer, den man sogar mit dem Beinamen des Phidias beehrte. Er war auch Architekt , aber weniger als solcher bekannt. Goujon war wirklich ein trefflicher Künstler , und es ist nur schade, dass ein Theil seiner Werke untergegangen ist. Die Zeit seiner Geburt ist unbekannt, so wie die genauen Verhältnisse seines Lebens. An sein Lebens-
Ende knüpft sich aber eine traurige Sage. Er war Hugenott und als
solcher den Eiferern der Bartholomäus-Nacht verfallen. Die
Königin warnte ihn, auf seiner Hut zu sein, aber eine Flintenkugel traf ihn tödlich, als er
eben auf das Gerüst des Brunnens des Innocents steigen wollte. So erzählt die Sage. Nach dem
Stil seiner Werke zu urteilen, scheint er in Italien gewesen zu sein, da aus seinen Werken reinere, durch das Studium der Antike erworbene Grundsätze sprechen, als dieses bei anderen Künstlern seines Vaterlandes der Fall ist. In der Plastik, besonders im Basrelief , erreichte er eine solche Superiorität, dass ihm keiner seiner Nachfolger an Vollendung der Arbeit, an Zierlichkeit und Grazie gleichkam. Man nannte ihn deswegen Le Corrège de la sculpture.
Jean Goujon stand dem Pierre Lescot beim Bau des Louvre zur
Seite, der größte Ruhm aber wurde ihm immer durch seine bildnerische Verzierung der Gebäude zu Theil, wie dieses mit der Fontaine der Unschuldigen, oder der Nymphen, der Fall ist, so wie selbst mit jenem Theile des Louvre, welchen Lescot aufführte. Dass er aber wirklich Architekt war, ist unläugbar. Es beweiset dieses eine französische Übersetzung des Vitruv, die zu Paris durch Jean Martin 1547 zu Stande gebracht wurde. In der Epistel an den König, in diesem wenig bekannten Werke, sagt der Übersetzer, dass Jean Goujon die neuen Zeichnungen concernantes de l’art de massonerie gefertiget habe; zugleich ersicht man daraus, dass Goujon als Architekt im Dienste des Connetable (Anne von Montmorency) gestanden und zu jener Zeit, als Martin schrieb, war er vom Könige bedienstet. Auch in der Vorrede sagt der Übersetzer, dass von Jean Goujon die Zeichnungen des Werkes herrühren, doch ist dieses nicht mit allen der Fall. Von Goujon rühren diejenigen her, welche sich auf die Säulenordnung und die Profile bezüglich, in welchen der Stil der Zeichnung und der antike Geschmack für unseren Künstler sprechen. Am Ende des Werkes gibt der Bildner selbst von seinen Zeichnungen Rechenschaft, in einer Abhandlung mit dem Titel: Jean Goujon, studieux d’architecture aux lecteurs salut.
Jean Goujon war also sogar königlicher Architekt, und als solcher dürfte er beim Bau des Louvre Theil genommen haben, so wie bei jenem der Fontaine des Innocents.
Sein Werk ist die Tribune mit den vier colossalen Caryatiden in einem Saale des Louvre, die Perault zu seiner Übersetzung des Vitruv von S. le Clerc stechen ließ. Dieses Werk überlebte alle Restaurationen des Louvre. Das Hôtel Carnaval zu Paris (rue Culture St. Catherine) wurde von ihm begonnen. Das Hauptportal mit den halberhobenen Löwen, und die ganze Konstruktion, verrathen den Geschmack und den Stil dieses Meisters. Den Bau vollendete wahrscheinlich Mansard.
Unter seine Hauptwerke der Plastik zählt man die fünf halberhobenen Figuren der Najaden an der Fontaine des Innocents, die Basreliefs der Kirche Notre-Dame sind aber zu Grunde gegangen, so die Sculpturen des neuen Marktes, der Thüre des Arsenals und jene von Croix Goline. Heinrich II. gebrauchte ihn zur Verzierung seines Schlosses d’Anet, das durch den Aufenthalt der Diana von Poitiers so berühmt wurde. Die Statue dieser Dame schmückte lange den Eingang des Schlosses; später wurde sie in die Mitte des Gartens der petits Augustins gesetzt, bis sie in die Galerie Angoulême gelangte. Alexander Lenoir hat mehrere von Goujon’s Werken vor jenen französischen Vandalen seiner Zeit gerettet und dieselben mit andern im Musée des monuments vereiniget. Neben an-
‚dern dageleit, welches den Tod und die Auferstehung ‚allego- ‚risch darstellt. Man sieht hier eine Nymphe, deren Lobemelodie ; ‚der Genius auslöscht. Hinter ihr sind Satyren, Fayne und Drya- ‘ _ den, Symbole ‚der Fruchtbarkeit, der Regeneration und der Un- „ ; sterblichkeit im ‚musikalischen Vereine. Von höchster Schönheit . ist das Basrelief, welches Christus am Grabe vorstellt, und von ” welchem Lenoir sagt, dass die Griechen nichts Besseres hervorzu- bringen im Stande gewesen. In das Museum kamen auch die . ‚Bronzen der Thüre des Schlosses von Anet, und ‚einige Sculpturen x reiki aus dem Schlafzimmer der Diana von Poitiers ; ferner die Mar- ' morgruppe der Diana auf den Hirsch gelehnt und von Hunden umgeben. Dieses herrliche Werk, so wie Christus am Grabe, liess Lenoir für das Musée des Monuments français III. IV, stechen. Eine stehende Statue der Diana mit dem Bogen zierte zu Lenoir’s Zeit das Schloss in Malmaison. Von Goujon sind auch die Sculpturen des Schlosses von Couen, welches der Connetable Anne von Montmorency 1517 während seiner Verbannung vom Hofe ver- schönerte; diese Werke hat man dem J. Bullant zugeschrieben, Audot aber hat die Bildwerke unserm Künstler vindicirt. Dieser Mann publicirte ein Werk: Oeuvre de J. Goujon, gravée au trait d’après ‚des statues et ses basreliefs par M. Reveil. Paris 1820 — 33. 18 Lieferungen in gr. 8. Im Jahre 1830 fand man beim Abbruche eines Hauses in der Bernhardiner Strasse zu Paris Sculpturen, die ebenfalls dem Jean Goujon zugeschrieben werden; doch sagen Kenner, dass diese Werke nicht aus der guten Zeit unsers Künstlers seyn können.
Jean Goujon fertigte für die Katharine von Medicis auch meh- rere Medaillen.
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