Goudt, Heinrich Graf v., Maler und Kupferstecher , geb. zu Utrecht 1585, das Todesjahr aber ist unbekannt; es erfolgte ungefähr um 1630. Voll herrlicher Geistesgaben, und beseelt von Liebe für alles Schöne bildete sich dieser treue Künstler eine eigenthümliche Manier, in welcher er mit dem Grabstichel die Leichtigkeit der Radierung mit der jenem Instrumente eignen Kraft und Nettigkeit vereinigte. Heinrich ging nach Rom , wo er der Freund und Wohlthäter vie- ler niederländischer Künstler wurde; besonders nahm er sich des unglücklichen Elzheimer von Frankfurt an, welcher als Wechsel- schuldner im Gefängniss schmachtete. So freigebig der Graf auch alle vorrätige Bilder dieses Künstlers bezahlte, so konnte er ihn doch nicht retten und Elzheimer starb früh vor Gram. Heinrich nahm sich auch vor, die Werke seines unglücklichen Freundes mit eigener Hand zu stechen und die Zartheit der Vorbilder zu errei- chen. Nach einigen in Italien glücklich verlebten Jahren kehrte er froh, und voll edler Vorsätze für die Kunst in seine Vaterstadt zurück. Hier ergriff ihn eine unselige Leidenschaft zu einem Mäd- chen, welche die Kräfte seines Geistes und Körpers zerstörte. Er verlor fast ganz das Gedächtniss und liess sich von der unwürdi- gen Geliebten und ihren Schwestern wie ein Kind behandeln. Nach den Ansichten der damaligen Zeit hielt Joachim von Sandrart, der ihn in den Jahren 1625 und 1626 oft besuchte, diesen Zustand für die Wirkung eines Liebestrankes. Nur bei dem Anblick der Ge- mälde seines Freundes Elzheimer und im Gespräch über Kunstge- genstände, erwachte aus tiefer Betäubung und erheiterte sich oft Heinrichs edler Geist. Sandrart spricht mit rührender Wärme von ihm, und schildert mit treffender Kürze sieben Blätter, welche er gestochen hat. (Deutsche Akademie II. Thl. III. Buch S. 308).
Da man überhaupt nur neun Blätter von Heinrich von Goudt besitzt, so scheinen zwei, welche Variationen von dem Blatte Tobias mit dem Engel sind, nach 1625, vielleicht in helleren Au- genblicken, von Heinrich gearbeitet zu sein. Die Trefflichkeit dieser Blätter ist allgemein anerkannt und es ist bemerkenswerth, mit welchem Enthusiasmus Sandrart darüber spricht. So sagt er: „Es ist dies zu sehn an einem verwunderlichen tiefsinnigen Land- schäftlein bei Nacht, so von weitem die Tagröthe zeigt.“ In der That ist dieser kleine Kupferstich so ergreifend, dass es erklärlich ist, wie Sandrart, davon hingerissen, von Tagesröthe spricht, da doch der Stich nur schwarz und weiss ist. Seine wenigen Blätter sind hauptsächlich auf Lichteffekte angelegt, und fast sämmtlich Nachtstücke,
„Blätter nach Elzheimer:
Der Engel mit dem jungen Tobias, der den Fisch trägt. H. Goudt Romae 1608. gr. qu. 8.
Diese Darstellung hat auch W. Hollar gestochen und Elzheimer selbst soll die nämliche Composition in Kupfer gebracht haben. Dieses sehr seltene Blatt ist etwas kleiner als jenes von Goudt, wenn nicht beide von ihm herrühren. Ein geätztes Blatt in 12 ist etwas anders in der Composition, und ohne Namen des Verferti- gers.
Der Engel mit Tobias, wie letzterer den Fisch hinter sich trägt, oder der grosse Tobias, H. Goudt sc. 1613. H. 7. Z. 4 L., Br. 9 Z. 6 L. — Bei Weigel 6 Thlr. 12 gr.
Der Glaube an die Eigenkunst Goudts ist verbreitet. Es ist bezeichnet: Goudt Palatinus Comes fecit, 1613; qu. 4
Landschaft mit der Flucht im Ägypten bei Mondlicht, rechts
das Feuer der Hirten. Es gibt davon Abdrücke mit der ganz deutlichen und undeutlichen Milchstraße am Himmel, 1613 H. 10 Z. 10 L., Br. 14 Z. 3 L. (Logette 73 Fr.).
Die Enthauptung Johannes des Täufers, Nachtstück, H. 2 Z. 5 I., Br. 1 Z. 41 L.
Dieses Blatt ist sehr selten.
Philemon und Baucis erzeigen dem Jupiter und Merkur Gast- freundschaft. H. Goudt, 1612, mit Dedication an seinen Vater. Es gibt Abdrücke ohne und mit der Inschrift am Rande. H. 6 Z., Br. 8 Z. 1 L.
Ceres, ihre Tochter suchend, trinkt aus dem Kruge einer Alten, während sie ein Knabe (Pellion) der Hastigkeit wegen verlacht, H. Goudt sculpsit et dicavit Romae 1610, capitalblatt. H. 10 Z. 8 L., Br. 8 Z. 6 L.
Dieses Blatt ist auch unter dem Namen der Hexe bekannt.
In der Auktion von Mariette wurden diese Blätter um 270 Fr. ersteigert, auf andern Auktionen galten sie 168 und 120 Fr. Man muss diese Blätter immerhin mit 5 — 8 fl. bezahlen.
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