Gondouin, Architekt, geb. zu Paris 1737, gest. 1818. Dieser Künstler, einer derjenigen, welche im vorigen Jahrhunderte bessere Grundsätze der Architektur in Frankreich zu verbreiten strebten, kam als Pensionar Ludwigs XV. nach Rom, um sich nach den Werken der alten Zeit in seiner Kunst zu vervollkommnen. Zu jener Zeit ging man überhaupt in Rom schon an, die Fehler der Borromini’schen Epoche einzusehen, da die Baukünstler doch nicht mehr ganz gleichgültig an den alten Bauwerken vorübergingen. Dazu kommt auch der Umstand, dass damals Rom nichts von Bedeutung mehr baute, um die vermeintliche Originalität eines Bernini und Borromini fortzupflanzen. Einem reineren Geschmacke in der Baukunst huldigend kehrte Gondouin nach vier Jahren wieder nach Paris zurück, und hier fand er jetzt durch den berühmten Chirurgen La Martiniere Gelegenheit, seine erworbenen Kenntnisse in einem bedeutenden Bauwerke darzulegen. Das Amphitheater in der Rue des Cordeliers war zu klein und der Doctor brachte es also dahin, dass sich Ludwig zum Bau eines neuen Gebäudes der chirurgischen Schule in derselben Franziskanerstraße entschloss, Gondouin fertigte den Plan dazu und begann der Bau. Dieses Gebäude bildet ein Quadrat mit einem geräumigen Hof, und die Fassade gegen den Platz misst 33 Toisen. Sie zeigt eine Gallerie mit vier Reihen ionischer Säulen und diese Ordnung ist durchaus die herrschende. Darüber erhebt sich nach Art einer Attika ein Stockwerk mit 12 Fenstern, mit einem präzisen Basrelief über dem Portale. Im Innern des Hofes ist ebenfalls eine ionische Colonnade und im Grunde ein sehr schönes Frontispiz. Dieser Teil ist für die Baukunst jener Zeit besonders merkwürdig und überhaupt der ganze Bau, weil sich in demselben die Rückkehr zu den Grundsätzen und dem besseren Geschmacke des Alterthums auf erfreuliche Weise offenbarte. Kein französisches Gebäude jener Zeit kann an Größe, an Reinheit der Form bis in ihre Teile, an Einfachheit und Zierlichkeit mit diesem wetteifern. Quatremere sagt im Dictionnaire hist. d’architecture I. p. 660., dass man bei diesem Gebäude zum Lobe Gondouin’s nur zu sagen brauche: „Il est l’ouvrage le plus classique du dix-huitième siècle.“
Zu seiner Zeit, als dieser Künstler auftrat, wurden in Paris viele Häuser gebaut, in denen sich der Stil eines Palladio zeigt, und zu mehreren solchen Gebäuden, in der Stadt und auf dem Lande, fertigte Gondouin die Pläne. Die zahlreichen Aufträge, welche ihm zu Theil wurden, versetzten ihn in eine glückliche Lage. Seine Unabhängigkeit benützte er nun in reifen Jahren zu ernstem Studium der classischen Monumente des Alterthums. Er nahm sich vor, eines der größten Werke der alten römischen Pracht im Flane
herzustellen, nämlich die Villa Adriana. Doch kam sein Unterneh- men nicht zu Stande und die Detailzeichnungen, die er an Ort und Stelle ausführte, schenkte er seinem Freunde Peranesi. Ein Port- feuille von Zeichnungen nach Werken des Palladio brachte er mit sich nach Paris zurück; Zeitumstände verhinderten ihn aber von seinen Schätzen Gebrauch zu machen. Jene Epoche der Verwir- rung war unfruchtbar für die Kunst, und für Gondouin war die Bahn geschlossen. Er ließ nichts Bedeutendes mehr; denn die von ihm errichtete Fontaine vor der Fassade der chirurgischen, hierauf medicinischen Schule, verdient keine Beachtung. Dass er unter Denon mit Lepetre die Vendôme-Säule aufgestellt habe, ist eine Sache von keiner großen Wichtigkeit, wie denn überhaupt nur er bildnerischer Schmuck hier alles ist.
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