Goes, Hug° oder Hughe van der

Goes, Hug° oder Hughe van der, berühmter Maler, der nach C. van Mander’s Bericht zu Brügge geboren wurde; allein es ist dieses nicht ganz ausgemacht, Vasari nennt ihn nämlich Hugo d’Anversa, und so könnte man glauben, er sei aus Antwerpen ge- bürtig. Ueberhaupt ist wenig aus dem Leben dieses Künstlers auf unsere Zeit gekommen; das, was darüber zu sagen, steht im Mes- sager des sciences. et des arts 1820. Man weiß, dass er ein Schüler des Jan van Eyck gewesen und sich als würdiger Nachfolger dieses Meisters Ruhm erworben habe. Im Jahre 1467 am 27. Juli leitete er zu Gent die Feste, welche man bei Gelegenheit der Inau- guration Karl des Kühnen als Grafen von Flandern gab. Im Jahre 1473 malte er die Decorationen für das Jubiläum des Pabstes, und in den Rechnungen der Verwaltung zu Gent steht, dass er bis zum Jahre 1480 öfter für diese Stadt gemalt habe. Man erzählt auch, dass er die schöne Tochter des Bürgers Jakob Weytens von Gent geheirathet habe, und Passavant, Kunstreise etc. S. 366, glaubt darin dass Hugo für Gent gemalt, gerade auch einen Grund zur Bestä- tigung jener Tradition zu finden. Van der Goes scheint auch die letzte Zeit seines Lebens in Gent zugebracht zu haben, an dem- Orte, wo er nach seiner Rückkehr aus Italien seine liebenswürdige Lebensgefährtin gefunden hatte. In dem Hause ihres Vaters brachte er ihr reizendes Abbild in einem mit Ölfarben auf die Mauer gemalten Bilde an, welches die kluge Abigail darstellt, wie sie, be- gleitet von ihrer weiblichen Hausgenossenschaft, dem hocherzürnten König David entgegentritt. Der Vater war hingerissen von der Schönheit des Gemäldes und Hugo empfing als Lohn die schöne Braut. Lukas de Heere besang dieses Bild. Seine Gattin überlebte ihn nicht, und aus Schmerz über ihren Verlust, entsagte er vielleicht der Welt. Er ging ins Kloster von Roodendale im Walde von Soignes bei Brüssel, und hier starb er als Canonicus. Dieses er- zählt Swertius in den Monumenta sepulcralia et inscriptiones publicae et privatae ducatus Brabantiae, Antw. 1613, doch bestimmt

Er die Zeit nicht, in welcher dieses geschehen. Wahrscheinlich um

Goes, Hugo van der.

  1. Auf seinem Epitaphium im Kloster in Brügge war zu lesen: .

Pictor Hugo van der Goes humatus hic quiescit‘

Dolet ars, cum similem tibi modo nescit. ;

Vixit tempore Caroli Audacis, ibidem factus

Monachus , ad majorem dei gloriam.

Der größte Theil von den Gemälden Hugo’s ist wohl zu Grund gegangen , durch den Zahn der Zeit und durch die Bilderstürmer. Er vollendete sie mit liebevollem Fleisse und in Darstellung weib- licher Gestalten kam ihm keiner seiner Zeitgenossen gleich. Er

wusste seine Figuren auch richtig zu zeichnen und gefällig zu

ordnen, und dabei sind sie von sprechendem Ausdrucke.

In der St. Jakobskirche zu Gent befand sich von seiner Hand gemalt die heil. Jungfrau mit dem Kinde und im Marienkloster daselbst eine Jugendarbeit des Künstlers, eine Darstellung aus der Legende der heil. Catharina, die ihm schon allgemeine Bewunde- rung erwarb, doch ist uns von diesen Bildern nur die Kunde ge- blieben. Die St. Jakobskirche zu Gent zierte er auch mit Glas- malereien, so meisterhaft, dass viele glaubten, er habe sich dabei der Zeichnungen seines Meisters bedient. Das Hauptwerk stellt

»die Abnehmung vom Kreuze dar, von welcher Van Mander sagt:

„censer constich stuck, dan ick twyffel of deteyckeninghe van hem, of van zyn Meester Joannes was.“

Für die St. Jakobskirche zu Brügge malte er Christus am Kreuze zwischen den Mördern, unten die heil. Jungfrau mit an-

dern Figuren, wohl dasselbe Bild, das Descamps eine Kreuzab-

nahme nennt. Auch Passavant J. c. spricht von einer Kreuzab- nahme in St. Jakob zu Brügge, glaubt aber, dass man irrig dieses Bild als Hugo’s Werk erkläre. Schnaase (Niederl]. Briefe S. 340) sagt indessen, dass er daselbst die von Descamps erwähnte Kreuzabnahme nirgends gefunden habe, vermuthet aber, dass van Mander’s Bild darunter zu verstehen sei. Dieser erwähnt es im Het Schilder Boeck, fol. 204, Quartausgabe p. 127. Zu Mander’s Zeit schmückte das Bild noch den Altar der erwähnten Kirche und es wurde wie ein Wunder vom gänzlichen Verderben gerettet. Lange blieb das Ge- mälde hochgeachtet, und selbst die Bilderstürmer jener Tage hatten es nicht gewagt, Hand an das Werk zu legen. Endlich wurde es herabgenommen, und mit einem schwarzen Grunde überzogen, um darauf die zehn Gebote mit goldenen Buchstaben zu schreiben. Durch diesen Frevel wurde das Bild gerettet, denn bald darauf liessen es besser Gesinnte vom Überzuge reinigen. Dieses und von den verschollenen Bildern in Gent ist alles, was Van Mander von Hugo van der Goes zu sagen wusste. Er wusste auch nicht, wann und wo er gestorben ist. Johanna Schopenhauer (Johann van Eyck und seine Nachfolger) folgte dem Van Mander, so wie Fiorillo in seiner Geschichte der zeichnenden Künste in Deutschland.

In S. Maria nuova zu Florenz ist die Geburt Christi mit zwei Nebenbildern als Werk des Hugo d’Anversa bezeichnet, und in der Sammlung des Prinzen von Oranien zu Brüssel, werden ihm vier verschiedene Bildchen zugeschrieben, ehedem zur Füllung einer architektonischen Verzierung gebraucht. Sie stellen einzelne Hei- lige in einer Landschaft vor: Johann den Täufer, Maria Magda- lena, St. Christoph, und St. Stephan. Diese Bilder sind sehr zart vollendet und in der Behandlungsweise erinnern sie viel an Hans Hemling, oder Memling, wie ihn auch Einige nennen. In der Sammlung zu Kensington bei London sah Passavant zwei ziemlich

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