Glantschnig, Joseph Anton

Glantschnig, Joseph Anton, Maler, geb. zu Botzen 1605, der
Sohn des berühmten Ulrich Glantschnig, und von diesem im Zeich-
nen und Malen wohl unterrichtet, verließ beiläufig um 1720 seine
Vaterstadt. Da er von seinem Vater außer einem ererbten kaiser-
lichen Wappenbriefe wenig Bareschaft mit auf die Reise erhielt, ging er
nach Wien, um dort einen reichen Anverwandten zu besuchen,
durch dessen reichere Gabe er seine Reise weiter fortsetzte. Er
kam nach Würzburg und gerade in dem für ihn und seines Glei-
chen sehr glücklichen Zeitpunkt, wo die Abteien und Hilfssister,
die reichen Domherren und andere Stiftsgeistliche geschickte Ma-
ler zur Verzierung der Kirchen, Schlösser und Wohnungen sehr
beschäftigen, und ihre Arbeiten ansehnlich belohnten. Glantschnig,
der in allen Fächern der Malerkunst mit gleich großem Erfolge
arbeitete, bekam viele Bestellungen, und wurde dadurch so stark
an Würzburg gebunden, dass er sich entschloss, dort seinen blei-
benden Wohnort zu wählen und zu heiraten. Als er diesen Ent-
schluss seinem Vater nach Botzen bekannt machte und um eine
Aussteuer bat, soll ihm derselbe zurückgeschrieben haben, er werde
ihm nicht eher etwas geben, als bis er sehen und überzeugt sein
würde, welche Fortschritte er in seiner Kunst gemacht habe. Zum
Probestück malte hierauf der Sohn sein eigenes Portrait auf ein ab-
geschliffenes kleines Geldstück, welches er seinem Vater überschickte.
Dieses kleine Gemälde soll grosse Kunstgeschicklichkeit bewiesen
und die Erwartungen des sorgsamem Vaters befriedigt haben. Er
heiratete eine Würzburger Bürgerstochter, Namens Barbara Jägerin,
mit welcher er einen Sohn und eine Tochter erzeugte.

Glantschnig hatte den Grundsatz, dass ein geschickter Maler
sich nicht ausschliesslich einem Fache widmen dürfe, sondern alles
müsse malen können, was man von ihm verlange, und dies alles
auch mit gleich grosser Kunst. Diese an sich überspannte Forde-
rung hat aber vielleicht selten ein Maler in so hohem Grade er-
füllt, als Glantschnig. Geistliche oder weltliche Historien, Schlacht-
stücke oder Quodlibets, Tier- oder Obststücke, Landschaften oder
Architekturstücke u. s. w. waren ihm alle gleichgültige Aufgaben.
Für nichts bewies er eine auffallende Vorliebe, und es ist schwer zu
bestimmen, worin er eine vorzügliche Stärke voraus hatte. Er malte
so vielfach, und so gern und trefflich im Kleinen, wie im Grossen,

Was den inneren Werth seiner Werke betrifft, so besitzt derselbe
in einer sehr richtigen Zeichnung, in schöner Gruppierung der

Gegenstände und in lebhafter Färbung. Er ahmte überall treu die Natur nach, und zeichnete, modellirte und malte nach derselben sehr fleißig und geschickt. Die Gewohnheit derjenigen, welche

nach Kupferstichen arbeiten, war ihm sehr verhasst. Seine An- ordnung der Gegenstände, besonders in Stillleben, ist sehr beson- nen und gefällig. So leicht sein lebhafter Geist erfand, so schlecht gerieth die Ausführung selbst. Doch bezeigte er nicht immer lange Aufmerksamkeit in der Arbeit. Es that oft sehr Mühe, und er liess

es oft auf’s Äußerste ankommen, den Pinsel zu ergreifen. Aber sobald dies einmal geschah, so brachte er bis zum Erstaunen ge- schwind ein Bild um das andere fertig. Ein Beweis, dass Glant- schnig äußerst füchtig malte, ist dieser, dass er dem Grafen von Ro-

tenhan, mit welchem er oft zu Mittag speisen musste, die auße-

tragenen Tafelgerichte, bevor sie genossen wurden, in wenig Mi- nuten täuschend ähnlich abmalte. Zu dem größten Stücke, z. B. zu den heil. Martyrern, welche er in die Kreuzgänge der Domi- nikerklöster zu Würzburg und Bamberg verfertigte, brauchte er nicht länger als einen einzigen Tag. Eine Ursache seiner außer- ordentlich großen Flüchtigkeit im Malen war, dass er oft die Lein- wand nicht einmal mit einem Ölgemälde, sondern statt dessen mit

Papier überzog. Seine meisten Gemälde malte er mit einem Male aus; daher sind seine Pinselstriche äußerst flüchtig und keck hin- geworfen. Da er gewohnt war, die Farben stark aufzutragen, so bringen seine Gemälde nur in einer gewissen Entfernung ihre Wir- kung hervor. Dass er nicht beständig an der Palette sitzen blieb, und die häufigen Bestellungen nicht förderte, daran war meist seine große Jagd- und Gartenliebhaberei Schuld, worauf er viel Zeit und Ko-

sten verwendete, und ohne welche er weit mehr würde erobert und hinterlassen haben.

Unter den vielen und anscheinlichen Herrschaften, welche seine Kunst schätzten und seinen Umgang suchten, gehörten vorzüg- lich der Graf von Seinsheim, nachher Fürstbischof zu Würzburg, die Grafen von Schönborn, von Ostein und von Rotenhan etc. — Für alle diese hatte er beständig zu arbeiten und er wurde von ihnen reichlich belohnt, und wegen seiner Geschicklichkeit, seines lebhaften Geistes, und seines geraden und biedern Charakters sehr ausgezeichnet. Er hielt sich oft lange Zeit bei ihnen auf ihren Landsitzen, insbesondere bei dem Grafen von Rotenhan auf dem Rothkreuzhofe bei Würzburg auf, welchen er mit allerlei Schilde- rungen von seiner Hand auszierte. Die meisten dieser Gemälde kamen in den Besitz des grossherzogl. Rath Scharold zu Würzburg. Glantschnig boschirte auch sehr viel, teils zu seiner Übung, teils für den Unterricht seiner beiden Kinder, welche geschickt zeichnen lernten. Seine Tochter ward von ihm so wohl unterrichtet, dass sie mit grosser Kunstgeschicklichkeit alles malen konnte, was man wollte. Sie malte vornehmlich Altarblätter und Heiligenbilder, auch viele Tierstücke nach Roos. Von ihr sind in Würzburg und Bamberg, wo sie sich mit ihrem Vater eine Zeitlang aufhielt und verheiratete, viele Gemälde. Das Altarblatt in der Katharina- Kirche ist von ihrer Hand. Sie hatte reichen Verdienst.

Sein Sohn Johann Michael widmete sich dem Staatsdienste.

Nach dem Tode seiner ersten Frau verheiratete sich Glantschnig mit seiner Magd, welche als schlechte Haushälterin eben nicht in gutem Andenken ist. Sie verkaufte und verschleuderte heimlich die vielen Kupferstiche, Modelle und Zeichnungen ihres Mannes, und brachte ihn in missliche Verhältnisse. Er ward dadurch, und durch seinen grenzenlosen Leichtsinn, mit welchem er in seinen früheren Jahren auf das Geld sah, so weit gebracht, dass er sein wohl-

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