Girardon, François

Girardon, François, berühmter Bildhauer, geb. zu Troyes , nach
Einigen 1627, nach Andern 1630, gest. zu Paris . Sein Vater,
ein Bronzegießer, wollte an dem Sohne einen Advokaten haben,
allein dieser fand keine Lust dazu. Seine Neigung zog ihn zur
Kunst, zum Ärger des Alten, und daher gab er ihn zu einem un-
geschickten Holzschnitzler in die Lehre, um ihm das Handwerk zu
verleiden. Doch vergebens; der junge Girardon modellirte aus
freiem Antriebe in Wachs und wagte sich auch an Figuren, die un-
verkennbare Spuren eines großen Talentes trugen. Nun kam er
zu einem Verzierungsarbeiter, der auch Heiligenbilder für Kirchen
fertigte, und dieses bewog den Girardon, die verschiedenen Statuen
in den Kirchen von Troyes zu studieren. Die erste Frucht seiner
Bemühung war eine 1} Schuh hohe Statue der Madonna, die sich
in Zeichnung, Haltung und Gewandung schon wohl ansehen liess.
Als er hierauf im Schlosse zu St. Liebault mit seinem Meister ei-
nige Basreliefs in Holz ausführte, fand er an dem Besitzer, dem
Kanzler Seguier, einen Gönner, der ihn zu F. Anguier nach Paris
schickte, und hierauf nach Rom , um seine Studien zu vollenden.
In Rom gewann ihm sein gefälliges Benehmen die Freundschaft
des P. Mignard, und nach seiner Heimkehr ( ) erwarb er sich
auch die Zuneigung des ersten Malers C. Lebrun, die ihm eine
große Anzahl von Aufträgen für die k. Schlösser in Versailles und
Trianon bewirkte. Lebrun fand seinen Schützling immer in Unter-
tänigkeit, und dieses gefiel ihm sowohl, dass durch seinen Ein-
fluss Girardon schon als Jüngling von 27 Jahren Mitglied der
Akademie wurde. Im Jahre 1650 wurde er Professor derselben,
1674 Correktor und 1690 endlich Kanzler der Akademie. Nach
Lebrun’s Tod ernannte ihn Ludwig XIV. auch zum General-In-
spektor über die Werke der Plastik, und in dieser Stellung soll er
sich den Hass des Puget, seines gefährlichen Gegners, zugezogen
haben. Verschiedene Unannehmlichkeiten bewogen diesen nach
Marseille sich zu begeben, da er auch das noble Wesen des Kunst-
tyrannen Lebrun nicht ertragen konnte. Er liebte die Unabhän-
gigkeit, während Girardon das Gegenteil gar nicht zu fühlen
schien. Er huldigte dem Geschmacke des ersten französischen Ma-
lers, und an seinen Werken wird überall der Stil der Zeichnung
jenes Künstlers sichtbar, besonders in jenen, die er für die Gärten
zu Versailles ausführte. Die Formen derselben sind im Ganzen edel

Für Girardon’s Meisterstück galt das Mausoleum des Cardinals Ri- chelieu, welches er in der Sorbonne ausführte. Die Jakobiner haben es in der Revolution verstümmelt. Man fand in demselben alle Schönheiten und auch alle Fehler Le Brun’s, nach dessen Entwurf das Werk ausgeführt wurde. Im Jahre 1794 wurde dieses Grabmal auf A. Lenoir’s Verwendung restauriert. Die Hauptfigur ist sechs Fuss hoch und zu den Seiten sind die allegorischen Gestalten der Religion und der Gelehrsamkeit in natürlicher Größe. Hierauf führte er die Figuren jener Gruppe in Versailles aus, die unter dem Namen des Apollo-Bades bekannt ist. Für dieses Werk fertigten die Gebrüder Marsy eine schöne Gruppe, doch gingen sie leer aus, während Girardon durch die Gunst Le Brun’s aus den Händen Ludwig’s XIV. eine Börse von 300 Louis d’or empfing. Dieses Bad des Apollo hat Edelink für Felibien’s Description de la grotte de Versailles, Paris 1670, gestochen. Die Gruppe ist in einer Grotte. Der Gott sitzt und dienende Nymphen umgeben ihn. Sie waschen ihm die Füße, gießen Wohlgerüche auf die Hände und ordnen ihm die Haare. Girardon fertigte auch die bronzene Reiterstatue Ludwig’s XIV., die auf dem Platz Vendôme errichtet stand, bis sie die Revolutionäre den 10. August 1702 um- stürzten und vernichteten. Sie war 21 Fuss hoch. Der linke Fuss des Pferdes wurde in das Musée des Petits-Augustins gebracht und dort sah man auch ein kleines Modell in Bronze von dieser Statue. Dieses ist von Girardons eigener Hand und es gibt eine vollkommene Idee von jenem schönen Werke, welches die Terroristen zerstörten.

Die Anzahl seiner Werke ist bedeutend, zu den merkwürdigsten gehören noch folgende:

Der Raub der Proserpina, eine nicht ganz gelungene Nachah- mung des Sabinerraubes von Johann da Bologna; die Fontaine des ätern, die Figur des Winters unter der Gestalt eines Al- ten mit der Glutpfanne, und eine Unzahl von Basreliefs in Versailles; die schönen Kindergruppen zu Trianon, die Orna- mentfiguren im Schlosse der Tuilerien, die erste Reiterstatue Ludwig’s XIV., die, weil man sie für den Vendôme’s Platz zu klein hielt, der Stadt Beauvais überlassen wurde; die Grabmä- ler der Prinzessin von Conti, des Castellans und des Ministers Louvois, mehrere Porträts en buste und in Basrelief, wie jene Ludwig’s XIV., Anton Arnauld’s und Boileau’s. Für diese letztere machte der Verfasser der Art poétique die bekannte In- schrift: Grâce au Phidias de notre âge, Me voilà sur de vivre autant que l’univers, etc. Mehrere seiner Werke wurden gestochen.

Das Grabmal Richelieu’s von Simoneau und B. Picart in fünf Blättern, auch von Le Pautre; das Apollobad von Edelink und Chatillon; das Medaillon von Ludwig XIV. auf dem Stadt- hause zu Troyes, das dem Urheber so grosse Ehren bewirkte (S. d’Argensville II. 217) von le Clerc; der Winter von Edelink; die Entführung der Proserpina, von G. Audran; die Reiter- statue Ludwig XIV. von Tardieu, etc. Das Monument der Gattin des Künstlers, der Catharina Duchemin, welche Blumen und Früchte malte, und auch Mitglied der Akademie war, wurde von A. Herisset gestochen. Nourrisson und Le Lorrain haben es ausgeführt, und es war noch 1792 in der Kirche

Kirche S. Landri. Die Gattin Girardon’s starb 1608 in 60. Jahre,

Das Mausoleum zeigt ein Kreuz und am Fusse desselben die heil.

Jungfrau mit dem entseelten Heilande. Die Composition ist mes-

quin und sie gab seinen Feinden Gelegenheit zu sagen, dass Gi-

rardon keine Erfindungsgabe hatte. Doch war der Schmerz der

Mutter gut bezeichnet.

Girardon legte auch ein Künstkabinet an, und nach den Stücken desselben haben R. Charpentier und N. Chevalier eine Folge von 12 Blättern gestochen, unter dem Titel: Gallerie des ouvrages de F. Girardon, faisant partie de son Cabinet, compouse de morceaux an- tiques et modernes.

Nachrichten über diesen Künstler finden sich in mehreren Wer- ken, und grosse Lobeserhebung in den Schriften der Gleichzeitigen. Darunter gehören die bereits erwähnten Dichter. Seiner gedenken auch Watelet und sehr ausführlich d’Argensville in den Vies des fameux sculpteurs p. 200. Ein ausführlicher Artikel über diesen Künst- ler ist auch in der Biographie universelle zu lesen.

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