Giorgio, Francesco di, Maler, Bildner und Baumeister aus Siena , ein Künstler des 15. Jahrhunderts. Vasari, und nach ihm die meisten Kunstbücher, nennen ihn als Baumeister Pabst Pius II., welcher 1450 den Bau der Kirche und des Schlosses zu Pienza, im Gebiete von Siena, begann. Pius selbst jedoch nennt seinen Bau- meister Bernhard von Florenz. (S. diesen Artikel) Vasari irrt in die- ser Angabe, denn die zuverlässig bekannten Lebensumstände des Franzcesco machen es unwahrscheinlich, dass ihm überhaupt, und vorzüglich in so früher Zeit, eine Bauunternehmung von so gros- sem Umfang sei aufgetragen worden. Dem zunächst scheint Fran- zcesco um 1450, als Pius seinen Bau unternahm, erst ein Knabe, oder doch nur ein Jüngling gewesen zu sein, weil seine Thätigkeit um mehr als 40 Jahrespäter in Anspruch genommen wird. Vasari, dem dieser Umstand entgangen war, setzt die Werke des Franzcesco um 1480. Baldinucci lässt diesen Künstler gar schon um sterben, gerade um die Zeit, da die zuverlässigen Nachrichten von seiner Liebens- thätigkeit begingen. Nun geben uns die Sieneser Briefe aus einem Taufregister folgenden Auszug: Francesco Maurizio di Giorgio di Martiono pollajuolo, battezato il 23 Sept. 1430. Franzesco war also 1450, als der Bau von Pienza begann, im 20. Jahre seines Lebens, wo er sechswahrscheinlich den Grad von Ausbildung erreicht und einen solchen Namen erworben hatte, dass man auf den Gedanken gerathen konnte, ihn einer der grössten Unternehmungen jener Zeit vorzusetzen. In der That wird Giorgio vor 1468 in keinem sienesischen Archive genannt, in den nächsten Jahren bis 1475 aber finden sich einige Zahlungen für Malereien, die er angefertigt hatte. In diesen rkunden wird er aber nur Depintore genannt. Nach dem Jahre 1475 verschwindet Franzesco für einige Zeit aus den sienesischen Archiven. Er war schon im Dienste des Herzogs Friedrich von Urbino, der ihn nun ganz auf die Befestigungskunst hinüber leitete. Dies letztere lernen wir aus den eigenen Worten des Franzesco, in einer Schrift über die Baukunst. Den Original- Entwurf dieses Werkes bewahrt die öffentliche Bibliothek von Siena, eine andere Handschrift besitzt die Magliabechiana zu Florenz. Vasari erwähnt mehrere Exemplare dieses Werkes. Da- rin behandelt er die schöne Baukunst fast durchgehends nach Vitruv, die Befestigungskunst hingegen durchaus nach den eigenen Erfahrungen und Ansichten. Eben daher ist es wahr- scheinlich, dass Franzesco seit seiner Ankunft in Urbino die Be- festigung als sein Hauptfach, die Baukunst aber als Liebhaber be- trieben habe. Auch bezeichnet er, mit Ausnahme seiner Befesti- gungen, nur einen Stall zu Urbino als sein eigenes Bauwerk, statt sich als Baumeister der Paläste von Pienza und Urbino zu schmei- cheln. Auch sagt er selbst, dass er die Befestigung als Fach trieb, und dieses auf Antrieb seines Herrn Friedrich von Urbino. So baute er für ihn die Citadelle von Cagli, Sasso di Montefeltro, Tavoletto, Alaserra, Mondavi und Mondosi. Giorgio war also einer der
Giorgio, Francesco di.
Erster Begründer der neueren Befestigungskunst, und die Geschichtschreiber dieses Faches räumen ihm lange nicht den Platz ein, der ihm gebührt. Späterhin, als Francesco, nach dem Tode des Herzogs Friedrich, wieder in Siena verweilte, trat er ausdrücklich als Ingenieur in die Dienste der Republik, und nennt sich selbst in einer Bittschrift vom Jahre 1488 Francesco di Giorgio Ingegnere u. s. w. Kurz aus allem geht hervor, dass die Kriegsbaukunst einen sehr wichtigen Theil seines Berufes ausmachte. Tatsächlich war die Befestigung in jenen frühen Zeiten durchaus in den Händen der Architekten. Die Beschäftigung mit dem Festungsbau schloss daher die schöne Architektur nicht aus, und allerdings hätte Francesco hierin ein grosser Meister sein können, allein wir haben von keinem einzigen seiner schönen Bauwerke sichere Kenntniss. Vasari jedoch macht Francesco zum Baumeister des Schlosses zu Urbino, welches zu den überlegtesten und wohlausgeführtesten Bauwerken jener Zeit gehört. Herzog Friedrich hatte aber diesen Bau nach Reposati (Memorie concernente la citta d’Urbino. Roma 1724) schon 1447 begonnen. Dahingegen ist es höchst wahrscheinlich, dass Francesco erst 1475 in die Dienste dieses Fürsten eingetreten ist. Gesetzt auch, dass er den Bau durch einen Marstall eränzte, so schliesst sich doch die Möglichkeit aus, dass Giorgio den Palast selbst erbaut habe. Es fehlt auch nicht an Künstlern, welche jenen Bau in Anspruch nehmen, und deren Wirksamkeit ungleich genauer mit der Zeit des Baues selbst zusammentrifft. Der eine ist ein gewisser Lucian aus Laurana in Dalmatien, der sich auch sonst als Maler und Baukünstler Ruhm erworben hat.
Baldi behauptet, das Diplom gesehen zu haben, welches Herzog Friedrich diesem Lucian mit ausdrücklicher Beziehung auf den Bau dieses Palastes ausgestellt hatte. Der andere ist Baccio Pontello, bei Vasari: Pintelli, dessen Grabschrift in der Kirche St. Domenico zu Urbino, wie Baldi behauptet, seiner Mitwirkung bei dem Baue des herrzoglichen Palastes erwähnt. Beide Nachrichten lassen sich gut vereinigen; denn bei so grossen Bauunternehmungen ist es nicht ungewöhnlich, dass mehrere Meister in der Leitung des Baues sich nachfolgen, und so blieb denn dem Giorgio noch ein Zusatz zum Hauptgebäude anzuordnen übrig, nämlich der Marstall. Vasari scheint also hier einer blossen Vermuthung gefolgt zu sein. Dass übrigens Giorgio auch gründliche Baukenntnisse besessen habe, geht schon daraus hervor, dass er den Festungsbau gründlich verstand und mit Erfolg betrieb. Eben diese Baukenntnisse wurden auch anderweitig in Anspruch genommen. Man setzte ihn zu Siena über den freilich schon vollendeten Dom, in welchem er die Verlegung der hölzernen Chorsitze angab und leitete. Man zog ihn ferner in Mailand zu Rathe, als man die Kuppel der Domkirche errichtete; auch hier war der gotische Entwurf schon vorhanden, und es galt nur Vortheile der Konstruktion. Man rief ihn auch nach Lucca, aber es erhebt nicht, zu welchem besondern Baue. Endlich gewährt ihm die Republik im Jahre 1483 den Urlaub, um einen Ruf des Herzogs von Calabrien nach Neapel zu folgen, aber man weiss ebenfalls nicht zu welchem besonderen Zwecke. In dem öffentlichen Archiv zu Cortona findet sich eine Nachricht, aus welcher hervorgeht, dass man im Jahre 1485 bei Gründung der Kirche St. Maria del Calcinajo auf ein früher von Francesco angefertigtes Modell dieser Kirche Bedacht nahm. Über die Ausführung fehlen wieder die Nachrichten. Im Jahre 1506 verschwindet er aus der Geschichte.
Die oben angeführte unbedeutende Notiz ist nun die einzige sichere und begründete Nachricht über die Wirksamkeit in der schönen
Giorgio, Francesco di. — Giorgio.
Baukunst eines Künstlers, den seit Vasari alle Kunstbücher; unter die größten Baumeister seiner Zeit versetzen, und dem man die Pracht- gebäude in Pienza und Siena zuschrieb. Es ist möglich, dass er sie angeordnet, aber ebenso unwahrscheinlich, dass er es gethan. Wäre aber auch die Meinung der neueren Schriftsteller wirklich begründet, dass Francesco (mit Ausnahme der Stiftungen Pius II., von denen das Gegenteil nun einmal erwiesen ist) alle erheblichen Bauwerke entworfen habe, die gegen das Ende des 15. Jahrhunderts in Siena errichtet wurden, so tönt doch eben daraus, dass er in der schönen Baukunst weit hinter dem Florentiner Bernhard zurück- geblieben sei. Wenn wir nun auch in Francesco di Giorgio einen vortrefflichen Baukünstler aus der Kunstgeschichte zu verlieren scheinen, so gewinnen wir dagegen in dem Florentiner Bernhard einen der größten Nachfolger des Bruneleschi, der bis jetzt wenig bekannt war, weil ein bedeutender Theil seiner Werke seit Vasari auf den ersten war übertragen worden. Zu diesem Artikel, — Doch nicht bloss in der Baukunst, auch in der Bildnerei ist dem Francesco beigemessen worden, was andern gehört: Folgende Werke der bildenden Kunst sind erweislich von ihm ausgeführt, oder wenigstens von ihm entworfen worden: Malereien im großen Spital von Siena, die leider nicht mehr vorhanden sind; ein Gemälde, sonst bei den Olivetanern von Siena, seit Aufhebung des Klosters in der Gallerie der sienesischen Kunstschule. Dieses Bild gehört zu den besten Arbeiten der Schule von Siena.
Ferner macht sich Francesco, aber erst in seinen späteren Jahren, als ein ausreichender Bildner durch jene Engel von Bronze geltend, die im Dome stehen, und die im Jahre 1407 gut befunden (nach archiv. Nachrichten) und ihm vollends ausbezahlt wurden. Im Jahre 1505 wird dem Jakob Cozzarello, einem sienesischen Ma- ler, Bildner und Architekten, der Bronzeguss eines Apostels ver- dungen, den Francesco modellirt hatte. Ganz irrig aber ist die Angabe der sienesischen Kunstbücher, dass Giorgio einige der Fi- guren von Marmor gemacht habe, welche die Pfeiler der gotischen Gothenhalle am Casino der Adelichen (Loggia di san Paolo) ver- zieren. Einige messen ihm hier die Figuren der HH. Petrus und Paulus bei, welche Vasari, ebenfalls irrig, als Arbeiten des Lorenzo Vecchietta auführt. Della Valle schreibt ihm aus einer anmaßlichen Kennerschaft die Statue des heil. Ansanus und eines andern ihm gegenüber stehenden Heiligen zu, dieselben, in denen Andere wieder die Hand des Jak. della Quercia zu erkennen glauben. Aus den Protokollen der Domyerwaltung von Siena fand sich, dass diese Statuen 1451 je zwei dem Urban von Cortona, und drei dem Antonio di Federigo verdungen worden sind. Diese beiden Meister sind fast unbekannt, obgleich jene Werke in ihrer Zeit einen ge- wissen Rang einnehmen,
Della Valle misst dem Francesco auch das Denkmal bei, welches Pius II. seinen Eltern in der K. St. Francesco zu Siena setzen liess, doch ohne einen Grund angeben zu können.
Rumohr ital. Forschungen II. 171 u. flg. Kuastblatt 1822.
Vergl. auch Bernardo aus Florenz,
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_FYTrAAAAMAAJ