Giocondo war der erste, der nach Vitruvischen Regeln eine richtige Anschauung der Brücke gegeben, die Julius Cäsar über den Rhein geschlagen hatte. (Vasari und nach ihm Bottari, della Valle und Maffei verwechseln hier die Rhone mit dem Rhein.) Noch verdienen seine Bemühungen um die neue verbesserte Ausgabe der alten Schriftsteller vom Landbau, welche Aldus 1514 beförderte, so wie seine Verdienste um die Epitome des Aurelius Victor, deren Maffei gedenkt, unsere Achtung.
Um’s Jahr 1506 war Fra Giocondo wieder nach Italien zurück- gekehrt, und schrieb noch in demselben Jahre vier Abhandlungen, welche er dem damaligen Senat der Stadt überreichte. Er zeigte darin die Notwendigkeit und die Mittel, dem Ausfluss der Brenta eine andere Richtung zu geben, um die Verschlemmung der Lauf- unen abzuwenden. Seine Vorschläge fanden Eingang und wurden von ihm meisterhaft ausgeführt. Vasari (T. II. p. 348) erzählt das ganze Unternehmen ausführlich. Als aber im Jahre 1513 die Rialto-Brücke abbrannte, musste er den Verdruss erleiden, dass ihm ein mittelmäßiger Mensch, Meister Zanfragnino, vorgezogen wurde, obgleich er auf Befehl des Senats eine schöne Zeichnung verfertigt hatte. Aus gerechtem Unwillen verließ er Venedig und begab sich nach Rom , wo man seine Talente zu schätzen wusste und ihm, weil gerade im Jahr 1514 der berühmte Architekt Bramante Lazzari ge- storben war, mit Rafael und Antonio da Sangallo die Aufsicht über
den großen Bau der Peterskirche anvertraute. — In den Bruch- stücken eines Briefes von Rafael an seinen Oheitn, datirt: Rom 1514 und herausgegeben von Richardson B, II., S. 462 u. bei LonghenaStor,
- della vita dı Raf, erzählt er, dass ihm, nebstdem Bramante, die Ober- aufsicht des Baues der St, Peterskirche anvertraut worden sei, und dass ihm der Pabst den Fra Giocondo zum Gehülfen gegeben habe, dass er aber wegen seines hohem achtzigjährigen Alters wohl nicht lange mehr leben könne. Da dieser Brief im J. 1514 geschrieben worden ist, Giocondo damals ein achtzigjähriger Greis war, so kann er unmöglich 1450 oder 1455, wie oben nach Böttari und Quatremere hervorgehoben ist, geboren sein,
Die letzte Arbeit, die von ihm erwähnt wird, war die massive Brücke zu Verona, welche ums Jahr 1521 vollendet wurde. Nach Milizia’s Meinung gehören auch der große öffentliche Saal zu Ve- rona und die Festung von Treviso zu den Arbeiten Giocondo’s, In einem handschriftlichen Gedichte eines gewissen Pietro da Gio- vanni Ruggiero Contarini, das im Besitz des berühmten Bibliothe- kuars Morelli war, und die Ueberschrift in Andream Grittum Pane- zyris führt, befindet sich eine Beschreibung der triumphirenden Rückkehr des Andrea Gritti nach Venedig (1517), nachdem er die venezianischen Staaten auf dem festen Lande wieder erobert hatte. Die Thaten dieses Helden geben zu manchen topographischen Bemerkungen, unter andern zu den sehr interessanten Anlass, dass die Börse der Deutschen, für dessen Baumeister mehrere Schrift- steller, und selbst Temanza den Pietro Lombardo unverdienter Weise gehalten haben, eigentlich ein Werk des Fra Giocondo ist, wie folgende Verse unwidersprechlich beweisen:
Teutonicum mirare forum, spectabile fama,
Nuper Jucundi nobile fratris opus etc,
Nach dem Jahre 1521, in welchem er bereits ein sehr hohes Alter erreicht haben muss, geschieht seiner nirgends Erwähnung mehr. Sein Sterbjahr ist unbekannt, auch wissen wir nicht, ob er in seinem Geburtsort Verona, oder anderswo gestorben. Scaliger ver- muthet, dass Giocondo in Rom verschieden sei,
Die Nachrichten, die wir in diesem Artikel geben, sind grös- stentheils aus Fiorillo’s Nachlass geschöpft. In Jüssly’s Künstler- Lexicon wird er unter dem Namen Johann Jocundus Monsignore aufgeführt, und nach Pozzo (Vite de pittori, scultori ed architetti Veronesi 1718) der Bruder eines Malers Franz Monsignore genannt, Letzterer starb 1519 im 64. Jahre. Näheres S. Monsignore.
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