Giocondo, Giovanni Fra, berühmter Gelehrter und Baumeister . Dieses Mannes erwähnen zahllose Gelehrte und Künstler auf das ehrenvollste, aber seine merkwürdigen Lebensumstände liegen noch so im Dunklen, dass man bis jetzt noch nicht einmal ausgemacht hat, ob er zum Orden der Dominikaner, Franziskaner, Minoriten und Jakobiner gehört, oder die Stelle eines Weltpriesters bekleidet habe. Alle Schriftsteller, welche von Fra Giocondo geredet haben, kommen darin überein, dass er das Licht der Welt zu Verona erblickt habe, wenn sie auch weder sein Geburtsjahr, noch den Namen seiner Familie anzugeben wissen. Bottari sagt in seinen Anmerkungen zum Vasari, dass er wahrscheinlich um das Jahr 1450 geboren worden sei, und Quatremere (Dictionaire hist. d’Architecture 1832) behauptet, doch ohne Angabe der Quelle, dass Giocondo 1455 zu Verona geboren worden sei. Die ältesten Zeugnisse, die wir von ihm finden, sind die der beiden Scaliger, des Fra Luca Paccioli, des Budäus, des Vasari und einiger anderer; und wenn man mehrere Aussagen miteinander vergleicht, so scheint es nicht unwahrscheinlich zu sein, dass er aus einem edlen veronesischen Geschlechte entsprungen ist. Guetif und Erhard vermuten mit vieler Wahrscheinlichkeit, dass Fra Giocondo, der für den Papst , den Kaiser und den König von Frankreich so viele Gebäude aufzuführen musste, seiner Bequemlichkeit wegen, und um wirker in die Augen zu fallen, sich der Kleidung eines Weltpriesters bedient habe, daher seine eigentliche Würde dem größten Teil des Publikums unbekannt blieb. Joseph Scaliger und Maffey (Verona illustrata) haben ihn für einen Franziskaner gehalten. Letzterer hat in der Übersetzung des Euklid von Paccioli eine Stelle aufgefunden, in welcher er ihn unter seinen Zuhörern als einen Franziskaner erwähnt, ein unwiderlegbarer Beweis, dass er diesem Orden angehörte. (S. Poleni exercitationes Vitruvianae p. 190) — Nach Vasari und Bouatini war er ein Dominikaner; Budäus nennt ihn schlechtwegs sacerdos.
Giocondos Fach waren die alten Sprachen, das Griechische und Lateinische, worin er gründliche Kenntnisse besaß. Zugleich beschäftigte er sich mit Antiquitäten und überreichte im Jahre 1402 dem Lorenzo von Medici eine Sammlung alter Inschriften, die von mehreren Schriftstellern erwähnt wird. Julius Cäsar Scaliger versichert, dass er sich eine Zeitlang bei dem Kaiser Maximilian aufgehalten habe, und von diesem Monarchen wegen seiner gelehrten und geistreichen Unterhaltung sehr geschätzt worden sei. Dieses geschah unstreitig vor seiner Reise oder seinem Ruf nach Frankreich, dessen eigentlicher Zeitpunkt noch unentschieden ist, wie Fiorillo (dessen Nachlass im Kunstblatte), angibt; allein Quatremere sagt, dass Giocondo 1409 nach Frankreich berufen wurde. Schon Vasari und nach ihm Felibien erzählen, dass Giocondo in die Dienste Ludwigs XI. von Frankreich getreten, und die Brücke „Notre Dame“ von 1400–1507 nebst einer andern, die unter dem Namen „Le Petit Pont“ bekannt ist, erbaut habe. Auch hier sind die Nachrichten wieder sehr verschieden und widersprechend, doch sagt Quatremere, dass man ihm die Petit Pont beim Hôtel de Dieu mit Unrecht beilege, und dass Sannazar durch das Distichon: Jocundus geminum imposuit tibi, Sequana, pontem etc. zu diesem Irrthum die Veranlassung gegeben, Mariette hat ihn in zwei Briefen an Temanza widerlegt.
Claude Malingre in den Annales de la ville de Paris T. 1. p. 219.
hält Giocondo für einen Jakobiner und für eine und dieselbe Per- son mit Jean Joyeur. Henri Sauval (hist. et recherches des an- tiq. de la ville de Paris T. I. p. 220, gibt ihm den Titel „cines Com- mis au controlle de la pierre“, und sucht zu beweisen, dass die Zeichnung der Brücke vom Fra Giocondo nicht herrühre, dass der Bau der Brücke unter der Leitung des Didier de Felin gestanden, und Frère Giocondo nur den Transport der Steine zu besorgen hatte, obgleich ihm zu Ehren eine Inschrift eingehauen gewesen sein soll. So viel aber ist erwiesen, dass Fra Giocondo Baumeister in Diensten des Königs von Frankreich war, denn Budäus nennt ihn in den Annot. ad pandectas: Architectus tunc regius.
Bei seinen großen architektonischen Arbeiten verlor Giocondo auch die klassische Literatur nie aus den Augen. Es glückte ihm unter andern die fehlenden Briefe des jüngeren Plinius aufzu- finden und dadurch eine Lücke in den Werken dieses Schrift- stellers zu ergänzen. Ein Werk, das von dem genauesten Studium und den gründlichsten Kenntnissen zeugt, ist eine sehr verbesserte und durch Figuren erklärte Ausgabe des Vitruv, die er dem Pabst Julius II. widmete. Der Titel lautet: M. Vitruvius per Jocundum solito castigatior factus, cum figuris et tabula, ut jam legi et in- telligi possit. Impressum Venetiis sumptu miraque diligentia Joan- nis Francini, alias Tacuino 1511 fol. Der Pater della Valle be- merkt in der Vorrede zum 7. Bande seiner Ausgabe des Vasari, dass auf der Universitäts-Bibliothek zu Turin Exemplare der Ausgaben Vitruv's von Giocondo von den Jahren 1513 und 1523, die zu Florenz bei Junta herauskamen, vorhanden sind. Auch Poleni erwähnt die frühere p. 27 und die zweite p.34, wo er aber hinzusetzt: sine loco et sine typographi nomine, 8. Della Valle versichert, dass die Ausgabe von 1523 weit besser und genauer, als die ältere sei. Die Handschrift der Briefe des Plinius teilte er dem Aldus mit, ebenso eine verbesserte Handschrift des Julius Obsequens von den Prodi- gen, die er zugleich mit dem Plinius im Jahr 1517 zum Druck beförderte. Er verglich auch viele Handschriften der Commentare des Julius Cäsar und besorgte mit Zeichnungen und Anmerkungen eine neue Ausgabe, die Aldus 1518 an’s Licht stellte.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_FYTrAAAAMAAJ