Giamberti, Giuliano da San-Gallo, Architekt und Bildhauer zu Florenz, genannt G. da San-Gallo, geb. 1443, gest. 1517. Der erste Lehrer war sein Vater Franz, ein Architekt, den Cosmus von Medici, Pater patriae, beschäftigte. Hierauf kam er zu Francione, unter dessen Leitung er in Bälde die Regeln der Perspektive und die Sculptur erlernte. Beweise seiner Geschicklichkeit in letzterer Kunst legte er an den schönen Bildwerken im Chore der Kirche zu Pisa ab, doch bald fand er auf andere Weise Gelegenheit sein Talent zu zeigen. Lorenz von Medici machte ihn zum Ingenieur und nun erkannte er in der Architektur seinen Beruf. Sein erstes Bauwerk war jene Seite des Carmeliter-Klosters S. Maddalena de Pazzi mit der jonischen Ordnung. Hiezu kopierte er ein Capitäl, welches unter Ruinen zu Fiesole gefunden wurde, ähnlich dem jonischen Capitäl am Tempel des Erechtheus zu Athen , und Giuliano trug dadurch bei. Dieses Werk wurde jedoch nicht vollendet. Lorenzo verschaffte aber seinem Architekten durch den Bau des Palastes Poggio de Cajano zwischen Florenz und Pistoja bald wieder eine andere
zur Wiederaufnahme dieses eleganten Säulenknaufes.
Gelegenheit, seine Kunst zu zeigen. Das Gebäude hat viel Eigen-: thümliches, und das umfangreiche Deckengewölbe des großen Saales erklärte man als ein bis dahin nie gesehenes Werk von ungeheuerer Kühnheit.
Der Herzog von Calabrien befahl ihm, das Modell zu einem Palaste in Neapel herzustellen, und schon war er an der Aus- führung beschäftigt, als der Bischof von Ostia, der nachmalige Papst Julius II., ihm den Auftrag ertheilte, die Festungswerke jener Stadt auszubessern. Hier verweilte er zwei Jahre, und während dieser Zeit musste sein Bruder Anton das erwähnte Modell aus- führen. Letzteres brachte er jedoch selbst nach Neapel, wo sodann die Ausführung desselben in Stein angeordnet wurde, neben
dem Castel Nuovo. Der König bot dem Künstler dafür reiche Geschenke an Pferden, kostbaren Stoffen, eine silberne Vase mit Dukaten, allein der Künstler bat den König Gold und Silber zurück- lassen zu dürfen, da es ihn Lorenzo Magnifico daran nicht er- mangeln lasse, aber dagegen wählte er einige Antiken, um sie seinem Herzoge zum Geschenke zu machen.
Nach der Ankunft in Florenz baute Giamberti das Eremiten-
Giuliano da San Gallo. 149
Kloster S. Agostino vor dem Thore San Gallo, und bei dieser Gelegenheit ertheilte ihm Lorenzo den Beinamen Giuliano da’ San-Gallo, hinter welchem er weltbekannt wurde. Der Künstler beklagte sich einst bei dem Herzog, dass darüber sein alter Familienname verloren gehe, aber Lorenzo sagte ihm, er gebe durch sein Verdienst einer neuen Familie den Namen. Das Kloster wurde 1530 bei der Belagerung von Florenz geschleift, und Vasari sah nur noch Trümmer davon. Auch der grosse Palast des reichen Kaufmanns Giulianno Gondi wurde nicht ganz vollendet und ein ähnliches Schicksal hatten auch andere Gebäude des Künstlers, durch Kriegsunruhen und Todeställe der Bauunternehmer.
Nach dem Tode des Lorenzo Magnifico ging Giuliano nach Prato, wo er die Kirche U. L. F. erbaute, und darauf wurde er beauftragt, die Kuppel der Kirche in Loretto zu bauen. Man glaubte, dass die Mauern zu leicht für eine solche Last seien; San Gallo überzeugte aber durch die Ausführung des Werkes von der Grundlosigkeit der Furcht. In Rom restaurirte Giamberti auf Befehl Pabst Alexander VI. den Plafond der Kirche S. Maria Maggiore, und hier soll das erste amerikanische Gold verwendet worden sein. Hier ertheilte ihm auch der Cardinal della Rovere, der erwähnte Bischof von Ostia, den Auftrag, ein Modell anzufertigen für den Palast von S. Pietro in Vincoli und bald darauf sollte er ein anderes zum Baue eines Palastes in Savona liefern, woran ihn aber der Pabst hinderte. Giuliano da San-Gallo vollzog jedoch den Auftrag und Giuliano kam nur vor der Einsenkung des Schlusssteines jenes herrlichen, mit einer bewunderungswürdigen Fassade versehenen Palastes, der später in ein Kloster verwandelt wurde, nach Savona. Hierauf kehrte er nach Florenz zurück, zur Zeit des Krieges mit den Pisanern, und letztere hielten ihn sechs Monate im Gefängnisse, bis er die Summe von 300 Dukaten bezahlte.
Nach zwei kurzen Pontificaten gelangte endlich der Cardinal della Rovere unter dem Namen Julius II. zur päpstlichen Würde, und auch dieser Pabst begünstigte den Künstler, Julius wollte sich noch zu seinen Lebzeiten ein prächtiges Grabmal errichten lassen, (s. M. A. Buonarotti), und San Gallo riet ihm daher, zur Aufstellung desselben eine eigene Kapelle bauen zu lassen, weil die alte Basilika des heil. Petrus dazu nicht würdig genug schien. Es wurden mehrere Pläne dazu entworfen, aber nur jener des Bramante (B. Lazzari) siegte. Empfindlich hierüber ging unser Künstler nach Florenz, was dem Gonfaloniere Soderini gerade zur geeigneten Zeit kam, der ihm Bauten anvertraute; allein nach sechs Monaten bekleidete ihn der Pabst mit dem Range eines Ingenieur. Kaum hatte er seine Freiheit wieder, so benützte ihn Soderini im Kriege gegen die Pisaner. Er schlug eine Brücke über den Arno und nun war die Übergabe von Pisa bald bewirkt. Er besserte hier auch die Festungswerke aus, da wo sich die Pforte S. Marco befindet.
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