Giamberti, Antonio da San-Gallo

Giamberti, Antonio da San-Gallo, berühmter Architekt und Neffe der beiden vorhergehenden Künstler, von denen er ebenfalls den Beinamen San-Gallo annahm, und deren Ruf ihn zum Studium der Architektur bestimmte. Er begab sich nach Rom , ihren Unter- richt zu genießen, doch diese Künstler verließen bald darauf die Stadt, und so blieb er sich allein überlassen. Er fand jedoch an Bramante eine Stütze. Dieser Meister hatte an der Paralyse ge- litten, ohne dass dadurch die Thätigkeit seines Geistes gestört wurde, und er bedurfte daher nur eines jungen Mannes, der in seine Ideen eingehen konnte. Einen solchen fand er an San-Gallo und in diesem Künstler äußerte sich zeitlebens sein Einfluss, da er anfangs der Substitut, später der Nachfolger Bramante’s wurde. Indessen kann man nicht sagen, dass in den Bauwerken Antonio’s durchaus der Geist jenes Kunstlers walte; man bemerkt im Gegenteile bei ihm schon mehr oder weniger die Entartung des Geschmackes. Doch war sein Ruf bald gegründet, und besonders erwarb er sich in der Construction der Gebäude allgemeines Lob. So stand es mit ihm, als der Cardinal Alexander Farnese, der nachmalige Papst Paul III., ihm die Restauration seines alten Palastes auf Campo di Fiori anvertraute. Anfangs war der Cardinal nicht

willens, ein ganz neues Gebäude aufführen zu lassen, und noch
weniger lag es ihm im Sinne, jenen ungeheueren Pallast zu gründen,
der dann nicht nur in Rom, sondern auch auswärts den ersten
Rang unter den Pallästen behauptete. An diesem Pallaste ist zwar
der Geschmack auch nicht mehr rein, aber doch gehört er zu den
vorzüglichsten Bauwerken Roms. Die Vollendung erhielt er jedoch
nicht durch San-Gallo, sondern durch Michel Angelo und Giacomo
del Porta. Eine der ersten Unternehmungen San-Gallo’s in Rom,
doch nicht eine der rühmlichsten, ist die Restauration von La
Madonna de Loretto. Der Bau begann schon 1507, unter Giuliano
da San-Gallo, als Antonio noch Bramante’s Zögling war. Diese
Kirche zeigt, außer der keineswegs schönen Form der achteckigen
Kuppel, überladene Vorsprünge der Gebälke, durchbrochene Giebel
und plumpe in keinem guten Geschmack ausgeführte Bekleidungen
der Türme und Fenster. Der Architekt Giacomo del Duca hat
durch die enorme Laterne diese Kirche noch mehr verunstaltet.
Um diese Zeit baute er auch zu Neapel einen Pallast der Post
gegenüber, ein wegen der zweckmäßigen und schönen inneren
Eintheilung sehr schätzbares Bauwerk. Die Stiegen und die Hallen
des Hofes sind in gutem Style angelegt und besonders spricht die
Fassade durch die edle Einfachheit an. Gegen Ende des vorigen
Jahrhunderts gehörte das Haus einem Grafen Palma, den jetzigen
Besitzer kennen wir nicht. San-Gallo baute indessen mehrere
Palläste zu Rom und in der Umgebung, die jedoch nicht alle von
gleicher Bedeutung sind, doch schmälerten sie seinen Ruhm nicht.
Jetzt kam in Rom für ihn die Zeit wichtiger Unternehmungen.
Bramante war tot und der St. Petersdoum ohne Baumeister. Rafael
und Fra Giocondo folgten an die Stelle Bramante’s, und Giuliano
San-Gallo war beim Baue nicht lange betätiget. Antonio hatte
schon unter diesem Meister eine untere Stelle beim Dombaue
bekleidet. Er erscheint in den Büchern der Bauverwaltung anfangs
als Zimmermann (falegname), und man findet auch angegeben, dass
der Künstler in seiner früheren Zeit das Zimmerhandwerk erlernt
habe. Vom 22. Januar 1517 an findet man ihn in den Rechnungen
mit der Benennung eines Unterarchitekten (aiutante dell’architetto),
seine Glanzperiode beginnt aber mit der Thronbesteigung
Pauls III., und nach dem Tode des B. Peruzzi gewann er das
vorzüglichste Ansehen unter den Architekten Roms; allein seine Werke
deuten schon entschieden auf die nachmalige gänzliche Ausartung
der Baukunst hin. Papst Paul III. übertrug dem San-Gallo
die Oberaufsicht über den Bau der Peterskirche und nun musste er ein
Modell anfertigen lassen, das Antonio Labacco, dessen Schüler, nach
San-Gallo’s Plänen ausführte. An der Kirche selbst verstärkte er
nur den Grundriss an den Pfeilern des Bramante, wie denn überhaupt
bis zu Michel Angelo der Bau langsam fortschritt, doch
nicht ohne bedeutende Kosten. Dieses Modell, welches noch im
Ottagonio di S. Gregorio zu Rom aufbewahrt wird, offenbart durch
zwecklose Überhäufung von Säulen, Pilastern und Ausladungen
einen ausgearteten Styl der Baukunst. Nach ihm sollte die Kirche
die Form eines lateinischen Kreuzes erhalten. Die Kosten zu
diesem Modell von Holz beliefen sich über fünf tausend Thaler.
Es ist 35 Palmen hoch und 26 breit, so groß, dass man durch eine
Tür gemächlich eintreten kann. Der Bau wurde jedoch nach
diesem Modell nicht ausgeführt; Michel Angelo verwarf in der
Folge das Werk als von geringer Bedeutung. Deswegen antwortete er
denjenigen, welche nach dem 1346 erfolgten Tod San-Gallo’s sagten,
dass ihm dieses Modell eine gute Weide wäre, um daran fortzugrasen:
Ja wohl für das Vieh und die Ochsen, die

nichts von der Baukunst verstehen! Und siegreich steht sein kleines

Modell neben dem großen. Letzteres ist bei Bonani Hist, templi

vat. tom. XIV. — XVI. p. 56 — 58 abgebildet.

Paul III. liess jetzt auch seinen Palast Farnese erweitern und so

gelangte dieser zu jenem Umfang und jener Gestalt, wie wir ihn

jetzt erblicken, das massenhafteste Gebäude Roms. Ganz vollendete

er indessen dieses Gebäude nicht. Nach San-Gallo’s Angabe wurde

auch die Sala regia im vatikanischen Palast erbaut, dieser Saal

kam aber erst 1585 unter Gregor XIII. zu Stande. Nach seinem

Plane liess Paul III. auch die Kirche des Hospitals di S. Spirito zu

Rom erbauen, unvollendet aber blieb die Porta di S. Spirito, eben-

falls ein Werk aus Paul III.’s Zeiten.

San-Gallo war auch ein guter Ingenieur. Man gebrauchte ihn

daher bei den Festungswerken zu Civita Vecchia, Ancona, Florenz,

Parma, Piacenza, Ascoli, Nepi, Perusa und beim Werke am Lago

di Maremma, welches ihm das Leben kostete. An Jahren bereits

vorgerückt und schwach, übernahm er diese anstrengende Arbeit,

und die Folge davon war ein tödtliches Fieber, das ihn 1546 zu

Terni erreichte. Doch wurde er hier nicht begraben, sondern

nach Rom gebracht, wo in der St. Peterskirche eine Grabschrift

neben der Sixtina seine Ruhestätte bezeichnet.

Noch müssen wir eines Brunnens erwähnen, den er auf Befehl

Papst Clemens VII. zu Orvietto ausarbeitete. Damals hielt sich

hier der päpstliche Hof auf, weil Rom nach der 1527 erfolgten

feindlichen Einnahme der Plünderung preisgegeben war. Der

Brunnen ist so tief, dass das Tageslicht bis auf den Wasserstand

hinabdringt. In die Tiefe führen zwei spiralförmige Treppen.

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