Ghisi, Giovanni Battista, genannt Mantuano, auch Bertano und Britano, Maler, Bildhauer , Architekt und Kupferstecher , das Haupt einer Künstlerfamilie, deren Mitglieder den Namen Man- tuano annahmen. Es ist unbekannt, ob er Vater oder Oheim der folgenden war, wahrscheinlich letzteres, da die Verschiedenheit des Alters unter den Ghisi’s nicht sehr bedeutend ist. Das Licht der Welt erblickte er um und Giulio Romano und Marc-Anto- nio waren seine Meister. Alt scheint er nicht geworden zu sein, da auf seinen Blättern die höchste Jahreszahl 1540 ist, es müsste denn sein, dass er sich in späteren Jahren nicht mehr mit der Stecherkunst befasst, habe. Wahrscheinlich war es die Malerei und die Baukunst, die ihn am meisten und längsten beschäftigten. Als Maler machte er sich einigen Ruf, noch größerer aber in der Baukunst . Er ist auch Schriftsteller in diesem Fache. Cicognara führt ein Buch von ihm an: Gli oscuri e difficili passi dell’ opera di Vitruvio, da Giov. Bat., Bertano. Mantova 1538 fol. mit Titel- kupfer und mehreren Holzschnitten. In Mantua vertraute ihm der Herzog alle öffentlichen Gebäude an, und unter diesen verdiente die schöne Kirche der heil. Barbara mit dem Kloster vorzügliche Erwähnung. In den Kirchen Mantua’s liess er auch Gemälde nach seinen Zeichnungen ausführen und er selbst verzierte mit Dom. Bertano, seinem Bruder, einige Zimmer im fürstlichen Palaste mit Malereien. Bertano war überhaupt nach Giulio’s Tod einer der unternehmendsten Künstler in Mantua, der durch That und Lehre sich auszeichnete. Nur liess ihn sein Universal-Künstlerthum nicht zur Vollendung im Einzelnen kommen,
Sein Todesjahr ist indessen unbekannt,
in seinen Blättern, deren Bartsch P, gr. XV. 377 zwanzig be- schreibt, herrscht Korrektheit der Zeichnung, und in der Stechweise. Erioniert er im Allgemeinen an Marc Anton, im Einzelnen aber viel mehr an den Meister mit dem Würfel.
Die Madonna mit dem säugenden Kinde im linken Arme: I. B. M. 1539. H. 3 Z. 2 L., Br. 2 Z. 2 L.
Die sängende Madonna im Kniestück, das Kind auf dem Schoße haltend, ohne Zeichen Ghisi’s, aber von ihm vermutlich mach Raphael’s oder Giulio’s Zeichnung gefertigt. H. 5 Z. 10 L., Br. Adam Ghisi hat dieses Blatt zweimal copirt.
Die heil. Jungfrau sitzend, mit der Rechten das Kind haltend, während sie die Linke auf den Nacken des Johannes legt, der knieend den kleinen Jesus verehrt. Ohne Zeichen, doch an- scheinlich von Ghisi. H. 5 Z. 10 L., Br. 2 Z. 9 L.
Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Halbmonde zwischen zwei Engeln. Mit Ghisi’s Zeichen. H. 5 Z. 5 L., Br. 3 Z. 10 L.
Der Heiland als Sieger aus dem Grabe hervorgehend; 1553. H. 0 Z. 6 L., Br. 5 Z. 2 L. Die gegenseitige Copie ist wahrschein- lich von Diana Ghisi.
David enthauptet den Goliath, nach Giulio Romano. IO MAN- ÄNUS, SCULPTOR. M. D. XXI. H. 15 Z., Br. 16 Z.
— Venus auf dem Bette in den Armen des Mars, angeblich Ghisi’s Werk. Durchmesser 4 Z. 9 L.
Amor auf dem Ruhebette schlafend, Pfeil und Köcher in den Händen haltend, 1538. H. 4 Z. 1 L., Br. 5 Z. 5 L.
Jupiter als Schlange im Genusse der Devidia, 1538. Mit Freiheit behandelt und selten. H. 6 Z., Br. 8 Z.
Amor als Clavierspieler am Fusse eines Baumes, 1538. H. 4 Z. 7 L., Br. 3 Z. 3 L.
Es gibt von diesem Blatte eine Copie, mit einem Zeichen, dass man ebenfalls auf I. B. Mantuano deuten könnte, wenn man nämlich annähme, dass der Buchstabe Z. Zuan (Johann) bedeute.
Paesemt Schild und Lanze stehend, 1538. H. 6 Z. 2 L., Br. 3 Z.
Herkules erwürget den Antheus. H. 7 Z. 9 L., Br. 5 Z. 2 L.
Mars und Venus auf dem Bette sitzend, 1539. H. 10 Z. 5 L., Br. 7 Z.
Aeneas Vicus hat das Blatt copirt.
Der Soldat mit der Frau, 1530, sehr sorgfältig behandelt. H. 6 Z., Br. 3 Z. 7 L.
Ein Krieger mit dem Säbel, rückwärtsblickend an der Spitze einer Truppe, 1536. H. 8 Z. 3 L., Br. 5 Z. 3 L.
Die Engelsburg in Rom. H. 8 Z., Br. 5 Z. 4 L. Selten.
Ein Blatt mit Studien von Köpfen, 1536. H. 3 Z. 8 L., Br. 5 Z. 1 L.
Der Fluss Po an die Urne gelehnt, 1553. H. 4 Z., Br. 5 Z. je Trojaner treiben die Griechen nach ihren Schiffen zurück, nach Julius Romanus. 1538. Das beträchtlichste und schönste Blatt des Meisters. H. 15 Z., Br. 21 Z. 90 L.
Ein Blatt mit einer Zauberin, welche einen Koffer öffnet, worin Bücher liegen und Schlangen sich hervorwinden, ist mit Z. B. M. bezeichnet. Es ist vielleicht von Dom. Barbiere gestochen, weil rechts die Buchstaben D.°B. stehen.
Einige dieser Blätter sind nach Mantuano’s eigener Erfindung, andere angeblich nach Giulio Romano.
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