Ghiberti, Lorenzo di Bartoluccio

Ghiberti, Lorenzo di Bartoluccio, berühmter Bildhauer , Bronzegiesser und Architekt , geb. zu Florenz 1378, gest. 1455. Sein Stiefvater Bartoluccio unterrichtete ihn in der Goldschmiedekunst, und bei dieser Gelegenheit erhielt er auch einigen Unterricht im Modelliren und Graben. Die Plastik erwählte er jedoch erst im Wendepunkte des menschlichen Lebens zur Hauptbeschäftigung. Die Natur scheint aber ihn mehr zum Maler, als zum Bildner berufen zu haben, und er sagt selbst in seinem Trattato: „L’animo mio alla pittura era in grande parte volto,“ was sich auch in seinen halb- erhobenen Arbeiten bestätigt findet, in denen er alles malerisch ordnete und gestaltete. Ein glücklicher Zufall bestimmte ihn zur Bildhauerei , und zwar in seinem 24. Jahre, zu jener Zeit, in welcher es galt, dem Meisterwerke des Andrea Pisano am Battisterio zu Florenz gleichzukommen, wenn nicht selbes zu übertreffen. Der junge Ghiberti verdrängte alle seine Mitbewerber und stand die erste der von ihm ausgeführten beiden Bronzethüren da. Ghiberti zeigte hier reiche Erfindungsgabe und mancherlei durch Beobachtung erworbene Kenntnisse, allein in mancher Beziehung dürfte dieses Tor dem älteren des Pisaners nachstehen,

Nach Vollendung dieser Thüre führte Ghiberti einige andere Bildwerke aus, und auch die Goldschmiedekunst übte er noch immer nebenbei. Im Jahre vollbrachte er aber sein eigentliches Lebenswerk: die dritte Hauptthüre des Battisteriums, von welcher Michelangelo sagte, dass sie würdig sei, die Pforte des Paradieses zu sein. In dieser Bronze-thüre zeigt sich Ghiberti’s Dichtergeist am vielseitigsten und tiefsten. Hier herrscht Reichthum und Mannigfaltigkeit der Compositionen; Innigkeit und Wahrheit des Ausdruckes, überall Anmut und jugendliche Frische, Ungezwungenheit in Stellung und Bewegung. Die Gewandung der Figuren ist würdevoll; kurz Alles vereinigt sich zum harmonischen Ganzen.

B. v. Rumohr hält diese zweite Thüre, wie überhaupt in der damaligen Auffassung der biblischen Gegenstände, in der naiven und herzigen Ausbildung der untergeordneten Gruppen und Handlungen, in der Behandlung der Form und Bewegung, so besonders darin ganz einzig und durchaus unnachahmlich, dass in ihr ein malerischer Geist im bildnerischen Stoffe, malerisch vortrefflich, bildnerisch genügend sich ausgedrückt hat. In der zweiten Thüre ist alle Trockenheit des früheren Styls verschwunden; wie aus dem Leben selbst treten frei und leicht bewegte die Gestalten hervor, schön und rein, als wären sie den Antiken nachgeformt. Das Opfer Isaaks war eine Preisaufgabe dazu, wobei sich mit Ghiberti und vier anderen auch Donatello und Brunelleschi bewarben; doch traten diese mit seltener Großherzigkeit freiwillig zurück und erkannten Ghiberti’s Uebergewicht hierin.

Auf der ersten Thüre stellte er in zwanzig Feldern die Geschichten des neuen Testaments, die vier Evangelisten und die vier Kirchenlehren, und umher eine reiche Einfassung von Epheubenblättern. Jeder Flügel seiner zweiten Thüre hat fünf große Felder, auf welchen das alte Testament so bedeutsam dargestellt ist, dass es selbst den größten Meistern, Rafael und besonders Michelangelo zum Vorbilde gedient hat. Jedes Feld enthält meist vier Handlungen, die sich aber auf eine Haupthandlung beziehen, durch ihre Vertheilung und perspektivische Stellung, und darnach mehr oder minder starke Erhobenheit, ein höheres reiches Ganzes bilden. Die Pfosten und das Gebälk sind ebenfalls von Erz, und daran ein wunderreiches Gewinde von Blättern, Blumen und Früchten, mit allerlei Vögeln dazwischen. Der geschickte Bildhauer Heinrich Keller hat sich ein Verdienst erworben, dass er diese Thüren, die zu dem Höchsten menschlicher Kunst gehören, schon 1798 in trefflichen Umrissen bekannt gemacht hat. Sie sind von der geschickten Hand des Feodor Iwanowitsch und lassen nichts zu wünschen übrig. Auch F. Gregori und Th. Patch haben das Werk in 28 Bl. gestochen.

Zwei andere Werke, welche diese Thüren abbilden, haben den Titel: Le tre porte del Battisterio di Firenze, incise ed illustrate da Benvenuti, Firenze 1821; Bassorilievi delle porte di S. Giovanni di Firenze, 11 Bl. imperial fol. von G. Calendi. Cicognara gibt in der Storia della scultura II. tav. 20 die Abbildung des Basreliefs mit dem Opfer Isaaks, und tav. 21 die Erschaffung der Eva und die Auferweckung des Lazarus. Auch Dagincourt gibt Abbildungen von diesem berühmten Werke.

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