Ghiberti bildete außerdem noch manches Andere; ja es wurde damals in Florenz kein bedeutendes Werk gemacht, an dem er nicht durch Rath oder Zeichnung Anteil hatte. Er übte selbst die Baukunst und hierin finden wir ihn beim Dombaue in Florenz tätig. Allein als Architekt stand er mit dem Bildner nicht auf gleicher Höhe. Vgl. F. Bruneleschi, Ghiberti sollte, nach Vasari’s Angabe, sogar auf Glas gemalt haben; allein dieses ist nur Muth-
massung des erwähnten Schriftstellers. Er hatte Ghiberti’s Hand- schrift benützt, und daraus ersehen, dass der Meister zu der damals noch nicht zerstörten Giebelbekleidung des Domes für das grosse Mittelfenster die Himmelfahrt der heiligen Jungfrau und viele Fenster in der Kirche selber gezeichnet habe, namentlich in der Tribüne die Darbringung im Tempel, den Ölberg und die Himmelfahrt Christi. Diese Nachricht nahm Vasari nach seiner Weise, und Ghiberti musste wirklich auch der Glasmaler seyn, nicht allein der Zeichner,
Ein bedeutendes Werk, welches wir dem Ghiberti verdanken, ist der Sarkophag des heil. Zenobius im Dome zu Florenz, der in der Metropolitana fiorentina illustrata, Firenze 1820, beschrieben und auf tav. 31 und 32 abgebildet ist. Ghiberti stellte hier das Wunder des Heiligen dar, wie er in Gegenwart von vielen Men- schen ein Kind vom Tode erweckt. Von diesem schönen Basrelief gibt auch Cicognara 1. c. tav. 21 eine Abbildung im Umrisse,
Eine der schönsten neuern Bildsäulen ist Ghiberti’s Erzbild des heil. Matthäus mit dem Buche an der Kirche Or San Michele zu Florenz, ebenfalls bei Cicognara abgebildet. In dieser Statue ist reines Ebenmass mit Anmuth des männlich schönen Hauptes, der Stellung und des reichen, zierlich gesäumten Gewandes vereiniget, Hier ist griechische Vollendung. Zur andern Seite der Hauptthüre dieser Kirche ist St. Stephan, das Gegenbild zum Matthäus, und auf dem entgegengesetzten Ende der Täufer Johannes.
Ghiberti lieferte auch die Zeichnung zu dem schönen Bronze- tor, welches die Capelle del sagro Cingolo in der Cathedrale zu Siena einschliesst; Vasari schreibt es aber im Leben des A. Filarete irrig dem Simone zu. S. Delle pitture che adorno da capella del sagro Cingolo etc. 1831.
Bemerkenswerth ist auch Ghiberti’s Taufstein im Dome zu Sie- na; in Rom aber hat der Künstler kein Werk hinterlassen.
In der Florentinischen Gallerie ist das Basrelief mit der Ariadne auf dem Wagen, welches Cecchi gestochen,
Ghiberti war indessen nicht blos Künstler, sondern auch Schrift- steller. Er nahm sich vor eine betrachtende Kunstgeschichte zu schreiben, die sich noch gegenwärtig handschriftlich in der Biblio- theca magliabechiana zu Florenz befindet. Leider besteht der größte Theil dieses Werkes aus einer ganz unbrauchbaren Zu- sammenstellung von Untersuchungen aus Plinius und Vitrut, wäh- rend die neuere Kunstgeschichte nur wenige Seiten füllt. Vasari benützte diese Handschrift, und Cicognara hat einiges davon im Druck bekannt gemacht. Von der Hagen gab die Chronik seiner Vaterstadt 1853 in einer deutschen Übersetzung heraus.
Über Ghiberti liest man in mehreren Werken, besonders aber sind zu erwähnen: Rumohr’s italienische Forschungen, v. d. Hagen’s Briefe in die Heimath, Cicognara’s Storia della scultura, etc. Auch Lanzi redet in der Geschichte der Malerei in Italien, I. 158. deutsche Ausgabe von diesem Künstler, weil er nach Vasari glaubt, dass Ghiberti auf Glas gemalt habe. Über die Bronzethüren steht von V. Fallini im Giornale arcadico tom. XII 3. p. 39 eine Rede.
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