Germain, Thomas

Germain, Thomas, Architekt , Bildhauer und Goldschmied , Sohn
des obigen, wurde 1675 geboren, und schon als Knabe von elf
Jahren eine Waise. Doch war er in diesem Alter schon in der Cise-
lirkunst sehr erfahren und nach kurzem Unterrichte bei Boul-
Togne bereits im zwölften Jahre fähig, in Rom seine Studien fortzu-
setzen. Zum Unglück starb sein Gönner Louvois, und daher sah
er sich in Rom genöthigt zur Erwerbung seines Unterhaltes bei ei-
nem Goldschmied in Condition zu treten, doch musste ihn dieser
täglich zwei Stunden im Vatikan den Studien obliegen lassen. Er
gewann bald einen Ruf, und daher trugen ihm die Jesuiten mehrere
große Ciselarbeiten auf, die er zu vollkommener Zufriedenheit
ausführte. Auch für den Grossherzog von Toscana fertigte er mehrere
Basreliefs in Silber von beträchtlicher Grösse mit Darstellungen aus
der Geschichte der Medicäer. In Rom , wo Germain ungefähr 12 Jahre
blieb, schloss er Freundschaft mit dem berühmten Bildhauer Legros,
was ihm zu seiner Ausbildung von grossem Nutzen war, und nach
seiner Rückkehr zu Paris fand er Anerkennung. Der Hof trug ihm
eine grosse Anzahl von Aufträge, und auch auswärtige Fürsten nahmen
sein Talent in Anspruch. Im Jahre 1722 führte er auf Befehl Ludwigs XV.
für die Kirche zu Rheims eine goldne Sonne aus, als Geschenk bei
dessen Krönung. Bei dieser Gelegenheit erhielt er eine Wohnung
im Louvre , und im Jahre 1738 ernannte ihn die Stadt Paris
zum Zeichen ihrer Achtung zu einem ihrer Echevins. In demsel-
ben Jahre gab er auch den Plan zu der Kirche des heil. Ludwigs

Peter Germain. — Franz Germisoni.

Im Lombarde und Italien auch deren Bau. In Livorno baute er eine Kirche, die sehr geschätzt wurde. Er genoss überhaupt einen europäischen Ruf und der lombardische Fürst von Portugal ließ nach seinem 1748 erfolgten Tod zu Lissabon für ihn sogar ein feierliches Hochamt halten. Seine Arbeiten zeichnen sich besonders durch Korrektheit der Zeichnung, durch Feinheit der Ausführung und durch geschmackvolle Composition aus. Man findet von seiner Hand auch Zeichnungen in Fusch, in Aquarell und mit der Feder. Von ihm selbst geätzt kennt man ein sehr kleines Blatt, welches das Innere eines reich verzierten Tempels vorstellt.

Im Cabinet Paignon Dijonval werden ihm noch folgende Blätter beigelegt:

Ein Blatt von 4 Blättern, Einladungskarten und Trophäen nach Fosse.

Der Branntwein-Verkäufer (Marchand de Ragomme).

Les balanceuses ; beide nach Schenau. Auch Ludwig Germain.

Peter Germain, Thomas Sohn, ebenfalls ein bedeutender Goldschmied, der für die vorzüglichsten Höfe Europas arbeitete. Man kennt von ihm: Elemens de l’orfèvrerie auf 100 Bl., die 1748 von verschiedenen Künstlern gestochen wurden.

Ludwig Germain, Kupferstecher und Zeichner, der zu Paris 1733 geboren wurde. Man kennt von ihm mehrere Landschaften mit dem Grabstichel und dem Adelstichel ausgeführt.

Ein Heft kleiner Landschaften nach Sarasin, geistreiche Blätter, qu. 4;

Ein Interieur nach Weirotter, qu. 4;

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