Gent, Josse (Justus) von, Maler, dessen Gemälde wenig bekannt sind. Sein Aufenthalt in Italien und die Verwüstungen, die durch die Unruhen des 16. Jahrhunderts herbeigeführt wurden, haben veranlasst, dass sie selten sind, dass sein Name in gewissem Sinne vergessen ist, und die wenigen Bilder, die sich noch bis auf unsere Tage erhalten haben, andern Meistern zugeschrieben werden. Vasari berichtet, er sei ein Schüler Hubertus van Eyck gewesen, und habe in Italien das Gemälde der Communion (Abend- mahl) für den Herzog von Urbino gemalt. In handschriftlichen Nach- richten, die von Delbecq besitzt, liest man gleichfalls, dass die- ser Maler ein Schüler Huberts ist, und dass er die Enthauptung Johann des Täufers für die Kirche des heil. Johannes in Gent malte, welche nach demn Ausdrucke des flamändischen Unbekann-
ten die Perle: alter Meisterwerke in der Malerei war. In der Kirche St. Jakobs in Gent sah man an jeder Seite des Eingangs zum Chor zwei Bilder von Justus von Gent: die Kreuzigung Christi Peters und die Martyrien St. Pauls. Die Methode dieses Meisters scheint das Mittel zwischen den Arbeiten des Memling (Hemling) und des van der Meere zu halten. Seine Arbeiten sind etwas weniger sorgfältig in den Einzelnheiten, und weniger korrekt in der Zeichnung, als die von Hemling; sie haben nicht den leichten und zarten Pinselstrich, noch das brillante Colorit, wodurch sich die Arbeiten des van der Meere auszeichnen; aber es ist Vieles darin, was eine hohe Idee von dem Talente dieses Künstlers gibt, und seinen Bildern eine Art von Eigenthümlichkeit verleiht, die sie von denen dieser Meister unterscheidet, obgleich man sieht, dass sie aus einer Schule sind. Vergl. Kunstblatt 1826.
Das oben erwähnte Altarblatt mit dem heil. Abendmahl in Urbino ist noch in derselben Kirche vorhanden, für die es bestimmt war. Es hat 12 Schuh im Gevierte; dabei ist es zum Theil noch erhalten, und überhaupt ein Werk von Bedeutung, mit schönen, ausdrucksvollen Köpfen. Neben andern stellte er den Herzog von Urbino selbst darauf vor, so dass es keinem Zweifel unterliegt, dass der Künstler in Italien gewesen.
In der interessanten Sammlung des J. van Huywetter zu Gent sieht man ein kleines Bild der Findung des Kreuzes von diesem Künstler. Die St. Helena mit zwei ihrer Frauen kniet, von mehreren Männern in reicher Kleidung umgeben, während drei Knechte das Kreuz Christi über ein auf der Bahre liegendes Mädchen halten. Im Grunde links sieht man ebenfalls die Kaiserin mit Gefolge, und die Knechte, wie sie nach dem Kreuze graben. Dieses Bildchen hat, wie überhaupt die Gemälde des Justus, nicht jene Tiefe und Sättigung der Farbe, welche die Werke der Brüder van Eyck auszeichnen; es ist in dieser Hinsicht beinahe trocken zu nennen. Auch die Behandlungsart ist weniger geistreich, und die Charaktere, wenn auch wahr, doch nicht von grosser Tiefe. Kunstblatt 1833.
Vasari nennt diesen Künstler Giusto da Guanto, den er zugleich mit einem Martino d’Hollanda erwähnt, unter welchem sicher Martin von Gent zu verstehen ist. Die Lebensverhältnisse dieses Martin sind unbekannt, er gehört aber mit Josse zu den erstern Künstlern, welche die Oelmalerei geübt haben.
Füssly macht im Supplemente zum Künstler-Lexicon diesen Justus von Gent zum Schüler des viel späteren Franz Floris. Er folgte hierbei einer handschriftlichen Notiz, welche sagt, dass dieser Justus von Gent zu Brüssel Historien und überaus fleissige Landschaften gemalt habe, in welchen er meistens ländliche Wohnungen mit Belustigungen anbrachte. Das Äussere der Häuser, so wie Bäume und Figuren arbeitete er mühsam aus. Dieser Justus von Gent, falls seine Existenz begründet, ist von dem unserigen verschieden.
Gent, Martin. — Josse von Gent.
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