Gegenbauer, Joseph Anton

Gegenbauer, Joseph Anton, Historienmaler , wurde zu Wangen in Württemberg 1800 geboren. Er studierte sechs Jahre auf der Akademie der bildenden Künste in München und hierauf besuchte er als Pensionär des Königs Rom, um nach den Werken der älteren Meister seine Bildung zu vollenden. Wie sehr er sich angelegen seyn liess, in den Geist seiner Kunst einzudringen, beweisen mehrere treffliche Werke, die auch öffentliche und ge-

wöhnliche Anerkennung fanden. In allen seinen Werken spricht das

Zarte und Sinnige der Composition mit Gewalt zum Gemüthe;

und Alles, von der bedeutungsvollen Figur bis zum Nebenwerke,

ist mit Sorgfalt und meisterhaft ausgeführt. Sein Colorit ist

kräftig und klar, zart verflossen. Auf der Kunstausstellung zu

München sah man 1820 seine Martyriumsdarstellung des heil. Sebastian und 3 Jahre später das anmuthige und trefflich colorirte Bild des Cyparissus . Eine anmuthige Gruppe arkadischer Schäfer sah man damals noch im Carton; recht schön und fleissig gezeichnet.

Im Jahre 1824 malte er in Rom das erste Menschen-Paar nach

der Verstossung aus dem Paradiese mit ihren Kindern. Es ist dies

eine höchst durchdachte Composition und die Formen dieser

ersten biblischen Familie sind liebliche und bedeutungsvoll die

Gestalten in Ausdruck und Stellung. Die Farben und ihre Abstu-

fungen sind ausserordentlich wahr und zart behandelt.

Nach seiner Rückkehr aus Italien erhielt Gegenbauer den Auftrag, im kgl. Landhause Rosenstein bei Stuttgart die Fabel von

„Amor und Psyche“ zu malen. Es sind diese die Malereien in der

prächtvollen Gallerie dieses Landsitzes, woran auch Gutekunst arbeitete. Von Gegenbauer sind folgende Darstellungen: Psyche

schleicht mit Lanze und Dolch herbei um das Ungeheuer zu

schauen und zu vertilgen; Amor schmeichelt dem Jupiter um die

Psyche; Venus empfängt von der Psyche die geöffnete Büchse, um

und Merkur ist dargestellt, wie er die Psyche in den Olymp trägt.

In der beleuchteten Kuppel malte er Jupiter, wie er der gesühn-

ten Psyche die Aufnahme in den Olymp zusichert, und die Hoch- zeit von Amor und Psyche. Es sind diese Scenen, die bei aller Pracht und allem Reichthum der Erscheinungen dennoch einen ru- higen Anblick gewähren, weil eine schöne Ordnung durch die Mannigfaltigkeit des Ganzen herrscht. Die Figuren sind zu herr- lichen Gruppen geordnet und überall herrscht Würde und Schön- heit. Psyche ist voll Holdseligkeit, besonders wie sie vor der Ve- numus kniet, wie sie den Liebesgott beleuchtet, und wie sie von Mercur in die Wohnung der Seeligen getragen wird. Venus ist in schöner weiblicher Reife dargestellt, in allem Glanze der Form und des Colorits. Amor ist das Ideal des sich entblößenden Jüng- lings, Apollo und Bacchus paaren Kraft und Anmuth, und Mars, Herkules und Jupiter erscheinen in olympischer Würde, jede Figur in gelfälliger Lage. Zeichnung und Colorit ist überall vortreff- lich, wahr und schön in allen Tönen.

Im Bibliothek- und Lesezimmer der Königin malte Gegenbauer auf vier hellen Gründen eben so viele schwebende Mädchen, die Jahreszeiten vorstellend, mit silberfarbigen Ornamenten umgeben. In diesen Bildern zeigte sich der Künstler unübertrefflich.

Im Kunstblatte von Dr. Schorn sind die Fresken des Rosensteins näher beschrieben.

Gegoritsch, Iwan. S. den folgenden Artikel.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_FYTrAAAAMAAJ