Gedée, Claude

Gedée, Claude, berühmter Maler, genannt Claude Lorrain, geb. auf dem Schlosse de Champagne bei Toul 1600, gest. oder 82.

Es wird im Leben dieses außerordentlichen Mannes erzählt, dass sein Vater, Peter Geldé, ein armer Pastetenbäcker in einem kleinen Städtchen Lothringens, stets geklagt habe, sein Sohn Claude sei so geistesschwach, dass er es nie verstehen lerne, wie er eine Pa- stete einrühren, oder auch nur einen Ofen heizen solle. Peters Bruder riet ihm daher, er solle den Burschen, dem alten Sprich- worte zu Folge, für die Kirche erziehen; aber es war keine Hoff- nung vorhanden — man konnte ihn kaum lesen lehren. Um den derben Anermahnungen zu entgehen entfloh endlich der Knabe, und vermiethete sich als Bedienter bei einigen flämischen Künst- lern, die gen Rom wanderten. Bei einem Einweihungsschmause seiner Herren entwickelte C. Geldé in seiner Küchenbeschäftigung einige bis jetzt verborgen gebliebene Talente für Gastronomie, wel- che sein Vater nie aus dem Schlafe hatte wecken können, mit so vieler Geschicklichkeit, dass Agostino Tassi, ein römischer Maler, der eben so viel Geschmack an Pasteten, als im Malen hatte, diesen armen Einfaltspinsel seinen Herren entführte und ihn in der doppelten Würde eines Kochs und Farbenreibers um etwas höheren Lohn für sich selbst mietete. In dem Studium dieses seines neuen Herrn fühlte Claude zum erstenmal das innere Auf- streben zu einem andern und höhern Berufe, Aus dem Stumpf- sinne gedankenloser Trägheit, aus der Erniedrigung früherer Be- stimmung trat bald einer der erfolgreichsten Mitbewerber um den Kranz der Unsterblichkeit hervor, und Tassi erlebte es noch, dass der Einfaltspinsel der erste Maler seiner Zeit wurde. Er, der nicht hinreichenden Verstand besass, um einen Teig einzurühren, oder eine Homilie zu buchstabiren, versenkte sich jetzt in das Studium ganz abstrakter Gegenstände, berechnete die Brechungen des Lichtes und maß die Luftperspektive mit strahlenden oder idealen Linien.

Er war es, der die ernsten und festen Wahrheiten der Geometrie aus einem unsicheren Lehrgebäude seiner Zeit herausholte, und so ward er der größte Landschaftsmaler aller Nationen.

Im 36sten Jahre briet Claude noch Cotelets und rieb Farben, und zehn Jahre nachher erscheint er wieder als Freund des geist- reichen Cardinais Bentivoglio.

Als entschiedener Liebling Urbans VIII. stand er da als moderierter Patentmaler der ganzen Aristokratie Europas. Der Weg zu seiner Gallerie war, wie einer seiner Lebensbeschreiber

Gelde, Claude.

sagt, Allem verschlossen, was nicht den höchsten Rang im Staate einnahm, Päbste, Könige und Fürsten wurden die einzigen, wel- che sich die herrlichen Werke seines schaffenden Geistes zu erwer- ben im Stande waren. Seine ungeheueren Preise beschränkten die Käufer nur auf solche, die selbst ungeheuer reich waren und das Publikum war gewissermassen vom Genusse seiner Gemälde ausge schlossen, deren Besitzer nach und nach drei Päbste und zwei re- gierende Fürsten zu seyn strebten. /

Indessen ward nicht plötzlich sein Glück, so wie er selbst nicht mit einem Schlage ein grosser Künstler. Es fehlte ihm anfangs an guter Unterweisung, seine Gedanken und Empfindungen auf der Lein- wand auszudrücken, und seine kleinen Bilder wurden immer noch nicht mehr geachtet, als sein Gebäck. Er plagte sich aber bei Tag und Nacht, lag vor Sonnenaufgang in Feldern und Wäldern, die Scheine und Lichter zu bemerken, und dann lief er in stechender Sonnengluth, nach Hause, um die beobachtete Erscheinung in seine Bilder zu bringen, wodurch diese wohl natürlich und fleissig, aber ängstlich wurden, so dass sie Niemand kaufen wollte, selbst nicht um das geringste Geld, wodurch Claude in Mangel und Noth ge- rieth. So traf ihn eines Tages der berühmte Sandrart in dem pa- radiesischen Tivoli, wo der deutsche Künstler an Ort und Stelle gleich nach der Natur malte. Gelde kam zufällig durch das Ge- büsche, sah das Verfahren des Meisters, und jetzt schien sich ihm mit einem Male das Heiligthum zu öffnen. Freudig hetrofen fragte er weiter, versuchte sogleich und richtete von Stunde an auf glei- che Weise seine Studien ein. Seit dieser Zeit war zwischen beiden Künstlern ein Herzensbund gestiftet, der auch nie getrennt wurde. Sie waren täglich beisammen, zogen bald in ein Haus und malten, anstatt zu zeichnen, sogleich nach der Natur. Als San- drart abreiste, gab ihm Claude die schönsten Gemälde, die jener bis an seinen Tod als Lieblinge bewahrte. Claude selbst brachte den grössten Theil seines Lebens in Rom zu, und es steht noch gegenwärtig die Villa, die er an einem der santesten Abhänge des Janiculus erbauen liess. Sie steht da, wo dieser dem südlichen Abfall des trümmerreichen Aventinus gegenüber den gelben Ti- berstrom durch ein enges Bett zwängt. Stolze Pinien, wahrschein- lich von ihm gepflegt, ragen über die einsame Wohnung empor. Die Villa, welche er in der Nähe von München zu Harlaching erbaut haben soll, steht nicht mehr. Der bayrische Hof be- schäftigte ihn und die Anhöhe bei Harlaching, mit einer Gartenan- lage, die sich den Hügel hinaufzog, sollte vielleicht das Minia- turbild seines Janiculus seyn. Doch starb der Künstler weder in Lothringen, noch in Deutschland, es zog ihn wieder nach Italien, nach Rom, wo er dem Podagra erlag. /

Claude’s Werke sind entzückende Naturbilder, herrliche Schil- derungen ihrer Feier bei auf- und untergehender Sonne. Es herrscht darin Ebenmass, Eleganz und Anmuth der Formen und Umrisse in einem Grade, wie er wohl nicht mehr höher anzutref- fen ist. In der malerischen Ausführung bleibt er ein Muster der Vollkommenheit, denn diese Wärme der Tinten, dieses Wellenli- nienspiel, dieser Schmelz und Duft der Töne, diese Wirkung des Lichtes sind noch nicht erreicht worden. /

In den mannigfaltigen Effekten des Sonnenlichts, in den Ansich- ten des Meeres, in den Fernen und in der harmonischen Wirkung des Ganzen, ist er bis jetzt unerreicht geblieben. Seine Behand- lung der Oclmalerei ist ungemein klar und kräftig, und gänzlich entfernt von der in den Gemälden der Italiener seiner Zeit herr- schenden Hochheit und Undurchsichtigkeit. Seinen zauberischen

Gelde, Claude. ' 73

Hauch brachte Claude nur durch öfteres Übermalen und Lasuren hervor. Nach Wegnahme dieser Lasuren sind alle Farben sehr kalt und die Formen bestimmt, selbst hart, das Gewölke am Him- mel nicht ausgenommen. Dieses erkannte Passavant aus einigen durch ungeschickte Reinigung verdorbenen Bildern in Holkham; auch erkannte er, dass es bei einer landschaftlichen Darstellung nicht allein auf die Form und die Localfarben ankommt, sondern dass der größte Zauber in einem Ton liegt, der eine gewisse Stim- mung hervorruft und die Seele des Bildes genannt werden könnte.

In Claude Lorrains Bildern sind uns die Reize einer prächtigen Natur zauberhaft versinnlicht. Unbeschreiblich ist der zarte Dunst und die Weichheit, welche seine Formen umschwebt. Er verstand es, die zarte Grenzlinie der Wahrheit und der Täuschung auf be- wunderungswürdige Weise zu treffen. Er erkannte mehr als ir- gend ein anderer den Geist der Natur, der aus Farben und For- men spricht, wie ihn ein offenes heiteres Gemüth erfasst in sanft freundlichen Gegenden.

Doch genug des verdienten Lobes, und nun auch das, was Claude nicht zu erreichen im Stande war. Im großen Stile der Kompo- sition erreicht er den Poussin nicht, während ihm im Colorit vielleicht einzig nur Titian den Vorrang streitig machen möchte. Auch wusste er nicht in dem Grade, einen bestimmten historischen Charakter oder eine tiefere ethische Bedeutung in seine Bilder zu legen, wie Poussin. Sein Hauptstreben geht auf das sinnlich An- genehme. In mehreren seiner Gemälde können die antik seyn sol- lenden Gebäude durch ihr modernes und tändelndes Ansehen an Conditoraufsätze erinnern.

Auf seine sehr mittelmäßigen menschlichen Figuren legte er selbst sehr wenig Werth, und pflegte daher zu sagen, dass er sie bei dem Verkaufe der Landschaften darein gebe. Oft malte sie ihm Lauri und andere. Man behauptet auch, dass dem Künstler das Zeichnen schwer geworden sei, was etwas Wahres haben mag, da er als ein echter Maler Alles farbig sah und dachte, obwohl seine Radierungen in Formen, Licht- und Schattenmassen höchst geist- reiche und gefühlvolle Zeichnungen sind. Die Zahl seiner Zeich- nungen ist jedoch nicht geringe, besonders in England. Auch pflegte er von den Landschaften, die er gemalt, leichte Zeichnun- gen in Tusch zu machen, für sich zu behalten, und diese Samm- lung sein Libro di verita zu nennen. Dieses Buch der Wahrheit sollte dem Meister dienen, um den Liebhabern, die öfter nachge- ahmte Gemälde für Originale kauften, zeigen zu können, was von ihm componirt sei. Jetzt besitzt dieses kostbare Buch der Herzog von Devonshire. Es finden sich aber ausserdem noch meh- rere andere Zeichnungen von seiner Hand, besonders in England. Alle sind jedoch nicht ächt.

Gemälde,

Claude’s Meisterwerke sind in verschiedenen Gallerien zerstreut, doch können wir sie hier nicht alle verzeichnen. Ehedem war eine beträchtliche Anzahl in Rom, zur Zeit der Revolution aber kamen die meisten auswärts. In Rom hinterließ er auch Fresco- bilder, Sandrart erwähnt des herrlich verzierten Saales im Hause des Cav. Muzio. Zwei bedeutende Gemälde von ihm: sieht man noch im Palast Doria, ehemals Pamfili, von denen insbesondere das eine unter dem Namen der „Mühle, il molino“ bekannt ist und bewundert wird. Dieses Bild hat Gmelin meisterhaft gestochen. Gmelin stach auch den berühmten Venustempel, von Claude gemalt,

Claude Lorrain.

Eine Anzahl von Gemälden und Zeichnungen dieses Meisters ist in England in der National-Galerie sind nach Passavant’s (Kunstreise etc. P. 20). Ansicht ächte Bilder von seiner Hand. Die Landschaft mit der Darstellung des Narcissus und der Echo, 3 Schüh 11 Z Jang, ist im Liber veritatis mit Nro. 77 bezeichnet. Sie war, ehe- dem in der Sammlung von Peter Delme. Das zweite Bild ist eine kleine Landschaft mit Hagar in der Wüste, die der sanfte Sinn des Meisters eben nicht schauerlich darstellte. Auch ist am Felsen ein nettes Dörfchen. Es kommt aus der Sammlung Duane. Aus der Sammlung des Lords Londonderry ist hier ein kleines Studium von Bäumen nach der Natur, mit Hirten und Ziegenherde in der Ferne. Eine Landschaft mit Sonnenuntergang stellt den Tod der Procris dar. Dieses Bild, so wie die drei bezeichneten, sind ein Geschenk des Baronets G. Beaumont. - Eine größere Landschaft von guter Erhaltung enthält die Darstellung, wie Sinon als Ge- fangener zu Priamus gebracht wird. Sie kommt aus dem Palaste

Chigi.

Aus der Sammlung Angerstein kamen fünf größere Bilder in die National-Galerie, doch sollen diese nur Copien nach Claude seyn. Abbildungen von den Gemälden dieser Gallerie sind in der un- längst bei Jones zu London erschienenen National-Gallery, in 4.

In der Gemälde Versteigerung des Lord Gwydie zu London kaufte 1820 der König die Landschaft mit dem Raube der Europa für 1100 Pf. Sterl., oder nach einer andern Angabe gar um 2100

In Bulwich College ist unter Claude’s Namen eine grosse An- zahl von Bildern. Der Hafen von Ostia, eine Landschaft mit Ruinen und Bäumen, und eine größere mit der Staffage von Ja- kob und Laban sind nach Passavant erwähnenswerth.

Im Palaste von Kensington ist die Aussicht von Tivoli nach der Campagna von Rom, ein grosses Studium nach der Natur, wahr und schön: im Ton. In einer andern Landschaft sitzt Claude und zeich- net mit einem andern Künstler nach Ruinen mit einer Säulenstel- lung, und zwei Bilder in diesem Palaste sind Seestücke.

In der Bridgewater-Gallerie ist eine grosse Landschaft mit einem prächtigen Baum in der Mitte, links Moses an dem feurigen Bu- sche. Dieses Bild malte der Künstler 1664 für H. de Bourlemont; dann erhielt es Clarke, hierauf Edw. Bouverie und zuletzt der Herzog von Bridgewater. Im Liber veritatis ist es mit Nro. 161 bezeichnet. In dieser Gallerie ist auch ein Seestück mit einer großen Baumgruppe am Ufer, links Ruinen mit drei Säulen, an welchen Schiffe halten. Die grosse Landschaft mit tanzenden Nymphen und dem Schäfer des Apulejus ist im Libro veritatis Nro. 142. Ueberaus klar ist in dieser Gallerie die kleine Land- schaft mit grossen Bäumen.

In der Grosvenor Gallery sind zwei Landschaften von außeror- dentlich klarem und frischem Ton.

In der Sammlung des Herzogs von Devonshire ist das bekannte Liber veritatis, welches Boydell publicirte, unter dem Titel Liber veritatis or a collection of 200 prints, after the original designs of Claude Lorrain etc. S. auch Earlom. Es sind dieses zum Theil Originalskizzen zu den von Claude in Öl ausgeführten Bildern, meist aber Zeichnungen, die er machte, in der Absicht, wie wir oben erwähnten.

In der Wellington-Gallery sind drei Bildchen; besonders eine Marine von grusser Schönheit.

Gelde, Claude. 75

In der Sammlung des H. Coesvelt ist eine grosse Abendlandschaft von ausgezeichneter Schönheit. Auf dem Felsen liegt eine Stadt und auf dem Flusse schwimmt ein Kahn.

In der Gallerie des Th. Hope sieht man eine grosse schöne Landschaft mit Morgenbeleuchtung. Die Gegend schmücken schöne Bäume und ein Fluss mit einer Brücke; im Vorgrunde sind Hirten mit Vieh, links eine grosse Baumgruppe mit der heil. Familie auf der Flucht in Ägypten.

Zu Straton sind drei Landschaften, ein Sonnenaufgang mit Felsen von N. Poussin, ein Sonnenuntergang, und das letzte Bild, welches Gelde gemalt haben soll. Es ist eine Landschaft mit Felsen und einem Hirsch, die alle unangenehm steif sind. Es wird Claude’s Podagra auch auf diese Figuren Einfluss gehabt haben.

Zu Longford Castle bei Salisbury sind zwei grosse Bilder von ausgezeichneter Schönheit. Ein Seehafen mit Sonnenaufgang und ein Sonnenuntergang mit antiken Ruinen und einer Wasserleitung. Sie werden auch die Gründung (oder die Ankunft des Aeneas in Latium) und der Fall Roms benannt. Ersteres Bild hat J. Mason gestochen.

In der Sammlung des H. Beckford in Bath ist eine grosse, nicht ganz schöne, Landschaft mit Christus, wie er der Magdalena erscheint.

Zu Kedleston Hall, im Besitze des Grafen von Scarsdale, ist eine reizende Landschaft, die Mühle mit dem Turm an der Seite.

Zu Holkham, dem Landsitz des Grafen Leicester, ist eine grosse Anzahl von Claude’schen Originalbildern, meist reiche landschaftliche Compositionen. Einige sind von der grössten Schönheit, nur hat der grössere Theil durch das Reinigen gelitten. Diese Stücke sind der Lasur, ihrer grössten Schönheit, beraubt. Doch sind hier noch einige wohl erhaltene Landschaften des Meisters, und mehrere Originalzeichnungen in Bister.

In Cursham House bei Bath sind zwei Landschaften von Claude: der Morgen und der Abend. Erstere ist von Peak für Boydell gestochen, letztere von Byrne.

Im britischen Museum ist ein grosser Reichthum an Zeichnungen dieses Meisters. Ein Band enthält deren allein 222 Stück, wovon nach Passavant sich nur einige zweifelhafte befinden. Ein grosser Theil ist aus einem seiner kleinen Skizzenbücher genommen; doch sind auch grössere Studien vorhanden, besonders schöne Baumgruppen, Luftperspektive und einige Compositionen zu Gemälden.

Auch in der Sammlung von Handzeichnungen des neuen Palastes in London sind ganz vorzügliche Handzeichnungen von Claude Lorrain. Acht grosse und mehrere von kleinerem Formate sind von J. Chamberlaine publiziert worden. Dabei ist das schöne Blatt des Hochzeitfestes unter grossen Bäumen, wovon sich das Ölbild im Pariser Museum befindet.

Im k. Museum zu Paris ist das schöne Gemälde mit der Hochzeit unter Bäumen, von welchem wir gerade oben der Zeichnung erwähnten. Hier ist auch die Abbildung des Foro Romano, in seinem neuen Zustande als Campo Vaccino, 1660 gemalt. Die Landung der Cleopatra; eine reiche Landschaft mit der Salbung Davids durch Samuel; eine Marine mit reich beladenen Schiffen und links vorn die Zubereitung zum Opfer; Ansicht eines Seehafens bei Sonnenuntergang; eine Marine mit Sonnenuntergang, in der Ferne Schiffe und eine Citadelle; Landschaft mit einem Flusse,

Gelee, Claude.

in welchem der Hirt die ‚Heerde tränkt; ein Landungsplatz mit Schiffen und an demselben reiche Architektur; Marine mit einem Pharus, in der Ferne eine Stadt; zwei Landschaften mit Viceh, zwei unter dem Namen: Sicge de ]a Rochelle und Le Pas de Suz be- kannte Bilder, und noch ein Paar andere.}

Im k. Museum zu Neapel ist das Meisterwerk, welches unter dem Namen des Sees der Diana bekannt ist. Es wurde in letzter Zeit aus der Gallerie Colonna in Rom erworben.}

Im Besitze des Churfürsten von Hessen-Cassel waren ehemals die berühmten vier Bilder, welche die Tageszeiten vorstellen. Sie

wurden unter Napoleon’s Herrschaft Eigenthum der Kaiserin Jose-

phine in Malmaison, von hier aus wanderten sie mit der be- rühmten pissenden Kuh von Potter nach Russland, und jetzt sind sie in der kaiserlichen Eremitage aufgestellt. In diesen Bildern hat der Künstler den ganzen Umfang seines reichen Kunstvermögens

eröffnet und sie bezeichnen vielleicht das Höchste, was die Gesamte in der Landschaft hervorgebracht hat. Haldenwang lieferte davon Kupferstiche.}

In der k. Pinakothek zu München sind ebenfalls meisterhafte Bilder von Claude Lorrain: Landschaft mit der aufgehenden Sonne, wie sich ihre Strahlen auf den Wellen des Sees spiegeln, der einen Triumph- bogen und die mit Bäumen bewachsene Stadtmauer bespült, im Vor-

runde sind Bootsknechte. Ein anderes Bild stellt die untergehende Sonne dar, während eine Heerde durch das spiegelnde Wasser

geht, und eine dritte Abendlandschaft zeigt die Aussicht auf die

See; eine Landschaft zeigt Hagar mit Ismael, und das Gegenstück bil- det das Bild mit der Staffage, wie Abraham unter einem Prachtgebäude die Hagar mit Ismael verweist. Die aufgehende Sonne verbreitet ihre Strahlen über die See und die Gebirgskette,

Im k. Museum zu Berlin ist eine schöne reiche Composition, eine Landschaft mit Meer im Grunde, und einem Waldstück in dem mittleren Striche. Im Vorgrunde ist der Zug des Silens mit zahlreichen Faunen und Bacchantinnen, welche sich nach einem offenen Tempel des Bacchus hinbewegen. Dieser Zug ist nach ei- ner Composition des Giulio Romano von unbekannter Hand ge- malt.

In der k. Gallerie zu Dresden sind drei herrliche Landschaften von Claude. Vorzüglich ist das Seestück mit Acis und Galathea,

In der Gallerie des Fürsten Esterhazy zu Wien bewahrt man vier schöne Landschaften von Claude.

Auch in mehreren anderen Sammlungen findet man Gemälde von diesem Künstler.}

Radierter Blätter.

Wir haben von Claude Lorrain auch Blätter, welche verständig

mit leichter und geistreicher Nadel ausgeführt sind. Sie gehören zu den Zierden der Sammlungen, aber in guten Abdrücken findet

man sie nicht häufig. Sie gehen in Auktionen sehr teuer weg;.

so wurde 1834 das seltene Blatt mit Sonnenuntergang und zwei Männern, welche Bohlen ordnen, in einer öffentlichen Versteiger- ung zu Paris im ersten Drucke mit 131 Fr. bezahlt.

Verzeichnisse von Blättern dieses Künstlers findet man in mehreren französischen Werken über Kunst, und der Catalog des Mariette, der 1666 erschien, beläuft sich auf 46 Stücke. Im Peintre ravageur par Robert Dumesnil sind deren 42 beschrieben, und der

Verfasser glaubt, dass ausserdem nicht viel mehr zu finden seien,

Die Blätter sind von 16030.— 1663 datirt und man ersicht aus ih-

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