Gatti, Bernardino

Gatti, Bernardino, genannt il Sojaro, Maler von Cremona , den aber andere wieder für einen Verceller oder Pavesen halten. Auch sein Geburtsjahr ist unbekannt; doch erfolgte es bald nach , denn Gatti arbeitete schon und starb er. Er gehört zu Correggio’s ächten Schülern, wie Lanzi versichert, auch ist er einer der trefflichsten Nachahmer dieses Meisters. Seine Pieta in St. Magdalena zu Parma , die Ruhe in Ägypten in der Sigmundskirche zu Cremona, und die Geburt Christi in S. Pietro daselbst sind nach Lanzi’s Ansicht Bilder, in welchen man sieht, wie Correggio nachgeahmt werden kann, ohne ihn zu copiren. Seine Physiognomien sind ausserordentlich mild, seine Jungfrauen und Kin- der athmen Unschuld, Schönheit und Lieblichkeit. Er liebt helle und weissliche Gründe, und Süßigkeit des Colorits ist einer seiner Hauptvorzüge. Dabei sind seine Gestalten vollkommen gerundet.

Er hatte auch die Gabe, jeden Maler nachzuahmen, neben welchen er arbeitete. In Piacenza malte er nach Pordenone die Tri- bune in S. M. di Campagna, und da schien alles von einer Hand zu sein, wie Vasari erkannte. In derselben Kirche ist Pordenone gegenüber sein heiliger Augustin nicht zu übersehen, eine sehr rund ausgestretzte Figur von grosser Bewegung, angeblich nach Giulio Romano’s Zeichnung gemalt, nach dem Wunsche des Bestellers. Ein in allen Theilen ausgezeichnetes Werk nennt Lanzi auch seine Malerei an der Kuppel des Kirchenturms (alla Steccata) zu Parma. Bewunderungswürdig und überraschend ist besonders die heilige Jungfrau. Auch seine Vervielfältigung der Brode im Speisesaal der Lateranenser zu Cremona, 1552 gemalt, verdient erwähnt zu werden. Es ist dieses eines der reichsten Gemälde, womit je ein Kloster geziert worden ist. Die Figuren sind über Lebensgrösse, und abwechselnd in Physiognomie und Bewegung. Die Seltsamkeiten und einige Vergehen gegen die Perspektive heben die im reinen Einklang stehenden reizenden Tinten auf.

Die Zahl von Sojaro’s Bildern ist bedeutend, da er in seinem 80sten Jahre noch malte, und vom Schlage gelähmt mit der Linken. In diesem Zustande malte er die 530 Palmen hohe Himmelfahrt Maria in der Hauptkirche zu Cremona, welche, obgleich durch den Tod des Künstlers unvollendet, nach Lanzi’s Versicherung ein Wunderwerk ist. In italienischen Privatsammlungen sind wenige Bilder von ihm; viele gingen ins Ausland, besonders nach Spanien. Im Museum zu Neapel sind zwei seiner Gemälde: Christus an die Säule gebunden und Christus am Kreuze zwischen den bei-

den Schächern, eine der reichsten Compositionen von den mannig- faltigsten Charakteren und ein Werk, welches, wie kein anderes, die ersten Vorzüge in sich vereinigt, Es ist angeordnet mit der Weisheit des Leonardo, gezeichnet mit den Kenntnissen des Mi- chel Angelo, beseelt mit dem geistigen Hauche Rafael’s, gemalt in dem frischen Tone Titian’s und übergossen mit dem hell-dunklen

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